Marinko Jurendic hat beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) die neu geschaffene Funktion des Chief Sports Officer übernommen. Der 48-Jährige kehrt damit in eine zentrale Rolle zurück: Er soll die sportlichen Fäden innerhalb des Verbands zusammenführen und kurz nach Arbeitsbeginn erste Prioritäten setzen.
Aufhorchen bei drei Schwerpunktfeldern
Jurendic, der bereits zuvor in kleinerem Pensum im Bereich Nachwuchs- und Talententwicklung für den SFV tätig war, nannte bei seiner Vorstellung drei konkrete Themen, auf die er sich zu Beginn konzentrieren will. Dabei betonte er zunächst, dass er in den ersten Wochen vor allem zugehört habe, um «zu verstehen, wo sich der Schweizer Fussball befindet».
- Doppelbürger-Thematik: Jurendic machte die Herausforderungen um Talente mit mehreren Pässen zum Schwerpunkt. Er wies darauf hin, dass junge Spielerinnen und Spieler, obwohl sie im Nachwuchs für die Schweiz spielten, später für andere Nationen entscheiden können. Aktuell nannte er Beispiele wie Winsley Boteli und Alessandro Romano, die von mehreren Verbänden umworben werden, sowie jüngere Fälle wie Leon Avdullahu oder Albian Hajdari, die sich gegen die Schweiz entschieden hatten.
- Strukturen und Prozesse: Jurendic will die internen Abläufe hinterfragen und gegebenenfalls anpassen. Verbandspräsident Peter Knäbel hatte die Schaffung der Stelle mit dem Ziel begründet, eine «dynamische, innovative und effiziente» Sportorganisation zu formen, die «mutige Visionen für die nächsten Generationen» entwickeln soll.
- Positionierung im internationalen Wettbewerb: Jurendic machte deutlich, dass ihn der Abstieg der Schweiz im UEFA-Koeffizienten beschäftigt. Trotz Erfolge der A-Nationalteams bestehe Handlungsbedarf, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder zu stärken.
«Vertrauen und Werte» als Argumente für die Schweiz
Zu den doppelstaatlichen Talenten äusserte Jurendic, die Aufgabe werde sein, den jungen Spielerinnen und Spielern frühzeitig aufzuzeigen, was die Schweizer Nationalteams bieten. Gleichzeitig mahnte er, die verschiedenen Einflüsse auf die Heranwachsenden nicht zu unterschätzen: Mit zunehmendem Alter änderten sich Umfeld, internationale Dynamiken und Beratungsstrukturen.
«Wir müssen aufzeigen, dass das Land, in dem sie gross geworden und in die Schule gegangen sind, ein wichtiges Fundament ist. Das kann die Schweiz geben: Vertrauen und unsere Werte.»
Jurendic stellt damit die emotionale Bindung und die Vermittlung von Werten als zentrale Elemente der Talentbindung in den Vordergrund, zusätzlich zu strukturellen Massnahmen.
Erwartungen an die neue Rolle
Die Funktion des Chief Sports Officer wurde neu geschaffen und bündelt nun sportliche Verantwortlichkeiten, die zuvor auf verschiedene Ämter verteilt waren. Jurendic soll die Entwicklungspfade für Talente klarer gestalten und Schnittstellen zwischen Nachwuchsleistungszentrum, Klubarbeit und Nationalteams enger verzahnen. Sein Beginn fiel zusammen mit der Aussage des Verbandspräsidenten, der die Aufgabe als strategisch wichtig für die Zukunft des Schweizer Fussballs bezeichnete.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Neue Position | Chief Sports Officer (SFV) |
| Alter des Amtsinhabers | 48 Jahre |
| Erste Schwerpunkte | Doppelbürger-Thematik, Strukturen/Prozesse, UEFA-Koeffizient |
Welche konkreten Massnahmen der Verband in den kommenden Monaten umsetzen wird, blieb bei der Vorstellung bewusst offen. Jurendic betonte sein Zuhören in den ersten Wochen; die nächsten Schritte sollen auf diesem Bilden von Erkenntnissen aufbauen.
Die Berufung Jurendics markiert zugleich eine strategische Weichenstellung des SFV: Mit einer zentralen Sportverantwortung will der Verband koordinierter agieren, Talente frühzeitig ansprechen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Die Herausforderung besteht darin, aus den Absichtserklärungen konkrete, nachhaltige Massnahmen zu formen, die sowohl kurzfristig Wirkung zeigen als auch langfristig die Spielerentwicklung in der Schweiz stärken.