Die börsenkotierte Cembra Money Bank AG verlegt ihren Sitz nach Baden. Das bestätigt die Medienstelle des Unternehmens auf Anfrage. Mit der Muttergesellschaft ziehen die vier Tochterfirmen CembraPay, Swiss Auto Lease, Cembra Auto Finance und Fastcap in die Region. Insgesamt sind rund 800 Mitarbeitende betroffen.
Steuerliche Auswirkungen sind zentraler Grund
Ein Blick in die veröffentlichten Jahresrechnungen der Cembra zeigt, dass steuerliche Aspekte beim Standortentscheid eine grosse Rolle spielen dürften. Der Vorsteuergewinn betrug im Geschäftsjahr 2025 rund 223 Millionen Franken, im Vorjahr knapp 212 Millionen Franken. Für die beiden Jahre zusammen flossen laut Berichten rund 44 Millionen bzw. 41 Millionen Franken an Steuern an Bund, Kanton und Stadt Zürich.
Die Angaben in den Geschäftsberichten legen nahe, dass die effektive Steuerbelastung am bisherigen Standort Zürich bei rund 20 Prozent lag. In Baden würde die Belastung gemäss Mitteilungen nur bei rund 15 Prozent liegen, also ein Viertel tiefer. Für das Geschäftsjahr 2025 ergibt sich daraus nach Firmenangaben ein möglicher Steuerersparnis-Effekt von rund 11 Millionen Franken.
Verluste für Zürich, Gewinne für Baden und Aargau
Die Stadt Zürich und der Kanton Zürich verlieren mit dem Wegzug eine weitere kotierte Firma nach Holcim (2018) und Vontobel. Medienberichten zufolge rechnet die Stadt Zürich mit einem Steuerausfall von rund 20 Millionen Franken, der Kanton mit einem Wegfall von etwa 15 Millionen Franken. Für Zürich sei das ein relevanter Betrag im laufenden Budgetkontext.
Für Baden und den Kanton Aargau bedeutet die Ansiedlung hingegen einen finanziellen Gewinn: Niedrigere Steuersätze sowie zusätzliche lokale Wertschöpfung und Beschäftigung stärken die regionale Einnahmensituation und das Standortimage.
«Dazu können wir keine Angaben machen.»
Auf Nachfrage zur genauen Steuerplanung und zu weiteren Details verwies die Medienstelle der Cembra auf die ordentliche Finanzberichterstattung und machte ansonsten keine ergänzenden Angaben.
Konsequenzen für den Standort und die Stadtentwicklung
Der Zuzug einer grösseren Finanzgruppe an einen Knotenpunkt wie Baden hat mehrere Effekte:
- Direkte Effekte: Arbeitsplätze vor Ort, zusätzliche Gewerbesteuern und Konsumleistungen durch Mitarbeitende.
- Indirekte Effekte: Signalwirkung für weitere Unternehmen, Nachfrage nach Büroflächen und Dienstleistungen in Bahnhofsnähe und Altstadt.
- Haushaltspolitik: Höhere Unternehmenssteuereinnahmen können Spielräume für kommunale Investitionen oder tiefere Steuerfüsse schaffen.
Die Darstellung in den Medien betont, dass Baden bereits mit Namen wie ABB, Accelleron, Hitachi, GE und Axpo ein bestehendes industrielles und energetisches Profil hat. Die Stadt setzt demnach auf ein niederschwelliges Standortmarketing und ein attraktives Steuerregime, das nun erneut Früchte trägt.
| Grösse / Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Mitarbeitende | ~800 |
| Vorsteuergewinn 2025 | 223 Mio. Franken |
| Steuerquote Zürich (gemeldet) | ~20% |
| Steuerquote Baden (angegeben) | ~15% |
| Vermeintliche Steuerersparnis (2025-Beispiel) | ~11 Mio. Franken |
Die konkreten Effekte für den lokalen Arbeitsmarkt und städtische Finanzen lassen sich erst genauer beziffern, wenn der endgültige Firmensitz eingetragen ist und Standortverträge vorliegen. Die Cembra selbst verweist auf die ordentliche Berichterstattung; die Stadt Baden und der Kanton Aargau haben bisher knappere öffentliche Stellungnahmen kommuniziert.
Für die Stadt Zürich stellt der Wegzug eine weitere Etappe in der anhaltenden Debatte um Wettbewerb zwischen Kantonen und Gemeinden dar: Steuerpolitik, Standortattraktivität und die Mobilität von Kapital und Firmen bleiben zentrale Themen für die kommunalen Haushalte und die kantonale Finanzpolitik.