Extremhitze und langanhaltende Trockenperioden haben in Europa nach Angaben von Greenpeace erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht. Die Umweltschutzorganisation beziffert die Gesamtkosten infolge von Hitzeereignissen auf rund 36 Milliarden Euro. Die Untersuchung fasst Auswirkungen auf Produktion, Forstwirtschaft, Gesundheit und Verkehr zusammen.
Produktivitätsverluste als grösster Posten
Laut der Studie entfallen grosse Teile der wirtschaftlichen Belastung auf Einbussen bei der Arbeitsproduktivität. Bei einem angenommenen Mittelwert von etwa 25 Hitzetagen schätzt Greenpeace die direkten Verluste aus verringerter Produktivität und Produktionsausfällen auf rund 10,8 Milliarden Euro. Betroffen seien insbesondere Sektoren, die auf kontinuierliche Fertigungsprozesse und grosse Materialflüsse angewiesen sind, wie Chemie, Stahl und Mineralöl.
Weitere Schadenskategorien
Neben Produktivitätsverlusten nennt der Bericht weitere wesentliche Kostenblöcke:
- Waldschäden: geschätzte Schäden zwischen 5 und 7,5 Milliarden Euro durch Trockenheit, Borkenkäferbefall und Sturmschäden.
- Gesundheitliche Kosten: etwa 6,9 Milliarden Euro aufgrund hitzebedingter Erkrankungen, Krankenstände und verlorener Arbeitszeit.
- Weitere Folgen für Landwirtschaft, Binnenschifffahrt und Bildung durch Ernteausfälle, Niedrigwasser und Unterrichtsausfälle.
| Schadenskategorie | Geschätzte Kosten (Euro) |
|---|---|
| Produktivitätsverluste | 10,8 Mrd. |
| Waldschäden | 5–7,5 Mrd. |
| Gesundheitliche Ausfälle | 6,9 Mrd. |
| Gesamt | ~36 Mrd. |
"Wahre Kosten deutlich höher"
Greenpeace warnt zudem, dass die tatsächlichen Kosten höher liegen könnten. Die Studie weist auf zusätzliche indirekte Folgen hin, die schwerer zu quantifizieren sind, darunter langfristige Ertragsverluste in der Landwirtschaft, ökologische Folgeschäden und soziale Belastungen durch wiederkehrende Extremereignisse.
Konsequenzen für Politik und Wirtschaft
Die Untersuchung hebt hervor, dass Hitzewellen nicht nur kurzfristige Störungen verursachen, sondern auch strukturelle Anpassungen erfordern. Unternehmen müssten Betriebsabläufe, Lieferketten und Arbeitsorganisationen an vermehrte Hitze anpassen. Für die öffentliche Hand entstehen Aufgaben in der Gesundheitsvorsorge, im Forst- und Wasserressourcenmanagement sowie bei der Infrastrukturplanung. Massnahmen wie hitzeresistente Infrastruktur, angepasste Arbeitszeiten und Prävention in der Forstwirtschaft werden als notwendig erachtet.
Besonders betroffen seien Regionen mit anhaltender Trockenheit und Flussabschnitten, die für die Binnenschifffahrt zentral sind. In der Vergangenheit führte Niedrigwasser bereits zu temporären Unterbrüchen im Güterverkehr auf Flüssen, was Lieferketten zusätzlich belastete.
Die Greenpeace-Analyse liefert damit eine ökonomische Einordnung der bisherigen Extremwetterereignisse und betont die volkswirtschaftlichen Risiken steigender Temperaturen. Für die Schweiz hat die Studie indirekte Relevanz: Ökonomische Verflechtungen mit dem europäischen Markt, gemeinsame Flussökosysteme und ähnliche klimatische Entwicklungen machen die Ergebnisse auch hierzulande politisch bedeutsam.
Wie die betroffenen Staaten und die Wirtschaft auf die Empfehlungen reagieren, bleibt abzuwarten. Die Studie unterstreicht jedoch, dass präventive Investitionen und Anpassungsmassnahmen ökonomisch sinnvoll sind, um höhere Folgekosten zu vermeiden.