Ein Ort mit vielschichtiger Bedeutung
Eine Gruppe des Natur- und Vogelschutzvereins Niederrohrdorf besichtigte kürzlich die Klosterhalbinsel in Wettingen. An der Führung nahmen 14 Personen teil. Die Exkursionsleiterin, Vereinsmitglied Ruth Blaser, vermittelte dabei geschichtliche Hintergründe, ökologischen Wert und aktuelle Entwicklungen auf der Halbinsel.
Geschichte und Nutzung im Überblick
Die Entstehung des Zisterzienserklosters geht auf Heinrich II. von Rapperswil zurück. Der Legende nach wurde er in Seenot durch einen hellen Stern (Stella Maris) gerettet und liess aus Dankbarkeit das Kloster an der Limmat erbauen. Wichtige Etappen in der Nutzung der Anlage lassen sich klar benennen:
- Aufhebung 1841: Im Kanton Aargau wurden 1841 alle Klöster aufgehoben; die Mönche hatten dem Bericht zufolge lediglich 48 Stunden Zeit, das Kloster zu verlassen.
- Lehrerseminar: Danach dienten die Gebäude als Lehrerseminar.
- Industrialisierung: Später brachte der Verkauf von Flächen und Gebäuden an Geschäftspersonen die Textilindustrie auf die Halbinsel; Arbeiter aus der Region, auch vom Rohrdorferberg, wurden dafür rekrutiert.
- Bildung heute: Seit 1976 ist die Kantonsschule Wettingen in den ehemaligen Klosterbauten untergebracht.
| Jahr / Periode | Ereignis |
|---|---|
| Gründungszeit (Legende) | Klosterbau durch Heinrich II. von Rapperswil |
| 1841 | Aufhebung aller Klöster im Kanton Aargau |
| 19. / 20. Jahrhundert | Textilindustrie auf der Halbinsel, Rekrutierung von Arbeitskräften |
| 1976 | Einzug der Kantonsschule Wettingen |
Naturraum und aktuelle Arbeiten
Die Klosterhalbinsel bietet verschiedensten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Beeindruckend sind der barocke Nutzgarten mit seltenen Gemüsesorten aus dem Pro Specia Rara-Programm und die alte Platanenallee. Zur Brücke, über die Arbeitskräfte früher zur Halbinsel gelangten, heisst es, dass die heute noch bestehende Hängedrahtseilbrücke im Volksmund «Gwagglibrugg» genannt wird.
Aktuell wird der Fischpass beim Kraftwerk saniert. Dieser Pass ermöglicht Fischen den Aufstieg flussaufwärts; die Sanierung ist somit ein Beitrag zur ökologischen Durchgängigkeit der Limmat und zur Erhaltung aquatischer Lebensräume.
«Die Klosterhalbinsel vereint Kultur, Bildung, Geschichte und Gastfreundschaft»
Bedeutung für Wettingen und die Region
Für Wettingen ist die Halbinsel ein bedeutendes Kulturgut mit überregionaler Ausstrahlung. Die lange Nutzungsgeschichte von religiöser Einrichtung über Bildungseinrichtung bis zur Industrie spiegelt die Wandlungsfähigkeit des Ortes wider. Gleichzeitig stellt die Halbinsel einen wichtigen Naturraum innerhalb der Limmatlandschaft dar, dessen Pflege und Schutz lokale und kantonale Aufgaben berühren.
Die Führung zeigte zudem, wie eng Geschichte und Natur voneinander abhängen: Historische Bauten, barocker Garten und alte Baumbestände bilden zusammen mit den renaturierten Bereichen am Fluss ein zusammenhängendes Ensemble. Die Sanierung des Fischpasses ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie die Infrastruktur des Ortes an heutige ökologische Anforderungen angepasst wird.
Für Anwohnende und Besucherinnen bleibt die Klosterhalbinsel ein Ort der Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart. Die kombinierte Aufmerksamkeit für Denkmalschutz, Bildungsnutzung und Umweltpflege wird auch künftig entscheiden, wie die Halbinsel in Wettingen weiter genutzt und erlebbar bleibt.