Das schulterfreie schwarze Cocktailkleid, das Prinzessin Diana am 29. Juni 1994 bei einer Veranstaltung in der Serpentine Gallery in London trug, wird im Dezember bei Sotheby’s in New York versteigert. Das Stück aus Seidenkrepp mit Chiffonschleppe der Designerin Christina Stambolian zählt seit Jahrzehnten zu den ikonischen Kleidern der Popkultur und wird weltweit als «Revenge Dress» bezeichnet.
Ein Kleid als symbolischer Akt
Diana trug das Kleid am Abend der Ausstrahlung eines Fernsehinterviews, in dem Prinz Charles seine Untreue gestand. Die Wirkung war sofort Teil der öffentlichen Debatte: Das Kleid galt als sichtbares Zeichen, dass die Prinzessin sich nicht gedemütigt zeigte, sondern selbstbewusst auftrat. Die Boulevardpresse reagierte damals mit Schlagzeilen wie
«Rache ist schick», und das Kleid sicherte sich schnell einen Platz in der Mode- und Erinnerungsgeschichte.
Von der Wohltätigkeitsversteigerung zum Tresor
Bereits zwei Monate vor ihrem Tod im August 1997 hatte Diana jenes Kleid zusammen mit anderen Stücken für wohltätige Zwecke zur Versteigerung freigegeben. Seither lagerte das Kleid in Schottland in einem Tresor. Die aktuelle Eigentümerin hat sich nun entschieden, das Kleid erneut anzubieten. Sotheby’s teilt mit, das Kleid sei in gutem Zustand; abgesehen von einigen Ziehfäden aussen sei das Stück kaum getragen.
Erwarteter Preis und Vorfragen
Sotheby’s taxiert den Verkaufserlös auf rund 260'000 Euro. Umgerechnet entspricht dies in etwa 281'000 Fr. Bereits beim früheren Erwerb zahlten Interessenten aus Schottland deutlich weniger: Das Kleid ging damals für rund 47'000 Euro weg, was ungefähr 51'000 Fr. entspricht. Diese Zahlen zeigen, wie stark sich der Marktwert von Erinnerungsstücken an prominente Persönlichkeiten über die Jahre verändern kann.
| Datum / Ereignis | Preis (EUR) | Angaben |
|---|---|---|
| 1997 – Verkauf in Schottland | 47'000 | Erwerb vor Jahren |
| Dezember 2026 – Auktion in New York | 260'000 (erwartet) | Sotheby's-Taxierung |
Wozu dient ein solches Objekt heute?
Die Nachricht wirft Fragen auf, die über den reinen Auktionswert hinausgehen: Ist ein Kleid aus der Hand einer Prinzessin primär Erinnerungsobjekt, Kapitalanlage oder ein Stück Kulturgeschichte, das in ein Museum gehört? Sotheby’s spricht von guter Erhaltung und von einem einmaligen historischen Bezug. Für Sammlerinnen und Sammler ist es zweifellos ein begehrtes Objekt; für Museen stellt sich die Frage nach Erwerbspolitik und Ressourcen.
- Kultureller Wert: Das Kleid symbolisiert einen medialen Wendepunkt im öffentlichen Bild der Prinzessin.
- Marktwert: Die Differenz zwischen ursprünglichem Kaufpreis und heutiger Taxierung zeigt die Wertentwicklung für Prominenten-Relikte.
- Erinnerungspolitik: Entscheidende Frage bleibt, ob so ein Objekt öffentlich zugänglich oder privat aufbewahrt werden soll.
Für viele Menschen ist das Kleid mehr als ein Modeobjekt: Es steht für eine Episode, in der Privatheit, öffentliche Darstellung und Medienwirkung sich scharf kreuzten. Unabhängig vom Ausgang der Auktion bleibt das Kleid ein Symbol dafür, wie einzelne Kleidungsstücke Biografien prägen und Erinnerungskulturen beeinflussen können.
Die Versteigerung bietet nicht nur die Gelegenheit für Sammlerinnen und Sammler, sondern auch Anlass, über den Umgang mit ikonischen Objekten nachzudenken: Bewahrt man sie in privaten Tresoren als Anlage, zeigt man sie der Öffentlichkeit in Ausstellungen, oder wählt man neue Formen der Erinnerung? Die Antwort wird auch zeigen, wie Gesellschaften mit dem materiellen Erbe prominenter Persönlichkeiten umgehen.