Das Reeperbahn-Festival in Hamburg startet in seine 21. Ausgabe – und das unter dem Damoklesschwert sinkender öffentlicher Mittel. Die Veranstalter warnen, dass geplante Einschnitte die Strahlkraft des Festivals und seine Funktion als internationales Sprungbrett für junge Talente massiv beeinträchtigen könnten.
Festivalchef malt düsteres Bild für 2027
Festivalchef Alexander Schulz beschreibt die Situation als existenziell wichtig für die künftige Ausrichtung: Wenn die geplanten Kürzungen umgesetzt werden, drohe das Festival 2027 zu einem primär nationalen Branchentreff zurückzufallen, so die Einschätzung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Bislang habe das Reeperbahn-Festival einen Rang inne, der es weltweit zu einem der bedeutendsten Branchentreffs macht; aktuell sei es «der zweitwichtigste Branchentreff der Welt».
„Dann werden wir 2027 ein Reeperbahn-Festival erleben, das ein nationaler Branchentreff ist, aber nicht mehr vergleichbar für die Musikbranche mit dem, was die Berlinale für die Filmbranche ist.“
Die unmittelbare Ursache der Sorge sind geplante Kürzungen der Bundesförderung: Nach Angaben der Festivalleitung wurden die Mittel in diesem Jahr bereits um 1,5 Millionen reduziert. Für 2027 sieht der Bund vor, die bisherige Förderung von 6,2 Millionen auf 3 Millionen zu senken. Zum Vergleich: 2024 lag die Förderung noch bei 8,2 Millionen.
Politik und Stadt reagieren – mehr Belastung für Hamburg?
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) warnte vor einer empfindlichen Schwächung des Musikstandorts Deutschland, sollten die Kürzungen Bestand haben. Er betonte die Bedeutung des Festivals für die deutsche Musikwirtschaft und mahnte, der Bund müsse diese Rolle anerkennen. Hintergrund der Debatte ist die Forderung des Bundes, dass sich die Stadt Hamburg künftig stärker finanziell beteiligen solle, weil sie unmittelbar von den ökonomischen und kulturellen Effekten profitiere.
Die Festivalleitung gibt an, die erste Kürzung sei bereits teilweise durch die Stadt kompensiert worden. Laut Angaben der Kulturbehörde hat sich die städtische Förderung seit 2024 bereits vervierfacht – ein Hinweis darauf, dass die Stadt bereit ist, zusätzliche Lasten zu übernehmen, um die Veranstaltung in ihrer bisherigen Form zu erhalten.
- Gefährdete Rolle als internationales Sprungbrett für junge Künstler
- Bundesförderung soll von 6,2 Mio. auf 3 Mio. sinken
- Stadt Hamburg hat städtische Förderung bereits erhöht und erste Kürzungen teilweise aufgefangen
Konkrete Folgen für das Festivalprogramm
Die Veranstalter kündigten an, dass bereits für 2026 Anpassungen nötig werden: Die Eröffnungsfeier fällt kleiner aus, und die Zahl der Spielorte sowie die Umfang des Programms werden leicht reduziert. Konkrete Details zu weiteren Einsparungen nannte die Leitung nicht, machte aber deutlich, dass eine Halbierung der Bundesmittel die internationale Ausrichtung und die Branchenarbeit stark einschränken würde.
| Jahr | Bundesförderung (laut Festival) |
|---|---|
| 2024 | 8,2 Millionen |
| 2026 (aktuell) | 6,2 Millionen (vor Kürzung) |
| 2026 (Kürzung dieses Jahres) | -1,5 Millionen |
| 2027 (geplante Förderung) | 3 Millionen |
Die Zahlen illustrieren, wie schnell sich die Zuschüsse verringern könnten und welchen Druck das auf die Organisation ausübt. Festivalmacher warnen, dass genau diese Planungssicherheit nötig ist, um internationale Partnerschaften, Gastprogramme und junge Talente nachhaltig fördern zu können.
Für die Hamburger Kulturszene wäre ein Absinken der Förderungen mehr als ein Budgetproblem: Es geht um Sichtbarkeit, Vernetzung und die wirtschaftliche Wertschöpfung, die ein internationales Musikfestival mit sich bringt. Ob Bund und Stadt einen Kompromiss finden, der die internationale Bedeutung des Reeperbahn-Festivals erhält, bleibt offen. Die nächsten Verhandlungsrunden werden zeigen, ob das Festival seine Rolle als Leuchtturm der Branche behaupten kann oder sich neu orientieren muss.