Sassari/Rom — Der Jagd-, Fischerei- und Traditionsverband Sardiniens hat sich gegen jüngste Forderungen nach einem generellen Jagdverbot gestellt und die aktive Rolle der Jägerschaft im Schutz von Wildtieren und Lebensräumen betont. In einer Mitteilung weist der Verband darauf hin, dass viele Jägerinnen und Jäger das Gebiet gut kennen, dort regelmässig präsent sind und Ressourcen für Prävention und Brandbekämpfung bereitstellen.
Praktische Mitarbeit statt Verbotsforderungen
Die Verbandsschrift erklärt, die Schutzbemühungen dürften nicht auf pauschale Verbote reduziert werden. Stattdessen brauche es «Daten, Monitoring und verhältnismässige Massnahmen». In der Mitteilung heisst es weiter, man wolle weder die Bedeutung konkreter Schutzmassnahmen schmälern noch jene ignorieren, «wenn bestimmte Arten tatsächlich in einer kritischen Lage sind». Die Jägerschaft biete sich in solchen Fällen als Partner für eine ernsthafte Bewertung und gezielte Interventionen an.
„Der Schutz der Wildtiere beschränkt sich nicht darauf, Verbote und Aussetzungen zu fordern. Er bedeutet auch, das Gebiet zu kennen, darin zu leben, es zu schützen und einen konkreten Beitrag zu seinem Erhalt zu leisten.“
Der Verband unterstreicht, dass viele Jägerinnen und Jäger ihre Zeit und Mittel freiwillig eingesetzt hätten, insbesondere während der Sommersaison, um Brände zu melden und erste Löschaktionen zu unterstützen. Diese praktische Mitarbeit nannte er ein konkretes Beispiel für lokalen Naturschutz, das in der öffentlichen Debatte zu wenig gewürdigt werde.
Konfliktlinien und Forderungen
Hintergrund der Stellungnahme sind anhaltende Auseinandersetzungen zwischen Tierschutzorganisationen und Teilen der Zivilgesellschaft, die in bestimmten Gebieten ein zeitweiliges oder generelles Jagdverbot fordern. Der Verband kritisiert Verallgemeinerungen und mahnt an, vor einschneidenden Massnahmen zunächst Fakten zu erheben. Er fordert, dass der Beitrag der Jägerschaft zum Schutz des Territoriums anerkannt werde und nicht nur dann berücksichtigt werde, wenn Jäger als Problem dargestellt würden.
Die Debatte berührt mehrere ökologische und gesellschaftliche Dimensionen: Artenschutz, Gefährdungsprüfungen, die Frage nach Datenbasen und Monitoring sowie das Verhältnis zwischen staatlichen Behörden, Naturschutzorganisationen und lokalen Nutzergruppen. Entscheidend sei, so der Verband, eine differenzierte Bewertung und die Einbeziehung lokaler Akteurinnen und Akteure in Schutzkonzepte.
Konkrete Beiträge der Jägerschaft
In der Mitteilung nennt der Verband exemplarisch Aktivitäten, die er als Schutzbeiträge versteht. Dazu gehören:
- regelmässige Präsenz in gefährdeten Gebieten und Kenntnis der Ökosysteme,
- Meldung und erste Massnahmen bei Bränden, insbesondere in der Sommerzeit,
- Bereitstellung von Personal und Ausrüstung für präventive Einsätze,
- Bereitschaft zur Teilnahme an Monitoring und wissenschaftlicher Beurteilung bei nachgewiesener Gefährdung einzelner Arten.
| Forderung | Argument des Verbands |
|---|---|
| Generelles Jagdverbot | Verallgemeinernd; ersetzt keine datenbasierte Bewertung |
| Gezielte Schutzmassnahmen | Erforderlich und sinnvoll; Jägerschaft bietet Mitarbeit an |
Die Mitteilung schliesst mit einem appellativen Ton: Bevor man jene, die in einem Gebiet leben und es schützen, pauschal kritisiere, solle man klären, wer wirklich Verantwortung für den Schutz übernehme.
Für die Umweltpolitik in Italien und darüber hinaus wirft die Kontroverse grundlegende Fragen auf: Wie lassen sich lokale Kenntnisse und freiwillige Schutzleistungen systematisch erfassen und in offizielle Schutzstrategien integrieren? Welche Rolle spielen Bürgerinnen und Bürger, die regelmässig in einem Gebiet präsent sind, bei Prävention und Monitoring? Und wie lassen sich Schutzmassnahmen gestalten, die sowohl biologische Bedürfnisse als auch soziale Realitäten berücksichtigen?
Die Debatte in Sardinien zeigt, dass Antworten auf diese Fragen oft mehr Dialog und bessere Datengrundlagen erfordern, statt simplifizierender Forderungen. Der Verband signalisiert Bereitschaft zur Kooperation; nun sind Behörden und Naturschutzakteure gefragt, gemeinsame, faktenbasierte Lösungen zu erarbeiten.