In Luzern hat sich eine neue Stimme für Menschen mit Behinderungen formiert: die Behindertenkonferenz Luzern (Beko). Erste Präsidentin ist Bea Stadler, die zugleich Co-Geschäftsleiterin von Swiss Inclusive Sport ist und im Kanton Luzern als engagierte Vertreterin für inklusive Sport- und Teilhabemöglichkeiten bekannt ist. Stadler kündigt an, sich für die Kantonsratswahlen 2027 als Kandidatin der Mitte Stadt Luzern zur Verfügung zu stellen.
Praktische Erfahrung als Ausgangspunkt
Stadler ist seit rund zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen und lebt zudem mit einer Sehbehinderung. Diese persönlichen Erfahrungen prägen ihren Zugang zur Arbeit in der Beko und ihr Verständnis für die alltäglichen Hürden. Mit einem motorisierten externen Antrieb und Lenker kann ihr Rollstuhl Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h erreichen. Stadler betont, dass langjährige Mobilitätserfahrung ihr geholfen habe, Wege und Barrieren in der Stadt gut einzuschätzen.
Bei einem Treffen in der Luzerner Neustadt schilderte sie konkrete Alltagssituationen: Rund um den Helvetiaplatz etwa gebe es einen asphaltierten Randweg, der sich leichter befahren lasse als der kiesbedeckte Bereich in der Mitte. Kies sei aus Entsiegelungsgründen wünschenswert, für Rollstuhlnutzende jedoch ein schwieriger Untergrund.
Erlebte Diskriminierung und Grenzen privater Fragen
Neben baulichen Hindernissen spricht Stadler auch die zwischenmenschliche Dimension an. Sie erlebt immer wieder Zuschreibungen und teils diskriminierende Reaktionen. Für Fragen zu Diagnosen fordert sie Respekt vor Privatsphäre:
„Diagnosen sind privat. Ich werde im öffentlichen Raum, etwa auf dem Bahnsteig oder im Zug, erstaunlich oft nach meiner Diagnose gefragt. Dann sage ich: Das ist meine private Angelegenheit.“
Stadler weist darauf hin, dass solche Fragen unangemessen sind und dass Menschen mit Behinderungen nicht ständig über ihre Biografie oder Gesundheit Auskunft geben müssen.
Von Sport zur Politik: Brücke zur öffentlichen Vertretung
Beruflich engagiert sich Stadler bei Swiss Inclusive Sport, einem Verein, der inklusive Sportangebote in der ganzen Schweiz fördert. Als leidenschaftliche Rollstuhlbasketballerin bringt sie die Perspektive von Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderung in die Diskussion ein, auch wenn sie aktuell wegen einer Sportverletzung nicht auf dem Feld steht.
Mit ihrem Wechsel in die politische Arena will sie die Erfahrungen aus der Zivilgesellschaft und dem Sport in die kantonalen Entscheidungsprozesse einbringen. Die Kandidatur für den Kantonsrat 2027 signalisiert, dass die Beko nicht nur informieren, sondern auch politisch wirksam werden will.
Konkrete Barrieren und Anliegen
Aus dem Gespräch mit Stadler lassen sich zentrale Anliegen ableiten, die die Beko in Luzern ansprechen dürfte:
- Öffentlicher Raum: Oberflächen und Wegeführung (z. B. Asphalt versus Kies) beeinflussen Mobilität massiv.
- Öffentliche Verkehrsmittel und Perrons: Barrierefreie Zugänge und Informationen sind zentral für selbstbestimmte Mobilität.
- Soziale Teilhabe: Abbau von Stigmatisierung und respektvoller Umgang in der Öffentlichkeit.
Was bedeutet das für Luzern?
Die Gründung der Behindertenkonferenz kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Städte und Gemeinden vermehrt über nachhaltige Verkehrs- und Freiraumgestaltungen diskutieren. Die konkreten Hinweise Stadlers — etwa zu Untergrundmaterialien oder zu Sichtweisen der Bevölkerung — liefern praktische Perspektiven für Planende, Bauverwaltungen und die Politik. Die Beko kann als beratendes Gremium dienen, das Betroffene systematisch in Planungsprozesse einbindet.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Rolle | Erste Präsidentin der Behindertenkonferenz Luzern |
| Beruf | Co-Geschäftsleiterin, Swiss Inclusive Sport |
| Mobilität | Im Rollstuhl unterwegs, bis zu 20 km/h mit motorisiertem Antrieb |
| Politik | Kandidatur Kantonsrat 2027 (Mitte Stadt Luzern angekündigt) |
Ausblick
Die Beko hat das Potenzial, die Diskussion über Barrierefreiheit in Luzern zu präzisieren und Projekte stärker an den Bedürfnissen Betroffener auszurichten. Stadlers Kombination aus persönlicher Erfahrung, sportlichem Engagement und organisationeller Arbeit bei Swiss Inclusive Sport bringt Fachwissen und Glaubwürdigkeit in die neue Konferenz. Ob die Beko die kantonalen Diskussionen spürbar beeinflussen wird, hängt auch davon ab, wie offen Verwaltung, Parteien und Planende für einen strukturierten Austausch sind.
Für Bewohnerinnen und Bewohner von Luzern bedeutet das: Mehr Teilhabe setzt nicht nur bauliche Veränderungen voraus, sondern auch eine veränderte Gesprächskultur. Die Beko könnte dafür eine wichtige Plattform bieten — und mit einer Kandidatur in den Kantonsrat erhält die Thematik eine direkte politische Stimme.