Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat seine Prognose für das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) 2026 deutlich nach oben korrigiert. Statt der bisher erwarteten 0,9 Prozent Wachstum rechnet die Expertengruppe des Bundes neu mit 1,7 Prozent, wie das Seco am Donnerstag mitteilte. Die Schätzung für 2027 bleibt unverändert bei 1,6 Prozent.
Starke Datenbasis und Währungsfaktor
Als Hauptgrund für die Revision nennt das Seco die jüngsten volkswirtschaftlichen Daten, die ein überraschend kräftiges Wachstum im zweiten Quartal zeigten. Zugleich habe die Abwertung des Frankens die Aussichten für die Exportindustrie verbessert, was zusätzliche Impulse für die Produktion und die Nachfrage aus dem Ausland bedeute.
«Es handelt sich um eine ausserordentlich starke Korrektur», sagte Ronald Indergand, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco. «Wir nehmen 2026 deutlich mehr Schwung auf und nehmen diesen 2027 mit.»
Vorsicht vor Übertreibung durch einzelne Sektoren
Trotz der insgesamt besseren Aussichten mahnt das Seco zur Vorsicht. Fast die Hälfte des starken Wachstums im zweiten Quartal sei auf die chemisch-pharmazeutische Industrie zurückzuführen, die sehr volatil sei. Dies könne das zugrunde liegende Konjunkturbild überzeichnen und zu einer gewissen Gegenbewegung in der zweiten Jahreshälfte führen.
Das Seco betont, dass die jüngsten Exportzahlen für August auf eine Normalisierung hinweisen. Die Experten erwarten daher nicht, dass das starke Viertquartal ungebremst fortgesetzt wird.
Arbeitsmarkt und Inflation
Für die kommenden Jahre bleiben die Frühindikatoren stabil: Die Inflationsprognose liegt für 2026 und 2027 bei je 0,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote wird für 2027 mit 3,0 Prozent prognostiziert, nach 3,1 Prozent in der Vorjahresprojektion. Das Seco spricht von einer Erholung, nicht von einem Boom.
Folgen für Wirtschaftspolitik und Unternehmen
Die deutlich höhere Wachstumsprognose dürfte politische Diskussionen beeinflussen, etwa zu fiskalischen Spielräumen oder gezielten Fördermassnahmen. Für die Exportbranche ist die Frankenschwäche ein willkommenes Entlastungssignal, während Branchen mit grossen Volatilitäten, namentlich die Chemie und Pharma, weiterhin als Unsicherheitsfaktor gelten.
Das Seco kombiniert die positiven Impulse aus Währungseffekt und höheren Quartalsdaten mit einer realistischen Einschätzung der Risiken. Entscheidend bleibt, wie stark die Stütze durch einzelne Industrien ist und ob sich die Nachfrage aus dem Ausland nachhaltig stabilisiert.
- Neu prognostiziertes BIP-Wachstum 2026: 1,7 Prozent (statt 0,9)
- BIP-Prognose 2027: Bestätigt bei 1,6 Prozent
- Inflation 2026/2027: je 0,6 Prozent
- Arbeitslosenquote 2027: 3,0 Prozent
| Jahr | BIP-Prognose (real) | Inflation |
|---|---|---|
| 2026 | 1,7 % | 0,6 % |
| 2027 | 1,6 % | 0,6 % |
Insgesamt bezeichnet das Seco die Lage als Aufhellung mit berechtigtem Optimismus, bleibt aber zurückhaltend bezüglich einer nachhaltigen Übertragung des jüngsten Quartalsschubs auf die Folgeperioden. Entscheidend für die weitere Entwicklung seien die Stabilität der Exporte, die Entwicklung des Frankens und die Frage, wie stark einzelne, volatile Branchen das Gesamtbild prägen.