Der traditionsreiche US-«Playboy» erscheint 2026 wieder in einer gedruckten Ausgabe – und präsentiert sich unter dem neuen Chefredaktor Phillip Picardi als neu interpretierte Lifestyle-Publikation. Die Neuausrichtung will an die legendäre Marke anknüpfen, zugleich aber Rollenbilder und Darstellungsformen von Erotik und Männlichkeit aufbrechen. Als symbolisches Signal wählte das Magazin das Supermodel Cara Delevingne für das erste Cover.
Wandel statt Rückkehr zur alten Ästhetik
Der «Playboy» war lange Zeit vor allem als Männermagazin mit erotischen Bildstrecken bekannt. Für den neuen Mann an der Spitze, Phillip Picardi, hat das klassische Konzept an Berechtigung verloren: «Dafür braucht man kein Printmagazin mehr», sagte Picardi laut Angaben der britischen Times mit Blick auf die reine Vorlagenfunktion früherer Ausgaben. Die Kombination von omnipräsenten Online‑Plattformen und veränderten Erwartungen an Repräsentation zwinge die Marke, ihr Selbstverständnis zu überdenken.
«Dafür braucht man kein Printmagazin mehr.»
Picardi, 35 Jahre alt, mit einem Master in Religion von Harvard, brachte zuvor das queere Magazin Them auf den Weg und war bei Teen Vogue tätig. Seine Biographie und sein beruflicher Hintergrund werden nun als Treiber für eine Modernisierung des «Playboy» gesehen. Der Hase – als Logo und Markenzeichen – bleibe erhalten, schreiben Beobachter, doch das Blickfeld werde erweitert.
Cover als Signal: Delevingne und neue Bilder von Weiblichkeit
Auf dem ersten Cover posiert Cara Delevingne in einem klassischen Bunny‑Outfit, trägt jedoch eine Inszenierung, die auf Selbstbestimmung und Ironie setzt: Die Fotografie kombiniert erotische Motive mit spielerischen und subversiven Elementen. Laut Bericht ist Delevingne die erste offen lesbische Frau, die ein Cover des Magazins ziert, und gleichzeitig das erste Supermodel seit Kate Moss 2014, das wieder das ikonische Bunny‑Kostüm trägt.
Die Aufnahme zeigt Delevingne in einer schwarzen Lack‑Korsage, eine Hand zwischen den Beinen, mit der anderen zündet sie sich eine Zigarette an, in deren Flamme das «Playboy»-Logo sichtbar ist. Beobachter sehen darin eine doppelte Botschaft: Das Heft bleibt in Teilen erotisch, will aber die Frau nicht länger bloss als Objekt männlicher Fantasie darstellen.
Kontext: Vom Massenblatt zur differenzierten Marke
Historisch erreichte der «Playboy» Spitzenverkäufe von bis zu 7 Millionen Exemplaren. Die gedruckte Ausgabe wurde 2020 eingestellt; der Relaunch 2026 zielt nun auf einen veränderten Markt. Aktuelle Preisangaben sprechen von rund 30 Pfund pro Ausgabe, was auf eine Positionierung als hochwertiges Lifestyle‑Produkt hindeutet und den Unterschied zur früheren Massenverbreitung markiert.
- Neu: Chefredaktor Phillip Picardi setzt auf eine queere, selbstbestimmte Bildsprache.
- Cover: Cara Delevingne als erstes offen lesbisches Covermodel.
- Positionierung: Rückkehr in Print, aber als rethought Lifestyle‑Magazin statt reine Erotikvorlage.
Die Entscheidung, eine bekannte Persönlichkeit wie Delevingne prominent zu platzieren, ist strategisch: Sie verbindet Prominenz mit einem klaren Statement zur Diversität. Gleichwohl bleibt offen, wie das Publikum – insbesondere die traditionelle Leserschaft – diese Neudefinition aufnehmen wird. Der Markt für gedruckte Magazine ist anspruchsvoll, und die Konkurrenz durch digitale Angebote bleibt hoch.
Mögliche Folgen und Fragen
Die Neuausrichtung wirft mehrere Fragen auf: Kann ein historisch auf Männer ausgerichtetes Magazin zeitgemässe Darstellungen von Gender glaubwürdig vermitteln, ohne seine Identität zu verlieren? Wie reagieren Werbepartner und Vertriebskanäle auf das neue Konzept? Und nicht zuletzt: Wird die neue Ausgabe ein breites Publikum finden oder bleibt sie ein Nischenprodukt mit symbolischer Strahlkraft?
Die Beantwortung dieser Fragen hängt wesentlich vom publizistischen Gehalt der Hefte, von redaktioneller Qualität und von der Art und Weise ab, wie sich das Magazin in Debatten um Repräsentation positioniert. Der Relaunch des «Playboy» ist deshalb weniger ein nostalgisches Revival als ein Experiment: ein Versuch, ein globales Kultursymbol an veränderte Normen und Erwartungen anzupassen.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Spitzenverkauf (historisch) | 7 Millionen Exemplare |
| Printeinstellung | 2020 |
| Relaunch (gedruckt) | 2026 |
| Preis erste Ausgaben | 30 Pfund pro Ausgabe |
Die Neudefinition des «Playboy» wird international aufmerksam verfolgt. In der Schweiz dürfte die Debatte weniger um das Heft selbst kreisen als um die Frage, wie Medien mit historischen Bildern umgehen und welche neuen Narrative sie anbieten können. Der Relaunch zeigt: Selbst Ikonen der Männermedien sehen sich gezwungen, ihre Rolle in einer veränderten Medienlandschaft neu zu bestimmen.