Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in einer Auswertung die CO2-Bilanz der Dienstwagen der deutschen Landesregierungen geprüft und kommt zu kritischen Ergebnissen: Zahlreiche Fahrzeuge überschreiten den von der EU als klimafreundlich definierten Grenzwert, bei einigen Kabinetten führt dies zu einer schlechten Gesamtbeurteilung. Besonders auffällig ist die Flotte der rheinland-pfälzischen Landesregierung, die in dem Ranking eine rote Karte erhalten hat.
Konkrete Befunde aus Rheinland‑Pfalz
In Rheinland‑Pfalz liegt die durchschnittliche Bewertung der Ministerien deutlich unter dem, was die Umwelthilfe als akzeptabel ansieht. Auffälligstes Einzelbeispiel ist laut DUH der Dienstwagen der Arbeits‑ und Sozialministerin Sabine Bätzing‑Lichtenthäler (SPD), dessen CO2‑Ausstoß mit 195 Gramm pro gefahrenem Kilometer angegeben wird. Das ist deutlich höher als die von der DUH als grün klassifizierte Marke.
"rote Karte"
Die DUH verwendet in ihrer Einstufung eine Ampelmetapher: Fahrzeuge mit Emissionen unter 93,6 g CO2/km erhalten eine grüne Karte, darüber liegende Werte führen zu gelben oder roten Bewertungen. In Rheinland‑Pfalz erhielten nur zwei Kabinettsmitglieder eine grüne Karte: die Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt, Weinbau und Forsten, Christine Schneider, sowie Innenminister Achim Schwickert, die offenbar Elektrofahrzeuge nutzen.
Plug‑In‑Hybride dominieren, Kritik an realem Verbrauch
Die DUH kritisiert, dass viele Spitzenpolitikerinnen und ‑politiker mit Plug‑In‑Hybriden unterwegs sind. Die Organisation argumentiert, diese Fahrzeuge hätten oft grosse Verbrennungs‑ und kleine Elektromotoren und würden in der Praxis nur einen kleinen Teil der Fahrten rein elektrisch absolvieren. Bei den meisten Fahrten komme der Verbrennungsmotor zum Einsatz, was den tatsächlichen CO2‑Vorteil stark schmälere.
- Mehrere Kabinettsmitglieder nutzen Plug‑In‑Hybride statt ausschliesslich elektrischer Fahrzeuge.
- Ein Teil der Wagen im Landesregierungsdienst sind weiterhin Diesel oder Benziner.
- Nur wenige Ministerien erzielen laut DUH emissionswerte unter 93,6 g CO2/km.
Vergleich und bundesweite Einordnung
Im bundesweiten Vergleich belegt Rheinland‑Pfalz den achten Rang in der DUH‑Auswertung und erhält eine kritische Gesamtbewertung. Laut Bericht schneiden einige Bundesländer besser ab; Baden‑Württemberg, Berlin und Schleswig‑Holstein erhielten zumindest eine gelbe Karte für ihre Flotten. Die DUH benennt Sachsen‑Anhalt und Mecklenburg‑Vorpommern als Schlusslichter in dieser Analyse.
| Indikator | Beispiel / Anmerkung |
|---|---|
| Höchster gemessener Wert (Rheinland‑Pfalz) | 195 g CO2/km (Dienstwagen von Sabine Bätzing‑Lichtenthäler) |
| Schwelle für grüne Einstufung | 93,6 g CO2/km (DUH‑Grenzwert für grüne Karte) |
Die DUH‑Auswertung weist damit auf eine Diskrepanz zwischen der öffentlichen Klimapolitik vieler Landesregierungen und dem konkreten Mobilitätsverhalten ihrer Spitzenvertreter hin. Insbesondere der verbreitete Einsatz von Plug‑In‑Hybriden werde kritisch gesehen, weil er bei realen Nutzungsprofilen kaum Treibhausgasvorteile bringe.
Ausblick und Relevanz für die Schweiz
Für die Schweiz ist die Debatte um Dienstfahrzeuge insofern relevant, als sie Fragen nach Vorbildwirkung, Beschaffungsrichtlinien und wirksamen Einsparmassnahmen aufwirft. Eine transparente Flottenpolitik und die konsequente Umstellung auf reine Elektrofahrzeuge könnten die Glaubwürdigkeit staatlicher Klimaziele stärken. Zudem zeigt die DUH‑Analyse, dass technische Angaben allein nicht ausreichen: Entscheidend ist das Nutzerverhalten, das die tatsächlichen Emissionen bestimmt.
Die Auswertung der DUH unterstreicht die Notwendigkeit, bei öffentlichen Flotten sowohl die Technik als auch die Betriebsweise in den Blick zu nehmen, wenn Klimaschutzziele ernst genommen werden sollen.