Zürich – Bei den derzeitigen Grabungen am Fischerweg haben Archäologen der Stadt Zürich neue Hinweise zum historischen Hardturm zu Tage gefördert. Die Arbeiten stehen im Zusammenhang mit der Erneuerung von Trinkwasserleitungen, die seit April laufen. Die Befunde deuten darauf hin, dass der Turm nicht wie bislang angenommen als isolierter Wehrturm errichtet worden ist, sondern Teil einer umwehrten Niederungsburg war.
Neue Deutung der Baugestalt
Die Stadt Zürich hat die archäologischen Untersuchungen entlang der Hardturmstrasse 128 in Auftrag gegeben, um mögliche historische Funde vor Baumasnahmen zu dokumentieren und zu sichern. Die bisherigen Auswertungen der Grabungsschnitte legen nahe, dass um den Turm herum ein Umfassungsgraben und Reste einer Ringmauer vorhanden waren. Damit rückt die Deutung des Bauwerks als Teil einer Niederungsburg in den Vordergrund.
„Bisher sei die Stadt davon ausgegangen, dass der Turm im Sinne eines Solitärs als einzelner Wehrturm an der Limmat steht“, sagte Stadt-Archäologe Stefan Wyss.
Die Entdeckung verlagert das historische Bild: Anstelle eines alleinstehenden Wach- oder Signalbaus könnte es sich um eine komplexere Anlage gehandelt haben, die ein begrenztes Areal schützte und verteidigte. Solche Niederungsburgen sind typisch für Flussniederungen, wo Schutz vor Überschwemmung und militärischer Zugriff gleicher- massen berücksichtigt wurden.
Kontext: Hardturm und Stadtraum
Der Hardturm gehört zu den bekannten mittelalterlichen Befestigungsbauwerken am Limmatufer. Obwohl der heutige Stadtraum stark überprägt ist, liefern solche archäologischen Einschnitte wichtige Hinweise zur mittelalterlichen Stadtstruktur. Die aktuellen Ausgrabungen stehen in engem Zusammenhang mit Leitungsarbeiten: Solche Infrastrukturprojekte bieten häufig die Chance, bislang verborgenes Kulturerbe zu untersuchen.
Für die Denkmalschutzbehörden und die städtische Archäologie sind solche Funde bedeutsam, weil sie Aufschluss über Bauphasen, Nutzung und Wechselwirkungen zwischen Siedlung und Wasserregimen geben. Zugleich ergeben sich Fragen zur weiteren Integration dieser Erkenntnisse in Planungsvorhaben rund um den Hardturm und die angrenzende Bebauung.
Was bisher dokumentiert wurde
Die bisherigen Befunde umfassen unter anderem:
- Reste eines Umfassungsgrabens in mehreren Schnitten
- Fundamente beziehungsweise Mauerreste, die auf eine ringförmige Umwehrung hindeuten
- Schichtenfolgen, die Rückschlüsse auf verschiedene Bauphasen zulassen
Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Stadtarchäologie wertet die Funde weiter aus und dokumentiert sie für die Inventarisierung und spätere Publikationen.
Folgen für denkmalpflegerische und städtebauliche Fragen
Konkrete Konsequenzen für laufende oder geplante Bauvorhaben können noch nicht abschliessend genannt werden, solange die Auswertung andauert. In der Praxis bedeuten archäologische Funde jedoch oft zusätzliche Sicherungs- und Dokumentationspflichten, mögliche Anpassungen von Baugrenzen oder konservatorische Massnahmen zur Erhaltung von Mauerresten.
Für Anwohnende und Nutzerinnen des Quartiers sind zwei Aspekte relevant: Zum einen kann es während der Grabungs- und Auswertungsphase zu temporären Einschränkungen in der Baustellenlogistik kommen. Zum anderen erhöht sich mit den neuen Erkenntnissen der Wert der Lokalgeschichte, was sich langfristig auf Bildungs- und Vermittlungsangebote auswirken könnte.
Nächste Schritte und Ausblick
Die Stadtarchäologie wird die Befunde systematisch bearbeiten, datieren und in den historischen Kontext einordnen. Dies umfasst Laboranalysen von Funden, stratigraphische Auswertungen und den Abgleich mit historischen Karten und Quellen. Je nach Befundlage könnten spätere Publikationen oder Ausstellungen das Wissen für die Öffentlichkeit zugänglich machen.
| Element | Status |
|---|---|
| Grabungen am Fischerweg | Laufend (seit April) |
| Entdeckte Strukturen | Umfassungsgraben, Ringmauerreste |
| Historische Einordnung | Hinweis auf Niederungsburg (13. Jahrhundert) |
Solche lokalen Forschungen sind Teil eines kontinuierlichen Prozesses, die mittelalterliche Topographie Zürichs besser zu verstehen. Für die Stadt bedeutet das sowohl eine Chance als auch eine Verantwortung: Sorgfältige Dokumentation und die Abwägung denkmalpflegerischer Belange gegenüber städtebaulichen Erfordernissen bleiben zentral.
Die Archäologinnen und Archäologen setzen ihre Arbeit fort. Sobald die Analysen abgeschlossen sind, will die Stadt Ergebnisse und mögliche Folgen für die Denkmalpflege kommunizieren.