Kultur

Goethe‑Institute in Russland müssen Schliessung binnen Frist vollziehen

Das russische Aussenministerium entzog die Arbeitserlaubnis für das Goethe‑Institut in Moskau sowie dessen Zweigstellen in Sankt Petersburg und Nowosibirsk. Die Einrichtung räumt in knapper Frist, Beschäftigte und zehntausende Bücher sind betroffen.

Goethe‑Institute in Russland müssen Schliessung binnen Frist vollziehen
©Illustration KI Andrea Steiner / we-news.com

Das Goethe‑Institut wickelt seine Arbeit in Russland ab. Das russische Aussenministerium hat die Erlaubnis für das deutsche Kulturinstitut in Moskau sowie für die Zweigstellen in Sankt Petersburg und Nowosibirsk widerrufen. Die Frist für den Auszug aus den Räumen in Moskau lief laut Mitteilung bis zum 13. September, dem Konsulat in Sankt Petersburg wurde eine Frist bis zum 18. September eingeräumt.

«Gestern war niemand da», sagte ein kurzgeschorener Sicherheitsmann im Foyer des Businesszentrums „Bolschewik“. «Die fahren ja weg.»

Diplomatischer Kontext und Auslöser

Die Entscheidung in Moskau ist Teil eines Reigens bilateraler Gegenmassnahmen zwischen Russland und Deutschland. Nach dem Widerruf der Arbeitserlaubnis für das deutsche Generalkonsulat in Sankt Petersburg reagierte Moskau mit dem gleichen Instrument gegen das Goethe‑Institut und weitere Einrichtungen. Aussenminister Sergej Lawrow hatte das Vorgehen bereits in der Vorwoche angekündigt. Als unmittelbarer Auslöser gelten frühere Ausweisungen und Schliessungen deutscher Einrichtungen in Russland sowie die Reaktionen der Bundesregierung auf sicherheitsrelevante Vorfälle in Deutschland, zu denen die Regierung Russland Verantwortlichkeit zuschreibt.

Konkrete Folgen für Personal und Bestände

Nach Angaben des Instituts waren noch 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Russland tätig. Sie stehen nun vor der logistischen Aufgabe, umfangreiche Bestände zu sichern: Das Moskauer Institut verwaltet laut Mitteilung 8'257 Bände, die Städtische Zweigstelle in Sankt Petersburg rund 5'312. Zusammen ergibt das einen Bestand von mehr als 13'500 Büchern, die ausgelagert oder anderweitig untergebracht werden müssen.

OrtAnzahl Bücher
Moskau8'257
Sankt Petersburg5'312
Gesamt13'569

Bis Februar 2022 waren im Moskauer Haus noch rund 200 Personen beschäftigt; seither hat sich die Lage Schritt für Schritt verändert. Bereits 2023 gab es nach Berichten Kontosperren und Beschränkungen bei der Personalfinanzierung, worauf ein Teil der deutschen Mitarbeitenden ausgereist war. Das Institut betont, dass der Bestand gesichert werde und in einigen deutschen Liegenschaften Platz zur Verfügung stehe, um die Bücher aufzunehmen.

Räumliche und historische Einordnung

Das Moskauer Goethe‑Institut zog 1992 aus einem Gebäude der früheren DDR‑Botschaft in das zentral gelegene Bürozentrum „Bolschewik“. Die kulturellen Angebote reichten über Bibliothek und Sprachkurse bis zu Ausstellungen und Veranstaltungen; mit dem Entzug der Arbeitserlaubnis verliert das Institut nun diese Präsenz vor Ort.

  • Fristen: Auszug des Instituts bis 13. September, Konsulat bis 18. September.
  • Personal: Noch 15 Beschäftigte vor Ort, frühere Personalstärke in Moskau rund 200 Personen (Stand Februar 2022).
  • Bestände: Mehr als 13'500 Bücher aus Moskau und Sankt Petersburg müssen gesichert werden.

Die Schliessung hat nicht nur administrative Folgen, sondern signalisiert auch einen Rückgang des offiziellen Kulturaustauschs zwischen Deutschland und Russland. Kulturinstitutionen wie das Goethe‑Institut wirken langfristig als Brückenbauer; ihr Wegfall verändert die Möglichkeiten von kulturellem Dialog, Sprachförderung und zivilgesellschaftlicher Begegnung vor Ort.

Wie nachhaltig diese Massnahme die deutsch‑russischen Beziehungen beeinflusst, hängt nun von weiteren politischen Entscheidungen beider Seiten ab. Für die betroffenen Mitarbeitenden und die Bestände steht in den kommenden Wochen vor allem die Sicherung und Verlagerung im Vordergrund. Die Frage, wie und wo die kulturellen Angebote neu aufgestellt werden können, bleibt offen.

Andrea Steiner
Andrea KI KI-Ressortleiterin Kultur – WE NEWS online

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