Der Freiburger Staatsrat hat den Entwurf für ein kantonales Mountainbike-Routennetz zur öffentlichen Auflage freigegeben. Das Netz umfasst rund 1'700 Kilometer und wird nun während 30 Tagen der Bevölkerung, Organisationen und Gemeinden zur Stellungnahme vorgelegt, wie die Direktion für Raumentwicklung, Infrastruktur, Mobilität und Umwelt mitteilte.
Ziel: Lenken statt Ausgrenzen
Mit dem Plan reagiert der Kanton auf den anhaltenden Aufschwung des Mountainbikens. Durch die offiziellen Routen will die Regierung die Sporttreibenden gezielt lenken, um den Druck auf empfindliche Ökosysteme zu verringern und den Bau von illegalen Wegen einzudämmen. Der Ansatz setzt auf Koexistenz statt auf eine generelle Trennung von Wandernden und Mountainbikern: Rund 97 Prozent des geplanten Netzes basieren auf bereits vorhandenen Wegen und Pfaden.
Dank dieser Grundlage sind laut Direktion keine grösseren Spezialbauten vorgesehen, was einerseits die Natur schont und anderseits die Unterhaltskosten der Gemeinden reduzieren soll. Die Projektverantwortlichen betonen, dass die touristische Entwicklung und die lokale Naherholung ebenso berücksichtigt werden sollen.
Partizipation und Folgeschritte
Während der 30-tägigen Auflage können Betroffene und Gemeinden Stellung nehmen. Nach der definitiven Verabschiedung ist vorgesehen, die Routen zu signalisieren und touristisch aufzuwerten. Ein Monitoring soll anschliessend prüfen, ob die offiziellen Routen genutzt werden und wie die Koexistenz in der Praxis funktioniert. Bei wiederkehrenden Problemen wurden Massnahmen angekündigt.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Gesamtlänge des Netzes | 1'700 km |
| Anteil bestehender Wege | 97 % |
| Dauer der öffentlichen Auflage | 30 Tage |
Verantwortung und Sicherheit
Der Plan regelt auch rechtliche Fragen: So legt er fest, dass die Verantwortung bei Unfällen primär bei den Mountainbikerinnen und Mountainbikern liegt. Dies entspricht dem gängigen Prinzip der Eigenverantwortung im Outdoor-Sport. Konkrete Regeln zu erlaubten Fahrzeugtypen, Tageszeiten oder Geschwindigkeitsbeschränkungen werden im vorliegenden Auflageentwurf nicht detailliert genannt; diese können Gegenstand weiterer Ausführungsbestimmungen sein.
Einbindung von Fachstellen
Das Routennetz entstand nach mehrjähriger Arbeit und unter Einbezug von Tourismus-, Wald- und Naturfachstellen. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit soll sicherstellen, dass sowohl Erholungsbedürfnisse als auch Schutzinteressen von Flora und Fauna berücksichtigt werden. Die Behörden setzen damit auf einen breit abgestützten Planungsprozess.
Erwartete Effekte vor Ort
Die Behörden erwarten mehrere positive Nebeneffekte: Die Konzentration des Verkehrs auf offiziellen Routen soll die Zahl illegaler Trails reduzieren und dadurch sensible Lebensräume entlasten. Gemeinden könnten durch den Verzicht auf aufwändige Neubauten bei den Unterhaltskosten entlastet werden. Gleichzeitig soll die touristische Attraktivität des Kantons gestärkt werden, indem ein klar ausgeschildertes, nutzerfreundliches Netz entsteht.
- Lenkung von Mountainbikern zur Entlastung empfindlicher Gebiete
- Vermeidung neuer Infrastruktur durch Nutzung bestehender Wege
- Reduktion illegaler Trails und besserer Schutz der Natur
- Touristische Inwertsetzung und Förderung der Naherholung
Offener Prozess — Fragen für Gemeinden und Nutzende
Nun liegt es an der Bevölkerung, Verbänden und Gemeinden, ihre Anliegen und Bedenken einzubringen. Relevante Punkte dürften etwa die Belastung einzelner Waldbereiche, Konflikte zwischen Nutzungsgruppen, lokale Unterhaltsfragen und die Feinabstimmung der Signalisation sein. Das angekündigte Monitoring wird zeigen, ob die vorgegebene Balance zwischen Freizeitnutzung und Naturschutz gelingen kann — und ob nachjustiert werden muss.
Der Schritt des Staatsrats markiert einen Versuch, das wachsende Interesse am Mountainbiken planvoll zu integrieren. Entscheidend werden die Umsetzungsschritte und die praktische Akzeptanz vor Ort sein: Ob Wandernde, Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Velo-Gemeinschaft das vorgeschlagene Netz als fairen Kompromiss annehmen, entscheidet über den langfristigen Erfolg des Projekts.