Eine Rentnerin aus Bonaduz hat im Kanton Graubünden eine erstaunliche Mobilisierung ausgelöst: Berta Caminada (78) übergab diese Woche der Standeskanzlei eine kantonale Volksinitiative, für die sie in zwei Monaten 15'781 Unterschriften gesammelt hat. Benötigt gewesen wären lediglich 4'000 Unterschriften. Laut den Eingaben stammen Unterzeichnende aus sämtlichen 100 Gemeinden des Kantons.
Worum es in der Initiative geht
Die Initiative mit dem Titel «Barzahlung bei öffentlichen Dienstleistungen (Anti-Diskriminierungsinitiative)» fordert, dass dort, wo der Staat oder staatsnahe Betriebe Leistungen anbieten, weiterhin die Möglichkeit besteht, mit Bargeld zu bezahlen. Konkret genannt werden Beispiele wie das Postauto, öffentliche Parkautomaten oder Toiletten. Digitale Zahlungsmittel sollen dem Text zufolge zwar erhalten bleiben, doch Bargeld dürfe nicht verschwinden.
«Ein Stück Autonomie» verloren
Der grosse Zuspruch, den Caminada gemäss Medienberichten erhalten hat, interpretiert sie als Zeichen, dass der Erhalt der Bargeldmöglichkeit vielen Menschen wichtig ist. Sie sagte gegenüber Medien, der Rückhalt zeige, wie zentral dieses Thema für die Bevölkerung sei.
Ein ungewöhnliches Tempo und ein Rekord
Die Unterschriftensammlung begann erst vor rund zwei Monaten. Innerhalb dieses kurzen Zeitraums fast viermal so viele Unterschriften zu erzielen, ist aussergewöhnlich: Medien berichten, dass bisher kein anderes kantonales Initiativbegehren in Graubünden eine derartige Anzahl an Unterschriften erreicht habe. Die Übergabe an die Standeskanzlei markiert nun den nächsten formalen Schritt im Verfahren.
Was passiert jetzt?
Mit der Einreichung wird die Standeskanzlei das Initiativbegehren prüfen. Diese Prüfung umfasst die formale Gültigkeit der gesammelten Unterschriften sowie die Vereinbarkeit des Initiativtextes mit höherrangigem Recht. Erst nach Abschluss dieser Prüfungen kann die Initiative gegebenenfalls zur Abstimmung gelangen. Konkrete Termine oder die Dauer des Verfahrens wurden in den vorliegenden Berichten nicht genannt.
Warum dieses Anliegen in Graubünden Resonanz findet
Der Erfolg von Caminadas Sammlung lässt sich aus mehreren Alltagsaspekten erklären: Bargeld bleibt für viele Menschen ein Mittel zur Teilhabe im öffentlichen Leben, insbesondere für ältere Personen, Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln oder in Regionen mit schlechtem Netzempfang. Zudem steht Bargeld oft für persönliche Freiheit und Privatsphäre.
- Initiantin: Berta Caminada, 78 Jahre, Bonaduz
- Gesammelte Unterschriften: 15'781
- Erforderlich gewesen: 4'000
- Ziel: Bargeld als Zahlungsmöglichkeit bei staatlichen und staatsnahen Leistungen garantieren
| Element | Angabe |
|---|---|
| Initiantin | Berta Caminada, 78, Bonaduz |
| Unterschriften | 15'781 (Gesamt) |
| Benötigt | 4'000 |
| Abgedeckte Gemeinden | Alle 100 Gemeinden des Kantons |
Für die Menschen in den Tälern von Graubünden bedeutet eine mögliche Annahme dieser Initiative konkrete Auswirkungen auf den Alltag: Wer regelmässig mit dem Postauto unterwegs ist, am Berg ein Parkbillett zieht oder öffentliche Toiletten benutzt, könnte künftig ein gewichtiges Recht auf Barzahlung geltend machen. Gleichzeitig wirft das Anliegen Fragen zur Umsetzung, Kosten und der Vereinbarkeit mit technischen Entwicklungen auf, die in einer allfälligen Abstimmungsdebatte zu klären wären.
Ausblick
Die Einreichung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das Thema Bargeld in Graubünden eine breite gesellschaftliche Debatte anstossen kann. Ob die Initiative letztlich zur Abstimmung gelangt und wie die politische Auseinandersetzung aussehen wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten bei der formalen Prüfung durch die Standeskanzlei und, falls zulässig, im politischen Prozess des Kantons.
Die Geschichte einer Einzelnen, die in kurzer Zeit viele Menschen erreicht hat, zeigt zugleich etwas über das politische Klima im Kanton: Lokales Engagement, direkte Demokratie und Fragen des Alltags gehören weiterhin zusammen. Die nächsten Schritte werden Aufschluss darüber geben, ob aus diesem breit getragenen Anliegen ein verbindlicher Rechtsanspruch oder eine politische Diskussion um technische und logistische Umsetzungen entsteht.
Korrespondenz aus Graubünden.