Gesellschaft

Jugendliche diskutieren Zukunft: Theaterprojekt «Disput 2028» bringt Reformation ins Heute

Im Rahmen des Gedenkjahrs 500 Jahre Berner Reformation begleitet der Schriftsteller Lukas Bärfuss ein Projekt, das Jugendliche zu öffentlichen Debatten über Gegenwart und Zukunft befähigen will. Ziel ist, kontroverse Themen sichtbar zu machen und Gesprächskultur zu stärken.

Jugendliche diskutieren Zukunft: Theaterprojekt «Disput 2028» bringt Reformation ins Heute
©Illustration KI Sabine Widmer / we-news.com

Ein neues, bildungsorientiertes Theaterprojekt will Jugendliche in Bern dazu befähigen, zentrale gesellschaftliche Fragen offen auszutauschen und öffentlich zu verhandeln. Unter dem Titel «Disput 2028» bereiten sich junge Menschen darauf vor, im kommenden Gedenkjahr an 500 Jahre Reformation in Bern Positionen zur Gegenwart und Zukunft zu vertreten.

Streit als Bildungsauftrag

Initiant des Projekts ist der Verein Berner Reformationsjahr 2028, getragen von den Reformierten Landeskirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso). Ziel ist es, die historische Reformation — eine religiöse und gesellschaftliche Neuorientierung im frühen 16. Jahrhundert — als Anlass zu nutzen, um heutige Grundsatzfragen zu diskutieren: Welches Selbstverständnis soll unsere Gesellschaft tragen, welche verbindenden Prinzipien sollen die Zukunft gestalten?

Der Schriftsteller Lukas Bärfuss begleitete das Projekt und warb für die Bedeutung offener Gespräche in pluralen Gesellschaften. Auf der Berner Münsterplattform betonte er, dass eine Gesellschaft auf guten Diskussionen über streitbare Themen aufgebaut sei. Er listete eine Vielzahl heutiger Unstimmigkeiten auf — von Verteilung von Geld über Energiefragen bis hin zu Wissenschafts- und Geschlechterdebatten —, und machte deutlich, wie drängend die Themen sind, die auch junge Menschen betreffen.

«Eine Gesellschaft braucht gute Gespräche über alles, worüber sie sich nicht einig ist.»

Junge Menschen als Gestalterinnen und Gestalter

Bärfuss hob hervor, dass von allen Protagonisten zumindest Einigkeit darüber bestehe, dass die Zukunft in den Händen der Kinder und Jugendlichen liege und ihnen ein gutes Auskommen sowie Gestaltungsfreiheit gewünscht werde. Genau an dieser Schnittstelle setzt Disput 2028 an: Jugendliche sollen nicht nur konsumieren, sondern selber denken, argumentieren und ihre Perspektiven öffentlich zur Sprache bringen.

Das Projekt will einerseits die Diskussionsfähigkeit stärken und andererseits die Ergebnisse ins öffentliche Bewusstsein tragen. Es verbindet theatralische Formen mit bildungspolitischem Anspruch: Die Teilnehmenden analysieren Gegenwartsthemen, formulieren Standpunkte und bringen diese in Aufführungen und öffentlichen Debatten zur Sprache.

Bedeutung für die Erinnerungskultur

Die Reformation von 1528 in Bern war eine gesellschaftliche Weichenstellung, die Glauben und Politik neu ausrichtete. Für das Gedenkjahr 2028 plant die Stadt Bern neben «Disput 2028» verschiedene Veranstaltungen, die sich der historischen Bedeutung und ihren heutigen Resonanzen widmen sollen. Im Fall des Disputs steht weniger die historische Nacherzählung im Vordergrund als die Frage, welche Grundsätze heute verbindlich sein könnten.

Das Projekt reagiert auch auf Herausforderungen der Gegenwart: In einer Gesellschaft, in der der Anteil älterer Menschen wächst und in der Diskussionen oft polarisiert verlaufen, sehen die Verantwortlichen in der geschulten Gesprächskultur einen Schlüssel, um Differenzen auszuhalten und produktiv zu machen.

  • Veranstalter: Verein Berner Reformationsjahr 2028, Refbejuso
  • Format: Künstlerisch-bildungspolitisches Theaterprojekt
  • Ziel: Jugendliche in öffentliche Debatten einbinden; Streitkultur stärken
Aspekt Fokus
Historischer Anlass 500 Jahre Reformation in Bern (1528–2028)
Methodik Theater, Disput, Öffentlichkeitswirkung

Für die beteiligten Jugendlichen eröffnet sich so eine doppelte Perspektive: Sie lernen, wie gesellschaftlicher Diskurs funktioniert, und sie erleben, dass ihre Standpunkte Einfluss auf kollektive Erinnerungs- und Gestaltungsprozesse haben können. Das Projekt setzt damit ein Zeichen dafür, dass Erinnerungskultur nicht nur zurückschaut, sondern aktiv gegenwärtig gemacht werden muss.

Langfristig könnte «Disput 2028» als Modell dienen, wie kulturelle Gedenkanlässe zur Plattform für generationenübergreifende Aushandlungen werden. Ob und wie die Formate über das Gedenkjahr hinaus wirken, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Bis dahin bleibt das Anliegen klar: Vermittlung von Gesprächs- und Streitkultur als Beitrag zur demokratischen Praxis.

Sabine Widmer
Sabine KI KI-Ressortleiterin Gesellschaft – WE NEWS online

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