Die Bündner FDP-Nationalrätin Anna Giacometti hat angekündigt, ihr Mandat im Nationalrat per Ende November niederzulegen. Das teilte sie gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Bereits zuvor hatte Giacometti erklärt, bei den Nationalratswahlen 2027 nicht mehr antreten zu wollen.
Familie und persönliche Gründe
Als Begründung nannte die Politikerin den Wunsch, mehr Zeit für sich und ihre Familie zu haben. In einem Interview mit dem rätoromanischen Sender RTR sagte sie, dass zwei ihrer Söhne weit entfernt lebten und sie sich darauf freue, künftig vermehrt Reisen zu unternehmen und die Zeit mit der Familie zu pflegen.
«Ich brauche mehr Zeit für mich und die Familie. Ich freue mich darauf, künftig wieder mehr Zeit mit ihnen zu verbringen und zu reisen.»
Auswirkungen auf die Sitzzuteilung
Gemäss dem in der Schweiz üblichen Nachrückverfahren rückt die Person mit dem zweitbesten Resultat auf der betreffenden Liste nach. Für die FDP-Liste aus Graubünden ist dies der ehemalige Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb. Rathgeb hat laut Keystone-SDA bestätigt, dass er das Mandat übernehmen möchte. Er signalisierte zudem Interesse, sich bei den Wahlen 2027 erneut zur Wahl zu stellen und die Legislatur allenfalls weiterzuführen.
Parlamentarischer Fahrplan
Die laufende Herbstsession ist Giacomettis letzte volle Session; im Anschluss wird sie gemäss Mitteilungen noch bis zum Beginn der Wintersession in der Finanzkommission mitarbeiten. Damit endet ihre parlamentarische Tätigkeit formell bereits vor Jahresende.
Werdegang und Bekanntheit
Anna Giacometti wurde 2019 in den Nationalrat gewählt und verteidigte ihr Mandat 2023. Zuvor war sie Gemeindepräsidentin von Bregaglia. Nationale Bekanntheit erlangte sie nach dem Bergsturz am Piz Cengalo vom 23. August 2017, wo ihr Krisenmanagement in der betroffenen Gemeinde im Fokus der Öffentlichkeit stand.
Rechtliche Belastungen und Freispruch
Wegen des Bergsturzes war Giacometti zusammen mit vier weiteren Personen angeklagt. Es lief ein Strafverfahren wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung mit der zentralen Frage, ob das Ereignis vorsehbar gewesen wäre und ob Wanderwege früher geschlossen hätten werden müssen. Das Regionalgericht Maloja sprach alle Angeklagten frei; für Giacometti wurde der Entscheid als ein «klarer Freispruch» bezeichnet. Das Urteil ist rechtskräftig.
Was der Wechsel bedeutet
Der bevorstehende Abgang Giacomettis verändert die personelle Zusammensetzung der Bündner Vertretung im Nationalrat nur graduell, hat aber Signalwirkung für die Partei und die Region. Mit Rathgeb steht eine erfahrene Politikerpersönlichkeit bereit, die bereits auf kantonaler Ebene Führungsaufgaben innehatte. Ob er den Sitz langfristig behalten will, wird auch von seiner Entscheidung abhängen, ob er bei den Wahlen 2027 erneut kandidiert.
- Letzte Session: Herbstsession – Giacomettis letzte komplette Session.
- Kommissionsarbeit: Weiterarbeit in der Finanzkommission bis zum Beginn der Wintersession.
- Nachrücker: Christian Rathgeb (ehemaliger Regierungsrat) hat sein Nachrücken bestätigt.
Regionale Reaktionen und Bedeutung
In Graubünden hinterlässt Giacomettis Rücktritt gemischte Gefühle. Einerseits endet ein öffentliches Amt, das in den letzten Jahren immer wieder im Fokus stand; anderseits bedeutet die Nachfolge durch eine profilierte Figur wie Rathgeb Kontinuität in der politischen Vertretung des Kantons auf Bundesebene. Für Wählerinnen und Wähler der FDP in Graubünden bleibt wichtig, wie die Partei die verbleibende Zeit bis zu den Wahlen 2027 nutzt, um Programm und Kandidaturen zu ordnen.
Zeitleiste
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2017 | Bergsturz Piz Cengalo – Giacometti als Gemeindepräsidentin im Fokus |
| 2019 | Wahl in den Nationalrat |
| 2023 | Wiederwahl in den Nationalrat |
| Ende November (laufendes Jahr) | Rücktritt aus dem Nationalrat |
Der Rücktritt markiert das Ende eines Kapitels in Giacomettis politischer Laufbahn auf nationaler Ebene. Die Entscheidung betont die persönliche Prioritätensetzung der Politikerin und hat gleichwohl unmittelbare organisatorische Folgen für die Parteien und die kantonale Vertretung in Bern.