Kanada erhöht die Handelsbarrieren gegen die USA: Ab dem 8. September will die Regierung Gegenzölle von 50 Prozent auf ausgewählte US-Produkte einführen. Betroffen seien Waren im Wert von 27,6 Milliarden kanadischen Dollar, teilte die Regierung mit. Als Begründung nannte Premierminister Mark Carney gescheiterte Verhandlungen und kündigte an, die US-Strafzölle «Dollar für Dollar» zu erwidern.
Umfang und betroffene Branchen
Die angekündigten Gegenzölle treffen mehrere Industriezweige. Laut Mitteilung stehen unter anderem Stahl und Aluminium, Kleidungsstücke, Forstwirtschaftsprodukte, Haushaltsgeräte sowie Fisch (frisch und gefroren) auf der Liste. In einigen Bereichen, namentlich bei Stahl und Aluminium, werden bestehende Gegenzölle von 25 auf 50 Prozent erhöht, um sie an die US-Zollsätze anzupassen. Andere bereits verhängte Zölle, etwa gegen die US-Autoindustrie, blieben weiter in Kraft.
Die kanadische Regierung machte deutlich, dass sie in den vergangenen Monaten intensiv verhandelt habe, diese Forderungen jedoch nicht akzeptieren könne. Auf der Website des Finanzdepartements heisst es dazu:
«In den vergangenen Monaten hat Kanada intensiv und in gutem Glauben mit den Vereinigten Staaten verhandelt, um ein für beide Seiten vorteilhaftes Handelsabkommen abzuschliessen. Die geforderten Zugeständnisse waren jedoch weder fair noch wirtschaftlich sinnvoll für Kanada und hätten die Interessen der Arbeitnehmer, der Unternehmen und aller Kanadier untergraben.»
Konsequenzen für Preise und Versorgung
Die Regierung räumte ein, dass die Massnahme Kosten für Kanadier erhöhen und die Auswahl an Produkten verringern könnte. Eine konkrete Schätzung der Preiswirkungen oder der Folgen für die Produktion enthält die Mitteilung nicht. Auch zur Frage möglicher Gegenreaktionen der USA machte die Regierung keine Angaben.
Die Entscheidung, bereits bestehende Gegenzölle teilweise zu verdoppeln, zeigt die Absicht Ottawas, die Härte der US-Massnahmen in gleichem Betrag zu spiegeln. Premier Carney stellte die Vergeltung als notwendige Verteidigung nationaler Interessen dar.
Was die Zahlen bedeuten
Zur Einordnung die wichtigsten Eckdaten auf einen Blick:
- Beginn: 8. September
- Gegenzölle: 50 Prozent auf ausgewählte US-Waren
- Betroffener Warenwert: 27,6 Milliarden kanadische Dollar (CAD)
- Betroffene Sektoren: Stahl, Aluminium, Kleidung, Forstprodukte, Haushaltsgeräte, Fisch u. a.
| Element | Angabe |
|---|---|
| Beginn | 8. September |
| Gegenzollsätze | 50% |
| Umfang | 27,6 Milliarden kanadische Dollar |
Einordnung und offene Fragen
Die Eskalation verschärft den Handelskonflikt zwischen zwei eng verflochtenen Volkswirtschaften. Für Unternehmen, die in Nordamerika produzieren oder Handel treiben, drohen unmittelbare Störungen der Lieferketten und Margendruck durch höhere Zölle. Für Konsumentinnen und Konsumenten könnten sich Angebotsseite und Preise verändern, sollte die Vergeltung länger bestehen bleiben.
Offen bleibt, ob die USA mit weiteren Zöllen oder anderen Massnahmen reagieren. Ebenso ungeklärt ist, wie lange die kanadischen Zölle gelten sollen und ob es zielgerichtete Ausnahmen für besonders sensible Güter geben wird. Die kanadische Regierung betonte, die Forderungen der USA hätten die Interessen der Bevölkerung untergraben; dies legt nahe, dass Ottawa die Massnahmen als Verteidigung eigener Industrie- und Arbeitsplätze betrachtet.
Für die Schweiz sind die direkten Effekte begrenzt, da es sich um bilaterale Spannungen zwischen Kanada und den USA handelt. Indirekt können jedoch globale Lieferketten, vor allem in den betroffenen Branchen wie Metall- und Nahrungsmittelverarbeitung, Einfluss auf Preise und Verfügbarkeit haben. Beobachterinnen und Beobachter werden nun auf mögliche weitere Eskalationsschritte und auf diplomatische Bemühungen zur Deeskalation achten.
Die kanadische Entscheidung markiert eine deutliche Verschärfung im Handelsstreit. Ottawa setzt damit auf eine harte, direkte Vergeltung und signalisiert, dass es bereit ist, wirtschaftliche Kosten für die Verteidigung nationaler Interessen in Kauf zu nehmen.