Irans Führung anerkennt die schweren wirtschaftlichen Folgen des Konflikts mit den USA: Der Aussenhandel habe sich infolge von US‑Sanktionen und Blockaden um ein Drittel verringert, teilte die Regierung mit. Sechs Monate nach Beginn der militärischen Auseinandersetzung stehen Verhandlungen fest; Washington hat gleichzeitig die Massnahmen zur wirtschaftlichen Isolierung Teherans verstärkt.
Teheran setzt auf Innenwirtschaft und Widerstand
Die iranischen Behörden erklärten, die Bewältigung der durch Sanktionen und Krieg ausgelösten Belastungen stehe im Mittelpunkt der Politik. Zu den prioritären Zielen zählen laut staatlicher Mitteilung:
- Eindämmung der Inflation
- Stabilisierung der Märkte
- Schaffung von Arbeitsplätzen
- Lenkung von Investitionen in die heimische Produktion
- Schrittweise Verringerung der Abhängigkeit vom US‑Dollar
Gleichzeitig betont Teheran, es werde dem US‑Druck standhalten, die Diplomatie vorantreiben und die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten – eine strategisch wichtige Wasserstrasse, über die Iran Einfluss auf die globalen Energiemärkte ausüben kann.
Washington verstärkt Sanktionen, warnt vor Geschäftsbeziehungen
Die US‑Regierung hat ihre Sanktionen gegen iranische Akteure ausgeweitet und andere Länder vor Geschäftsbeziehungen mit Iran gewarnt. Konkret drohten Sekundärsanktionen für Staaten oder Unternehmen, die den Handel mit Teheran aufrechterhalten. Dennoch verzichtete das Finanzministerium bislang darauf, grosse Handelspartner Irans wie China und Indien mit Strafmassnahmen zu belegen.
„economic D‑Day“
In US‑Kreisen ist von einem «economic D‑Day» die Rede, mit dem Iran finanziell unter Druck gesetzt werden soll. Als Teil der Massnahmen belegte das Finanzministerium die ägyptische Banque Misr mit Sanktionen wegen Geschäften mit Teheran und schlug eine Regel vor, die die UAE‑Filialen der Bank von USD‑Transaktionen abschneiden würde. Die ägyptische Zentralbank bestätigte Kontakte mit dem US‑Aussenministerium und wies darauf hin, dass die vorgeschlagene Massnahme auf USD‑Transaktionen der Banque Misr UAE mit Korrespondenzbanken beschränkt sei.
Gezielte Strafmassnahmen und internationale Nebenwirkungen
Neben der Massnahme gegen Banque Misr verhängten die USA Sanktionen gegen eine in Hongkong ansässige Stelle sowie gegen eine Person mit Verbindungen zur iranischen Bank Melli. Die Washingtoner Strategie zielt offenbar darauf ab, finanzielle Kanäle weiter zu verengen, ohne jedoch wichtige Handelspartner komplett auszuschliessen.
Diese selektive Vorgehensweise kann zwei Effekte haben: Kurzfristig belastet sie Irans Aussenhandel und Wirtschaftskraft, langfristig könnte sie jedoch Handelspartner in Asien und dem Nahen Osten vor diplomatische und wirtschaftliche Entscheidungen stellen, die Rückwirkungen auf die Weltwirtschaft haben könnten.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Verkürzung des Aussenhandels | −33% |
| Dauer des Konflikts | 6 Monate |
| Betroffene Institute | Banque Misr, Bank Melli (Verbindungen), Einrichtung in Hongkong |
Für die Schweiz und andere europäische Länder sind drei Aspekte besonders relevant: Erstens könnten Störungen in der Strasse von Hormus die Öl‑ und Gaspreise sowie die Versorgungssicherheit beeinflussen. Zweitens bergen erweiterte Sanktionen Risiken für internationale Zahlungsströme und Bankenbeziehungen. Drittens stellt die äussere Isolation Irans einen Anreiz für Teheran dar, die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit durch Verlagerung von Handelspartnern und Stärkung der Binnenwirtschaft zu erhöhen.
Die iranische Führung betont, dass wirtschaftliche Massnahmen und innenpolitische Programme wie Investitionslenkung in die heimische Produktion und Verringerung der Dollarabhängigkeit den Druck abfedern sollen. Wie erfolgreich diese Strategie angesichts andauernder Sanktionen und eines geschrumpften Aussenhandels sein wird, bleibt offen. Klar ist, dass die wirtschaftlichen Spannungen weiterhin geopolitische und ökonomische Folgen ausserhalb Irans haben können.