Die digitale Wirtschaft in Hanoi hat in der ersten Jahreshälfte 2026 spürbar zum Wirtschaftswachstum der Hauptstadt beigetragen, bleibt aber hinter den ambitionierten Zielvorgaben zurück. Nach Angaben des Wissenschafts- und Technologieamtes erreichte der Anteil der digitalen Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten sechs Monaten des Jahres schätzungsweise 16,7%, wobei im zweiten Quartal 16,1% gemessen wurden.
Wachstum und Beitrag zum BIP
Die Digitalwirtschaft wuchs in den ersten sechs Monaten um 10,6%; im zweiten Quartal lag die Zunahme gegenüber dem Vorjahr zu laufenden Preisen sogar bei 11,5%. In einem Gesamtwachstum der Stadt von 8,2% trug die Digitalwirtschaft damit rund 1,1 Prozentpunkte bei. Diese Zahlen unterstreichen die Rolle des Sektors als wichtiger Wachstumsmotor Hanois.
Ambitioniertes Jahresziel trifft auf Strukturprobleme
Trotz der positiven Entwicklung gilt das Ziel, den Anteil der digitalen Wirtschaft bis Ende 2026 auf 22% des BIP zu heben, als herausfordernd. Der städtische Transformationsplan setzt dieses Ziel deutlich über das national definierte Ziel, wonach der Anteil der Digitalwirtschaft in Vietnam von 14,02% (2025) auf 14,5% (2026) steigen soll. Um das städtische Ziel zu erreichen, müsste Hanois Digitalwirtschaft deutlich schneller wachsen als das gesamte BIP der Stadt.
Das Planungsdokument macht zudem auf ein internes Ungleichgewicht aufmerksam: Von den 16,7% gesamt entfallen 9,7% auf die Kerndigitalwirtschaft, während weitere 7% auf ergänzende Teile des Sektors entfallen. Diese Aufteilung deutet darauf hin, dass Wachstum und Wertschöpfung nicht gleichmässig über die digitale Wertschöpfungskette verteilt sind.
- Starkes Wachstum: Digitalwirtschaft verzeichnet zweistellige Zuwachsraten.
- Hoher Beitrag: Rund 1,1 Prozentpunkte zum städtischen BIP-Wachstum von 8,2%.
- Herausforderung Ziel 22%: Erfordert eine deutlich beschleunigte Wertschöpfungssteigerung gegenüber dem Gesamtwachstum.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Anteil Digitalwirtschaft am BIP (1. HJ 2026) | 16,7% |
| Kerndigitalwirtschaft | 9,7% |
| Weitere digitale Aktivitäten | 7% |
| Wachstumsrate Digitalwirtschaft (1. HJ) | 10,6% |
| Beitrag zum städtischen BIP-Wachstum | 1,1 Prozentpunkte |
Implikationen und Baustellen
Die Zahlen zeigen zwei Gesichter: Einerseits demonstriert die digitale Wirtschaft eine bemerkenswerte Dynamik, die Hanoi hilft, überdurchschnittlich zu wachsen. Andererseits stellt das Vorhaben, den Anteil innert eines Jahres um rund 4,66 Prozentpunkte zu erhöhen (von etwa 16,7% auf 22%), eine erhebliche betriebs- und strukturpolitische Aufgabe dar. Ein derartiger Sprung verlangt nicht nur zusätzliche Investitionen in digitale Infrastruktur, sondern auch in Aus- und Weiterbildung, regulatorische Anpassungen und die Förderung von Wertschöpfungsketten, damit nicht lediglich einzelne Spitzensegmente wachsen.
Besonders relevant ist, dass Hanois Ziel eine Steigerung voraussetzt, die laut Bericht 9,7-mal höher wäre als der nationale Durchschnittsanstieg. Das betont den Druck auf lokale Behörden und die Wirtschaft, spezifische, zielgerichtete Massnahmen umzusetzen, um die Ökosystemeffekte der Digitalwirtschaft breit zu verankern.
Kurzfristig dürfte die Stadt weiterhin von der bestehenden Dynamik profitieren. Mittelfristig aber entscheidet sich an der Frage, ob die interne Disparität zwischen Kerndigitalwirtschaft und ergänzenden Segmenten abgebaut werden kann. Gelingt dies nicht, droht ein Wachstum, das zwar hoch erscheint, aber nur begrenzt in eine nachhaltige, breit abgestützte Wertschöpfungsbasis mündet.
Die Beobachtung dieser Entwicklung ist nicht nur für Hanoi relevant: Städte weltweit stehen vor ähnlichen Aufgaben, wenn sie digitale Ökonomien skalieren wollen, ohne dass sich Ungleichgewichte oder Abhängigkeiten verfestigen.