Wandern in den Bergen gehört für viele Schweizerinnen und Schweizer zum Sommer. Wer den Hund mitnimmt, muss die Planung aber deutlich akribischer angehen als für eine normale Halbtagesrunde. Tierärztin Katharina Keller von der Tierklinik Rhenus AG weist in ihrer Kolumne darauf hin, dass Mehrtagestouren das Mensch‑Hund‑Team vor hohe physische Herausforderungen stellen und daher ein systematisches Training und die richtige Ausrüstung erfordern.
Training als Schutz vor Überbelastung
Eine Mehrtagestour erzeugt bei Hunden ähnliche Belastungen wie bei Menschen: Muskelermüdung, Risiko für Mikrotraumata und Temperaturprobleme. Deshalb muss das Training frühzeitig beginnen. Je nach Grundkondition des Hundes empfiehlt Keller, das Training Wochen bis Monate vor der Tour zu starten und die Belastung langsam zu steigern. Ein gezieltes Ausdauertraining verringert das Risiko für MuskeIverletzungen, heisst es in der Kolumne.
Wichtig ist zudem, an die Koordination und Sensomotorik zu arbeiten. Trittsicherheit im alpinen Gelände basiert auf einer starken Tiefenmuskulatur und einem funktionierenden Körpergefühl (Propriozeption). Keller rät, diese Fähigkeiten mit gut instruierter physiotherapeutischer Arbeit aufzubauen statt nur lange Strecken zu laufen.
Hitze, Hecheln und Flüssigkeitsversorgung
Ein zentraler Punkt für die Sicherheit auf Tour ist die Vermeidung von Überhitzung. Bei hohen Temperaturen und direkter Sonne sollte weder intensiv trainiert noch eine anstrengende Tour geplant werden. Hunde regulieren Wärme vor allem durch Hecheln und können dabei grosse Mengen Flüssigkeit verlieren. Deshalb ist eine engmaschige Flüssigkeitszufuhr entscheidend.
Als praktikable Regel empfiehlt Keller, dem Hund alle 30 bis 45 Minuten kleine Mengen Wasser anzubieten. Alternativ können speziell für Hunde entwickelte isotonische Getränke genutzt werden. Wichtiger Warnhinweis: Menschliche isotonische Getränke enthalten oft künstliche Süssstoffe, die für Hunde toxisch sein können und daher nicht verwendet werden dürfen.
| Massnahme | Empfehlung |
|---|---|
| Trainingbeginn | Wochen bis Monate vor Tour |
| Wasserzufuhr | Alle 30–45 Minuten kleine Mengen |
| Temperatur | Bei Hitze keine anstrengenden Touren |
Ausrüstung und Prävention
Neben Training und Hydrierung gehört eine durchdachte Ausrüstung zur Grundvoraussetzung. Keller nennt ein gut sitzendes Geschirr, passende Booties zum Schutz der Pfoten und ein kleines Notfallset, das die Tierarztpraxis zusammenstellen kann. Solche Sets enthalten in der Regel Verbandmaterial, Desinfektion und Hilfsmittel zur kurzfristigen Versorgung von Verletzungen, heisst es in der Kolumne.
- Geschirr: Gute Passform zur Vermeidung von Scheuerstellen und zur besseren Kontrolle.
- Booties: Schutz der Ballen auf scharfem oder heissem Untergrund.
- Notfallset: Verbandmaterial, Desinfektionsmittel, ggf. Wundausrüstung (vom Tierarzt empfohlen).
Die Kombination aus Vorbereitung, regelmässiger Flüssigkeitszufuhr und passender Ausrüstung mindert das Risiko von Unfällen und Überlastungen und macht die Tour für Mensch und Hund zu einem positiven Erlebnis. Keller betont, dass mit der richtigen Vorbereitung «unvergessliche Erlebnisse» warten – was als Empfehlung verstanden werden darf, aber nur realistisch ist, wenn die genannten Punkte beachtet werden.
Für viele Hundebesitzerinnen und -besitzer in der Schweiz bedeutet das: Früher planen, die Kondition des Hundes ehrlich einschätzen und bei Unsicherheiten fachlichen Rat einholen. Physiotherapie, abgestimmte Trainingseinheiten und eine Beratung zur Ausrüstung durch die Tierärztin oder den Tierarzt vor der Tour helfen, gesundheitliche Risiken zu vermindern und die Freude an gemeinsamen Mehrtagestouren zu erhöhen.
Wer die Hinweise befolgt, sorgt nicht nur für das Wohl des Hundes, sondern auch für die eigene Sicherheit und die anderer Wanderer. In den Bergen zählt Rücksichtnahme und Realismus: Nicht jede Route ist für jedes Mensch‑Hund‑Team geeignet. Gute Vorbereitung macht den Unterschied.