Genf steht vor einer strukturellen Belastungsprobe: Seit der Wiederwahl von Donald Trump in die USA und den damit verbundenen Abbauankündigungen fehlen im internationalen Genf mehr als 2'800 Arbeitsplätze. Offizielle Zahlen zeigen, dass die Zahl der Beschäftigten in den internationalen Organisationen von 25'696 (2024) auf knapp unter 23'000 gesunken ist. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bezeichnete das Ergebnis als «geringer als befürchtet».
Welche Bereiche sind betroffen?
Die Arbeitsplatzverluste betreffen primär die internationalen Organisationen selbst; Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Unter den betroffenen Institutionen finden sich unter anderem die Internationale Organisation für Migration (IOM), das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO), wie aus den Angaben hervorgeht. Diese Institutionen haben Stellen gestrichen, was sowohl administrative als auch operative Kapazitäten in Genf schwächt.
Das EDA bezeichnete die Entwicklung als «geringer als befürchtet».
Finanzpakete zur Stabilisierung
Bund und Kanton haben reagiert: Der Bundesrat bewilligte im vergangenen Jahr ein Finanzpaket von nahezu 270 Millionen Franken, um die Lage zu stabilisieren. Parallel dazu gründete der Kanton Genf gemeinsam mit der Wilsdorf-Stiftung eine eigene Stiftung (FAGI) zur finanziellen Unterstützung des internationalen Genfs. Die Stiftung sammelt Mittel für Digitalisierung und technologischen Anpassungsbedarf der Institutionen vor Ort.
Der Generalsekretär der Stiftung, Olivier Coutau, teilte mit, dass in etwas mehr als einem Jahr über 50 Millionen Franken zusammengekommen seien. Aus über 120 eingereichten Projekten wurden bislang 55 vom Stiftungsrat geprüft und 25 bewilligt. Diese Mittel zielen darauf ab, den Standort langfristig konkurrenzfähig zu halten und Arbeitsplätze zu sichern.
Koordination zwischen Bund, Kanton und Gemeinden
Zusätzlich zur finanziellen Hilfe hat das EDA einen Lenkungsausschuss eingesetzt, der Vertreter von Bund, Kantonen und Gemeinden einbezieht. Ziel ist es, die Anstrengungen zu bündeln und Projekte zu priorisieren, die einen nachhaltigen Effekt auf die Attraktivität und Resilienz des internationalen Genfs haben.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Stadt
Der Verlust von mehr als 2'800 Stellen beeinflusst nicht nur die direkt Betroffenen, sondern hat auch Folgen für den lokalen Dienstleistungssektor, den Wohnungsmarkt und die städtische Infrastruktur. Internationale Mitarbeitende tragen zur Nachfrage nach Wohnraum, Hotels, Restaurants und spezialisierten Dienstleistungen bei. Ein Rückgang dieser Gruppe belastet Branchen, die eng mit dem internationalen Sektor verflochten sind.
Was bedeuten die Zahlen konkret?
Die offiziellen Eckdaten in der Übersicht:
| Jahr | Anzahl Beschäftigte (internationales Genf) |
|---|---|
| 2024 | 25'696 |
| 2026 (aktueller Stand) | knapp unter 23'000 |
- Mehr als 2'800 Stellen sind seit 2024 weggefallen.
- NGOs sind in dieser Zählung nicht berücksichtigt.
- Bundespaket: rund 270 Mio. Fr. — Stiftungsmittel: über 50 Mio. Fr..
Ausblick und notwendige Schritte
Das EDA mahnt zur Fortsetzung der Anstrengungen: Kurzfristige Finanzhilfen sind wichtig, reichen aber nicht aus, um langfristige strukturelle Risiken abzuwenden. Die bewilligten Projekte der FAGI zielen vor allem auf Digitalisierung und Anpassung an neue Technologien — Bereiche, die für die Zukunftsfähigkeit des Standorts entscheidend sind.
Für Genf bleibt die Herausforderung, internationale Organisationen weiterhin als attraktiven Standort zu positionieren, der hochqualifizierte Arbeitsplätze bietet und globale Akteure anzieht. Die Zusammenarbeit von Bund, Kanton und privaten Stiftungen ist ein erster Schritt; unklar bleibt, wie nachhaltig die Wirkung dieser Massnahmen sein wird, wenn internationale Geldgeber weiter Mittel kürzen oder politische Entscheidungen in Drittstaaten die Finanzierungslage verschlechtern.
Der Verlust von Arbeitsplätzen im internationalen Genf ist deshalb nicht nur eine Zahl, sondern ein Indikator für eine Phase der Neuorientierung des Standorts. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die gebildeten Finanzpools und die Koordination zwischen den Behörden genügen, um die Position Genfs als weltweites Zentrum der Diplomatie und humanitären Hilfe zu sichern.