La Chaux-de-Fonds wird ab 31. Dezember und im Lauf des Jahres 2027 als erste Kulturhauptstadt der Schweiz auftreten. Die Neuenburger Uhrenmetropole will ihr städtebauliches Erbe, die lokale Bevölkerung, Institutionen und einheimische Kunstschaffende ins Zentrum stellen und das Jahr als Plattform für ein vielfältiges kulturelles Experiment nutzen.
Ein strukturierter Jahresplan: 12 Monate, 12 Themen
Die künstlerische Leitung kündigte an, das Programm konsequent zu gliedern: 12 Monate, 12 Themenbereiche und 12 Highlights sollen historische Identität mit zeitgenössischem Schaffen verknüpfen. Geplant sind lokale und internationale Produktionen, Uraufführungen sowie Beiträge aus Bildender Kunst, Musik, Tanz und Theater.
"eine Spielwiese unerschöpflicher Kreativität"
Mit diesem Bild beschrieb das Team den Anspruch, das ganze Jahr zu einem lebendigen Labor für künstlerische Experimente zu machen. Die Veranstalter setzen bewusst auf Vielfalt: Volkskultur und avantgardistisches Schaffen sollen nebeneinander Platz finden und einander befruchten.
Programmhighlights und Orte
Zu den angekündigten Projekten zählen Uraufführungen und neue Werke, die eigens für «La Chaux-de-Fonds – Kulturhauptstadt» (lcdf27) geschaffen werden. Unter den Namen, die genannt wurden, sind die polnische Pianistin und Komponistin Hania Rani, die eine Uraufführung an einer Orgel im Musiksaal präsentieren soll, sowie die Regisseurin Juliette Vernerey und die bildende Künstlerin Claudia Comte. Weitere erwähnte Künstler sind Thom Luz, Floriane Facchini, die Mezzosopranistin Marina Viotti und der Fotograf Christian Lutz.
Das Programm umfasst laut Angaben der Verantwortlichen über 300 Veranstaltungen an 70 verschiedenen Orten. Dazu gehören etablierte Orte sowie ungewöhnliche Spielstätten: So wird der Flugplatz Les Eplatures für eine Zeit stillgelegt, um dem französischen Choreografen und Tänzer Boris Charmatz eine Bühne für einen Tanzmarathon zu bieten. Ebenfalls auf dem Rollfeld plant das Paléo Festival anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums eine Nachtveranstaltung.
- Über 300 Veranstaltungen
- 70 verschiedene Spielorte
- 12 Monate / 12 Themenbereiche / 12 Highlights
- Grossprojekte: Uraufführungen, Tanzmarathon, Paléo-Jubiläumsnacht
Tradition und Gegenwart: Festivals und regionales Schaffen
Die Veranstalter wollen auch bestehende Formate integrieren und neu denken. So ist die nächste Schubertiade mit rund hundert klassischen Konzerten an 16 Orten der Stadt geplant; Musikerinnen und Musiker aus der Region können sich derzeit anmelden. Zudem soll ein neues Festival für aktuelle Musik entstehen. Auf dem Marktplatz wird die Stadt zusammen mit dem Locarno Film Festival zur «Piccola Piazza Grande», auf der Filmschaffende aus der Region ihre Werke zeigen.
Die programmliche Mischung zielt darauf ab, das lokale Publikum ebenso anzusprechen wie internationale Besucherinnen und Besucher. Die künstlerische Leitung betont die Bedeutung, die Einwohnerinnen und Einwohner aktiv einzubinden: Sie sollen nicht nur Publikum sein, sondern Mitgestaltende der Projekte.
Konsequenzen für Stadtentwicklung und Kulturinstitutionen
Die Erklärung, La Chaux-de-Fonds zur Kulturhauptstadt zu ernennen, stellt die Stadt vor logistische und organisatorische Aufgaben: Die Nutzung ungewöhnlicher Orte wie eines Flugfelds verlangt Abstimmungen mit Behörden, Sicherheitskonzepten und Nachbarschaften. Für Museen, Theater und freie Szene bietet das Jahr zugleich sichtbare Chancen für Kooperationen, Auftragswerke und erhöhte Aufmerksamkeit.
Langfristig bleibt die Frage, wie viel des Impulses über 2027 hinaus in die städtische Kulturinfrastruktur trägt. Die Initiantinnen und Initianten setzen darauf, dass die Projekte das kulturelle Ökosystem stärken und neue Netzwerke sowie Publikumsschichten erschliessen.
Das detaillierte Programm von «La Chaux-de-Fonds – Kulturhauptstadt» wurde am Dienstag vorgestellt; viele Projekte werden in den kommenden Monaten weiter konkretisiert. Die Besonderheit liegt im Anspruch, die Stadt selbst – ihr Erbe, ihre Architektur und ihre Menschen – zur Mitte eines Jahres kultureller Experimente zu machen.