Die Heizölpreise in der Schweiz sind in kurzer Zeit deutlich gestiegen. Am Freitag kosteten 100 Liter Heizöl im Schnitt fast CHF 160. Damit liegen die Preise auf dem Niveau, das zuletzt beim Ausbruch grosser Konflikte wie dem Iran- oder dem Ukrainekrieg beobachtet wurde. Die direkte Folge: Viele Haushalte zögern mit Bestellungen, und die Füllstände der Öltanks in der Schweiz sind derzeit tief.
Ursache: Eskalation im Roten Meer
Auslöser des jüngsten Preissprungs ist eine neue Eskalation im Nahen Osten. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat nach Angaben aus dem Berichtszeitraum mehrere jemenitische Hafenstädte — darunter Mokka und Dhubab — sowie die Insel Majun unter ihre Kontrolle gebracht. Dadurch ist die Schifffahrt durch das Rote Meer und damit der internationale Öltransport verstärkt gefährdet. Die Verteuerung des Rohöls schlägt unmittelbar auf die Heizölpreise in der Schweiz durch.
Haushalte füllen Tanks nicht auf
Eine Umfrage bei fünf grossen Schweizer Heizöllieferanten zeigt, dass viele Kundinnen und Kunden Bestellungen aufschieben. Grund ist der starke Preissprung: Wer einen 3'000-Liter-Heizöltank komplett füllen müsste, würde bei den aktuellen Kursen rund CHF 4'800 bezahlen. Viele Haushalte betrachten das als zu teuer und bestellen nur, wenn es unbedingt nötig ist.
«Bei den hohen Preisen bestellt niemand Heizöl, der nicht wirklich muss», sagte Jan Fehr, Leiter des Detailgeschäfts beim Anbieter Volenergy.
Insgesamt sind die Tanks in der Schweiz laut den Befragten derzeit nur zu 50 Prozent gefüllt. Branchenvertreter halten ein Sicherheitsniveau von 60 bis 70 Prozent für angemessen, um Engpässe im Winter zu vermeiden. Die Zurückhaltung der Verbraucher erhöht jedoch das Risiko, dass viele Haushalte im Kälteeinbruch erst spät oder gar nicht nachbestellen, was die Lieferketten zusätzlich belasten könnte.
Konsequenzen und Risiken
Die Kombination aus hohen Preisen und tiefem Füllstand hat mehrere Implikationen für die bevorstehende Heizperiode:
- Höhere Ausgaben für Haushalte, die jetzt nachbestellen müssen.
- Gefahr von Lieferstaus, falls Nachfrage und Logistik in kurzer Zeit ansteigen.
- Erhöhte Anfälligkeit gegenüber weiteren geopolitischen Schocks im Nahen Osten.
Lieferanten warnen, dass ein plötzlicher Anstieg der Bestellungen bei gleichzeitig unterbrochenen Lieferwegen die Versorgungslage verschärfen könnte. Da viele Schiffe das Rote Meer passieren, könnten anhaltende Störungen die Preise weiter nach oben treiben und zu Verzögerungen bei der Belieferung führen.
Preisentwicklung und Füllstände im Überblick
| Grösse / Kennzahl | Aktueller Wert |
|---|---|
| Preis pro 100 Liter Heizöl | CHF 160 |
| Kosten zum Füllen eines 3'000-Liter-Tanks | CHF 4'800 |
| Durchschnittlicher Füllstand Schweizer Tanks | 50 % |
| Empfohlenes Sicherheitsniveau | 60–70 % |
Die Branche appelliert an die Kundschaft, die eigene Vorratssituation zu prüfen und bei Bedarf frühzeitig nachzufüllen, um Engpässe zu vermeiden. Gleichzeitig sind viele Haushalte angesichts der hohen Kosten zurückhaltend. Ob sich die Situation bis zum Winter entzerrt oder die Preise weiter steigen, hängt wesentlich von der Entwicklung der Lage im Roten Meer und den globalen Rohölmärkten ab.
Die aktuelle Lage macht deutlich, wie verwundbar die Energieversorgung von Haushalten gegenüber geopolitischen Ereignissen ist. Behörden und Versorger beobachten die Lage genau; konkrete staatliche Eingriffe oder Preisstützungen wurden im vorliegenden Bericht nicht erwähnt.