Standort und Zielsetzung
Auf dem ehemaligen Privatgrundstück der Familie Schöffler in Murten soll ein neues Wohnquartier entstehen, das gezielt Menschen mit besonderen Bedürfnissen adressiert und zugleich günstigen Wohnraum für die Stadt bereitstellt. Die Flächen liegen zwischen Schloss und Schwimmbad mit Blick auf den Mont Vully. Die Heinz Schöffler Stiftung hatte 2025 einen offenen einstufigen Wettbewerb ausgeschrieben, den der Zürcher Architekt Gregor Honold für sich entscheiden konnte.
Bestand, Baubereich und Schutzzonen
Die Projektfläche umfasst drei Parzellen mit einer Gesamtfläche von rund 10 000 m2. Davon sind Teile bereits bebaut; vier Bestandsbauten liegen am östlichen Rand zur Ryfstrasse hin. Der Uferbereich ist geschützt und liegt ausserhalb der Bauzone, sodass die bebaubare Fläche auf etwa 7 000 m2 begrenzt ist. Entsprechend ist die Planung an die bestehenden Schutzvorgaben und die topographischen Gegebenheiten anzupassen: Gegen Nordwesten fällt der Hang steil zur Seewiese ab, eine Folge der Juragewässerkorrektion.
Programm und Nutzergruppen
Aus der Bedarfsanalyse der Stiftung geht hervor, dass in Murten preiswerter Wohnraum knapp ist. Das Vorgabeprogramm für das Quartier nennt mehrere, teils überlappende Nutzergruppen:
- Ältere Menschen mit flexiblen Wohnbedürfnissen
- Psychisch oder körperlich beeinträchtigte Personen
- Jugendliche in schwierigen Verhältnissen
- Eine Kindertagesstätte
- Ein offener Begegnungsort für Quartier und Nachbarschaft
Explizit vorgesehen ist zudem die Einplanung einer «conciergerie sociale», also einer sozialen Anlaufstelle für Dienstleistungen und Unterstützung im Alltag.
Umgang mit Bestandbauten
Von den vier bestehenden Gebäuden sollen drei erhalten bleiben; sie beherbergen heute Wohnungen und die Büros der Stiftung. Das westlichste Gebäude, das ehemalige Poolhaus, wird wegen seiner veränderten Funktion und des Zustands für den Abbruch vorgesehen. Die Erhaltung der übrigen Bestände bildet eine wichtige Grundlage für die Einbettung des neuen Quartiers in die bestehende Struktur von Murten und bewahrt stadträumliche Kontinuitäten.
Wirkung auf Murten
Das Projekt verbindet städtebauliche und soziale Ziele: Es schafft langfristig nutzbaren, zielgruppenspezifischen Wohnraum in einer zentralen Lage und ergänzt bestehende Angebote für Betreuung und Nachbarschaft. Für Murten bedeutet das konkret:
- Erhöhung des Angebots an günstigen Wohnungen in Seenähe
- Integration von Menschen mit Unterstützungsbedarf in das Quartiersleben
- Schutz und sinnvolle Weiterverwendung von historischen Bestandsbauten
Die Lage zwischen Schloss und Ufer verlangt eine sensible Planung, die Landschaftsschutz, Denkmalschutz und Wohnbedürfnisse abwägt.
«Die Stiftung will Menschen in Not unter die Arme greifen, etwa auch mit bezahlbarem Wohnraum.»
Nächste Schritte und offene Fragen
Das Wettbewerbsresultat gibt die gestalterische Richtung vor; nun stehen vertiefende Studien, Gespräche mit Behörden sowie die konkrete Ausarbeitung des Nutzungs- und Finanzierungskonzepts an. Offene Fragen betreffen insbesondere:
| Fragestellung | Bedeutung für Murten |
|---|---|
| Grösse und Mix der Wohneinheiten | Bestimmt Zugänglichkeit für verschiedene Zielgruppen |
| Finanzierung und Mietpreisniveau | Entscheidend für die tatsächliche Erschwinglichkeit |
| Infrastruktur (Kita, Begegnungsraum) | Beeinflusst soziale Vernetzung im Quartier |
Für die Bevölkerung von Murten ist das Projekt ein bedeutender Schritt in Richtung inklusiver Stadtentwicklung. Es wird zeigen, wie sich soziale Ziele mit Standortqualitäten am See verbinden lassen, ohne die schützenswerte Uferzone und das historische Stadtbild zu beeinträchtigen.