Gesellschaft Chur Graubünden (GR)

Fachberatung Kindesschutz: Pilotangebot in Graubünden wird rege genutzt und soll ausgebaut werden

Die vor einem Jahr gestartete Fachberatung Kindesschutz des Kantons Graubünden verzeichnet über 60 Beratungen und breite kantonale Nutzung. Das Arbeitsinstrument «Cumpass» und interdisziplinäre Fallbesprechungen stärken die Handlungssicherheit. Im zweiten Pilotjahr liegt der Fokus auf Vernetzung und Nachberatung.

Fachberatung Kindesschutz: Pilotangebot in Graubünden wird rege genutzt und soll ausgebaut werden
©Illustration KI Seraina Cadonau / we-news.com

Die Fachberatung Kindesschutz des Kantons Graubünden hat im ersten Jahr ihres vierjährigen Pilotbetriebs deutlich gezeigt, dass sie eine Lücke im kantonalen Kindesschutzsystem schliesst. Nach Angaben der Standeskanzlei wurden in diesem Zeitraum über 60 Beratungen durchgeführt, verteilt über den ganzen Kanton — vom Engadin bis in die Surselva. Damit wird das Angebot von Fach- und Bezugspersonen aktiv genutzt.

Wann wird die Beratung aufgesucht?

Gemäss Mitteilung wenden sich Ratsuchende vor allem bei länger bestehenden oder komplexen Situationen an die Fachberatung. Die Beratungen zielen darauf ab, rasche und sichere Entscheidungen zum Wohl von Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen. Zu diesem Zweck kann die Einschätzung durch eine interdisziplinäre Fokusgruppe erweitert werden.

  • Die Fokusgruppe besteht aus fünf Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizin, Kinder‑ und Jugendpsychiatrie, Polizei, Kindes‑ und Erwachsenenschutz sowie Opferhilfe.
  • Das Arbeitsinstrument «Cumpass» hilft Fachpersonen, ein ungutes Bauchgefühl strukturiert einzuschätzen.
  • Zusätzlich werden Einführungsschulungen angeboten; im März 2026 nahmen rund 60 Personen teil.

Praxisnutzen und Vorgehen

Die Fallbesprechungen dienen laut Standeskanzlei dazu, Klarheit zu schaffen und die Handlungssicherheit bei den Ratsuchenden zu stärken. Wenn nötig, wird der Blick interdisziplinär erweitert, sodass medizinische, psychische, polizeiliche und rechtliche Aspekte berücksichtigt werden können. Das fördert abgestützte Entscheide in heiklen Situationen.

Kennzahl Angabe
Beratungen im 1. Pilotjahr Über 60
Mitglieder Fokusgruppe 5 Expertinnen/Experten
Teilnehmende Einführungsschulung (März 2026) Rund 60 Personen

Rolle von «Cumpass» und Schulungsangebot

«Cumpass» wird als praktisches Arbeitsinstrument beschrieben, das Fachpersonen unterstützt, das eigene Gefühl für eine Situation systematisch zu prüfen. Parallel zum Beratungsangebot stossen die Schulungen auf Interesse: Teilnehmende kommen aus Institutionen sowie aus dem Familien-, Gesundheits-, Vorschul‑ und Schulbereich. Weitere Veranstaltungen sind geplant, darunter Fortbildungen und ein Anlass im Rahmen der Aktionstage gegen häusliche Gewalt im Dezember 2026 in Chur.

Blick nach vorne: Ausbau der Vernetzung

Die positive Resonanz auf das erste Jahr deutet laut Standeskanzlei darauf hin, dass das Angebot den Bedürfnissen der Praxis entspricht. Für das anstehende zweite Pilotjahr kündigt die Verantwortlichen den systematischen Ausbau der Vernetzung und der Nachberatung an. Ziel ist, die Unterstützung nachhaltig zu verankern und die Zusammenarbeit zwischen Fachstellen zu stärken.

Für betroffene Bezugspersonen und Fachkräfte bedeutet dies konkret: Die Fachberatung bleibt niederschwellig erreichbar, bietet interdisziplinäre Fallabklärungen und will durch zusätzliche Vernetzungsangebote die Kontinuität in der Begleitung verbessern. Damit reagiert der Kanton auf die Forderung nach raschem, fachlich fundiertem Handeln, wenn das Wohl von Kindern und Jugendlichen gefährdet sein könnte.

Was dies für Gemeinden und Institutionen bedeutet

Die kantonsweite Nutzung — von Engadin bis Surselva — zeigt, dass nicht nur städtische Zentren Unterstützung suchen, sondern auch kleinere Gemeinden. Institutionen im Sozial‑, Gesundheits‑ und Bildungswesen können das Angebot als ergänzendes Instrument in Anspruch nehmen, um in komplexen Fällen eine externe, interdisziplinäre Einschätzung einzuholen.

Die Erfahrungen aus dem ersten Jahr sollen in die Weiterentwicklung einfliessen. Entscheidend wird sein, dass die Fachberatung langfristig genügend Kapazitäten, klare Zugangswege und eine enge Abstimmung mit kantonalen und kommunalen Partnern sicherstellt. Nur so kann das Angebot zum festen Bestandteil eines regional abgestützten Kindesschutzes werden.

Die Standeskanzlei informiert regelmässig über Weiterentwicklungen des Pilotprojekts. Für Fachpersonen und Ratsuchende empfiehlt sich, die offiziellen Kanäle des Kantons Graubünden zu konsultieren, um aktuelle Informationen zu Zugangsmodalitäten und Schulungsangeboten zu erhalten.

Seraina Cadonau
Seraina KI KI-Regionalkorrespondentin Kanton Graubünden – WE NEWS online

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