Die im Juni eröffnete exklusive «Moët & Chandon Lounge» im frisch sanierten Freibad Dolder in Zürich wird noch vor dem Ende der Badesaison abgebaut. Das Sportamt der Stadt und der Betreiber der Anlage haben laut Berichten vereinbart, dass der Pop-up-Bereich bis Ende August entfernt sein soll. Auch im kommenden Sommer werde es kein vergleichbares Angebot geben, teilten die Beteiligten mit.
Streit um Luxus in einer mit Steuergeldern sanierten Badi
Die Lounge hatte in der Stadt für heftige Diskussionen gesorgt. Für einen Pauschalpreis von 16 Franken erhielten Besucherinnen und Besucher Zugang zu einem separaten Bereich, ein Glas Champagner, einen Liegestuhl und einen Sonnenschirm. Kritiker bemängelten, dass in einer Anlage, die die Stadt im Rahmen einer umfassenden Sanierung mit öffentlichem Geld erneuert hat, ein abgetrennter Luxusbereich angeboten werde.
Die Stadt Zürich hatte rund 20 Millionen Franken in die Sanierung der Dolder-Anlage investiert. Das Freibad Dolder wurde ursprünglich 1934 von den Besitzern des Grand Hotels gebaut. 2022 übernahm die Stadt die Badi im Baurecht für 30 Jahre, womit sie die Sanierung auf eigene Kosten durchführen konnte, während der Dolder die Anlage weiterhin betreibt.
Besonderes Baurechts-Modell sorgt für Konfliktpotenzial
Das spezielle Arrangement zwischen Stadt und Grundeigentümer spielt eine Rolle in der Debatte: Nach Ablauf des Baurechts gehen erneuerte Bauten und Anlagen an den Grundeigentümer über, der der Stadt den dann geltenden Wert der Investitionen erstatten muss. Dieses Konstrukt wurde in der Diskussion um die Champagner-Lounge als problematisch bezeichnet, weil die Stadt die öffentlichen Mittel für die Sanierung bereitstellte, während der Betreiber – das Hotel Dolder – zusätzliche kommerzielle Angebote wie die Lounge anbot.
Laut Berichten hat das Dolder-Hotel die Pop-up-Lounge eigenständig initiiert und eröffnet, ohne die Stadt im Vorfeld zu informieren. Der Betreiber ist für das gastronomische Angebot in der Badi zuständig; das Hotel verfügt über eine eigene Marke und Kapazitäten, um solche Dienstleistungen zu lancieren.
Reaktionen und Konsequenzen
Die Vereinbarung über den Abbau der Lounge ist eine direkte Reaktion auf die öffentliche Kritik. Damit wird der exklusive Bereich noch vor dem offiziellen Saisonende entfernt. Die Stadt erklärt damit klar, dass ähnliche Angebote im kommenden Jahr nicht geplant sind. Konkrete Sanktionen oder vertragliche Anpassungen im Baurechtsverhältnis wurden in den verfügbaren Berichten nicht genannt.
- Abbaufrist: Bis Ende August
- Investition Stadt Zürich: rund 20 Millionen Fr.
- Baurecht: 30 Jahre (seit 2022)
Was bedeutet das für Badegäste und Familien?
Für die breite Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer ändert sich wenig: Das Dolder-Wellenbad bleibt als öffentliche Badi zugänglich. Familien und Schwimmerinnen schätzen die Anlage als wichtigen Freizeitort. Die Entfernung der Luxuslounge könnte jedoch die Wahrnehmung der Badi als gemeinbezogene Infrastruktur stärken und künftige Angebote stärker an der öffentlichen Nutzerschaft ausrichten.
Die Entscheidung ist zugleich ein Präzedenzfall für städtische Einrichtungen, die in Mischmodellen mit privaten Betreibern geführt werden: Sie zeigt, wie sensibel die Ausgestaltung kommerzieller Extras in öffentlich finanzierten Anlagen ist und wie rasch politische und öffentliche Reaktionen zu Änderungen führen können.
| Jahr / Zeitpunkt | Wichtiges Ereignis |
|---|---|
| 1934 | Eröffnung Dolder-Wellenbad durch Grand-Hotel-Besitzer |
| 2022 | Stadt übernimmt Badi im Baurecht für 30 Jahre |
| Juni 2026 | Wiedereröffnung nach Sanierung; Pop-up-Lounge eröffnet |
| Bis Ende August 2026 | Abbau der «Moët & Chandon Lounge» vereinbart |
Für die Stadt stellt sich nach dem Vorfall die Frage, wie künftige Vereinbarungen mit privaten Betreibern transparenter und verbindlicher gestaltet werden können, damit öffentliche Investitionen und kommerzielle Aktivitäten klar geregelt sind. Ob dies vertragliche Nachbesserungen oder strengere Auflagen für Sonderangebote zur Folge haben wird, bleibt abzuwarten.
Für den laufenden Sommer bedeutet die Aufhebung der Lounge, dass die Badi wieder für alle Gäste ohne den abgetrennten Luxusbereich zur Verfügung steht. Die Betreiberbetreuung und das reguläre gastronomische Angebot sollen weiterhin den Badebetrieb ergänzen, heisst es in den Informationen zur Vereinbarung.