Im Kanton Jura steigen die Krankenkassenprämien für das Jahr 2027 durchschnittlich um 6,6 Prozent und damit am stärksten aller Schweizer Kantone. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit und bestätigte eine Analyse der jurassischen Regierung, die auf die Notwendigkeit genauerer und kontrollierbarer Kostenannahmen hinweist.
Altersstruktur und Behandlungsintensität als Treiber
Das BAG weist unterschiedliche Anstiege je Altersgruppe aus: Bei Erwachsenen liegt der durchschnittliche Anstieg bei 5,9 Prozent, bei jungen Erwachsenen bei 6,1 Prozent und bei Kindern bei 6,2 Prozent. Die jurassische Regierung macht mehrere strukturelle Faktoren für die Entwicklung verantwortlich. Der Kanton gehört demnach zu den demografisch älteren Regionen der Schweiz; er ist der zweitälteste Kanton. Zudem nennt die Regierung eine relativ hohe Behandlungsintensität pro Fall als Belastung für das Prämienniveau.
Weiterhin weist die Regierung darauf hin, dass im Kanton viele Versicherte auf alternative Versicherungsmodelle und auf hohe Selbstbehalte setzen. Solche Modelle und Selbstbehalte hätten in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Prämien die tatsächlichen Kosten teilweise nicht vollständig decken konnten, heisst es in der Analyse.
Forderung nach mehr Transparenz und Kontrolle
Vor diesem Hintergrund verlangt das jurassische Wirtschaftsdepartement, die Prämienberechnungen müssten auf «zuverlässigen, transparenten und überprüfbaren Kostenannahmen» beruhen. Die Behörden kritisieren zudem das Fehlen detaillierterer Kostendaten, besonders hinsichtlich Altersgruppen. Ohne diese Daten sei die Beurteilung der Prämienentwicklung für Familien «extrem schwierig, ja sogar unmöglich», schreibt der Kanton.
«Das Fehlen ausreichend detaillierter Daten macht die Beurteilung der Prämienerhöhungen für Familien extrem schwierig, ja sogar unmöglich.»
Die Regierung beanstandet ausserdem, dass das BAG keine Kostendaten nach Altersgruppen erhebe und die Versicherer innerhalb der gesetzlichen Vorgaben bei der Prämienfestlegung einen Spielraum hätten. Daraus ergibt sich laut Kanton ein dringender Bedarf an einer verstärkten Kontrolle der Kostenprognosen der Versicherer.
Bereits ergriffene kantonale Massnahmen
Der Kanton verweist darauf, dass er bereits verschiedene Instrumente nutzt, um die Gesundheitskosten zu beeinflussen. Genannt werden unter anderem die Spitalplanung und die Regulierung der Zulassung von Ärztinnen und Ärzten. Ziel sei es, die wohnortnahe Versorgung zu sichern und die Koordination der Betreuung weiterzuentwickeln. Die Kantonsregierung betont jedoch, dass viele dieser Massnahmen von einem passenden bundesrechtlichen Rahmen abhängen.
- Spitalplanung: Instrument zur Steuerung der Leistungserbringung und Kapazitäten.
- Ärztliche Zulassung: Regulierung zur Sicherung der Versorgungsstruktur.
- Förderung wohnortnaher Versorgung: Beitrag zur Koordination von Behandlungen und Pflege.
Die Regierung unterstreicht, eine nachhaltige Kostenkontrolle erfordere das Engagement aller Akteure des Gesundheitssystems — vom Bund über die Versicherer bis zu den Leistungserbringern vor Ort.
Folgen für Familien und Junge
Die kantonalen Behörden zeigen sich besonders besorgt über die Entwicklung der Prämien für Kinder und junge Erwachsene. Die derzeitige Datenlage erschwere eine differenzierte Analyse, weshalb der Kanton die Einführung detaillierterer Erhebungen fordert. Ohne solche Informationen bleibe unklar, wie stark einzelne Haushalte oder Altersgruppen belastet würden.
Eine Erhöhung der Prämien in dieser Grössenordnung kann für Familien und Personen mit tiefen Einkommen zu spürbaren Mehrkosten führen. Angesichts der hohen Selbstbehalte, die viele Versicherte im Jura wählen, verschieben sich die Belastungen teilweise in die direkte Krankheitskostenbeteiligung der Versicherten.
Weitreichende Implikationen und Ausblick
Der starke Anstieg der Prämien im Jura steht exemplarisch für strukturelle Herausforderungen im Schweizer Gesundheitswesen: demografischer Wandel, Kostenentwicklung pro Behandlung und begrenzte Transparenz bei Prognosen. Kantone haben zwar Instrumente zur Steuerung, ihre Wirkung ist aber teilweise an bundesrechtliche Vorgaben gebunden.
Die jurassische Regierung fordert deshalb nicht nur eine verstärkte Kontrolle der Kostendaten und Prognosen, sondern auch eine Intensivierung der Zusammenarbeit aller Akteure. Konkrete Änderungen auf Bundesebene wurden im Mitteilungsstand nicht genannt. Für Versicherte bleibt vorerst die Frage, wie sie sich finanziell auf die höheren Prämien vorbereiten können.