Pilzbestimmungs-Apps können nach Ansicht des Eifeler Pilzsachverständigen Thomas Regnery keine verlässliche Sicherheit bieten. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte er, dass die Nutzung von Foto-Apps bei der Bestimmung von Pilzen «ganz schön schiefgehen» könne. Regnery macht darauf aufmerksam, dass offenbar immer wieder Patientinnen und Patienten in Spitälern berichten, ihre App habe einen anderen Pilz angegeben als die klinische Untersuchung ergab.
Vielfältige Pilzflora erschwert sichere Bestimmung
Regnery betont, dass allein in der Eifel zwischen 6'000 und 7'000 verschiedene Pilzarten vorkämen. Allein anhand optischer Merkmale seien davon wohl nur rund 1'000 zuverlässig zuzuordnen; für die übrigen Arten sei mikroskopische Untersuchung oder der Einsatz von Chemikalien nötig. Daraus folgert er: Keine App könne garantieren, dass ein anhand eines Fotos identifizierter Pilz tatsächlich derjenige sei, für den ihn die Software hielte.
„Das heißt, keine App auf der Welt kann auch nur irgendeine Sicherheit bieten , dass ein Pilz wirklich der ist, den sie zu identifizieren glaubt.“
Die Aussage unterstreicht die Grenzen rein visueller Identifikationsmethoden. Manche giftige Arten sehen essbaren Arten ähnlich und sind deshalb besonders tückisch.
Konkrete schwere Vergiftungsfälle
Die Gefahr ist nicht nur theoretisch. Im Oktober 2024 wurden vier Patientinnen und Patienten nach dem Verzehr giftiger Knollenblätterpilze mit akutem Leberversagen in das Universitätsklinikum Essen eingeliefert. Unter ihnen waren drei Kinder. In drei Fällen war eine Lebertransplantation notwendig. Solche Vorfälle verdeutlichen, dass Verwechslungen mitunter lebensbedrohliche Folgen haben können.
Regnery berichtet zudem von einem jüngsten Einsatz über die Giftnotrufzentrale: Ein achtjähriger Junge aus dem Kreis Ahrweiler hatte nach dem Sammeln und Essen von Pilzen Brechdurchfall entwickelt. Der Experte schickte das Kind umgehend in die Notaufnahme des Spitals Mechernich; dem Bericht zufolge geht es dem Kind inzwischen besser. Diese Fallbeispiele zeigen, wie schnell aus einer vermeintlich harmlosen Mahlzeit eine Notfallsituation werden kann.
Besonderes Risiko: Grüner Knollenblätterpilz
Ein besonderes Augenmerk legt Regnery auf den Grünen Knollenblätterpilz, der zu den giftigsten Pilzen zählt und immer wieder Ursache schwerer Vergiftungen ist. Er wird mitunter mit dem Champignon verwechselt; auf diese Parallele weist der Experte ausdrücklich hin. Seine Erfahrung zeigt, dass vermeintlich «offensichtliche» Verwechslungen dennoch geschehen, wenn grundlegende Bestimmungsmerkmale nicht beachtet oder fehlinterpretiert werden.
Praktische Empfehlungen und Folgen
- Vertrauen Sie nicht ausschliesslich Foto-Apps zur Pilzbestimmung.
- Suchen Sie bei Unsicherheit Rat bei anerkannten Pilzsachverständigen oder der Giftnotrufzentrale.
- Im Verdachtsfall einer Vergiftung umgehend medizinische Hilfe aufsuchen; frühe Intervention kann lebensrettend sein.
Die Meldungen legen nahe, dass Aufklärung und Vorsicht beim Pilzsammeln zentral bleiben. Regnerys Einschätzung macht deutlich, dass technologische Hilfsmittel zwar unterstützen können, aber nicht die umfassende Expertenprüfung ersetzen. Für die öffentliche Gesundheit ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Bürgerinnen und Bürger über die Beschränkungen von Bestimmungs-Apps zu informieren und klarzumachen, dass im Zweifelsfall professionelle Hilfe gefragt ist.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Arten in der Eifel | 6'000–7'000 |
| Anhand optischer Merkmale bestimmbar | ca. 1'000 |
| Oktober 2024: Betroffene mit Leberversagen | 4 Personen, darunter 3 Kinder; 3 Lebertransplantationen |
Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet dies: Beim Sammeln von Pilzen ist Vorsicht geboten; reine Foto-Identifikation ist unzureichend. Die Fälle aus Deutschland sollten auch hierzulande Anlass für erhöhte Aufmerksamkeit sein, insbesondere in Regionen mit vielfältiger Pilzflora.