In Genf hat die Demokratische Alevitische Föderation (FEDA) eine zweitägige Mahnwache durchgeführt, um ihre Unterstützung für den von Abdullah Öcalan initiierten Friedensprozess zu verbinden mit konkreten Forderungen nach Gleichberechtigung, verfassungsrechtlicher Anerkennung und der Aufarbeitung der staatlichen Politik gegenüber Alevit:innen in der Türkei. Die Aktion fand nahe dem Sitz der Vereinten Nationen statt und endete mit einer gemeinsamen Kundgebung.
Ort und Beteiligte
Die Mahnwache umfasste Gespräche und Treffen, die in einem eigens errichteten Zelt stattfanden. An der Aktion beteiligten sich neben Organisationen aus dem alevitischen Milieu auch revolutionäre, demokratische und zivilgesellschaftliche Gruppen. Die Genfer Aktion ist Teil einer grösseren Kampagne, die im September in mehreren Städten Europas stattfand, darunter Zürich, St. Gallen, Straßburg, Leverkusen, Dortmund und Paris.
Forderungen und Anliegen
FEDA verknüpft die Unterstützung des Friedensprozesses mit drei zentralen Anliegen, die in Genf deutlich gemacht wurden:
- Gleichberechtigung für Alevit:innen in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht;
- Verfassungsrechtliche Anerkennung der alevitischen Identität und Glaubensrechte;
- Aufarbeitung staatlicher Politik gegenüber Alevit:innen, die FEDA als jahrzehntelange Leugnung, Assimilation und Ungleichbehandlung beschreibt.
Diese Forderungen sollen laut FEDA Teil eines dauerhaften Friedensabkommens werden, das eine demokratische und pluralistische Ordnung in der Türkei gewährleisten soll.
„Ohne Frieden keine freie und gleichberechtigte Gesellschaft“
Songül Aslan, Ko-Sprecherin von FEDA-Schweiz, bezeichnete den Prozess als «historische Möglichkeit», den langjährigen Konflikt zu beenden und dauerhaft Frieden zu schaffen. Sie betonte, dass gesellschaftliche Vielfalt in einer künftigen demokratischen Ordnung berücksichtigt werden muss und dass die Forderungen der Alevit:innen in einer neuen Verfassung verankert werden sollen.
Internationale Dimension durch Genf
Die Wahl des Standorts ist kein Zufall: Genf ist als Sitz zahlreicher internationaler Institutionen ein Zentrum für Menschenrechts- und Friedensfragen. Die Kundgebung vor der UNO soll den Druck auf internationale Akteure erhöhen und die Anliegen der alevitischen Gemeinschaft auf einer global sichtbaren Bühne platzieren.
Regionale Vernetzung und Aktionen
Die Genfer Mahnwache war Teil einer grenzüberschreitenden Mobilisierung. In mehreren europäischen Städten fanden im September ähnliche Aktivitäten statt, bei denen Gespräche mit Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren stattfanden. FEDA dokumentiert damit nicht nur lokale Anliegen, sondern versucht, ein transnationales Netzwerk für die Durchsetzung ihrer Forderungen zu schaffen.
Konkrete Forderungen — zusammengefasst
| Forderung | Ziel |
|---|---|
| Verfassungsrechtliche Anerkennung | Schutz von Glaubens- und Identitätsrechten |
| Gleichberechtigung | Beendigung von Diskriminierung und Benachteiligung |
| Aufarbeitung | Aufdeckung und Bewertung vergangener staatlicher Politiken gegenüber Alevit:innen |
Was bedeutet das für Genf?
Für die Stadt und den Kanton Genf hat die Aktion mehrere Bedeutungen: Zum einen bestätigt sie die Rolle der Stadt als Ort, an dem internationale Konflikte und Menschenrechtsfragen sichtbar gemacht werden. Zum anderen zeigt sie, wie lokale Diasporagruppen Genf nutzen, um politische Anliegen in einen internationalen Diskurs einzubringen. Solche Aktionen können die Aufmerksamkeit von Diplomaten, NGOs und Medien auf sich ziehen und so langwierige Konflikte auf die Agenda bringen.
Aussichten und offene Fragen
FEDA betrachtet den Friedensprozess als historische Chance, verlangt jedoch, dass die politischen Inhalte eines solchen Prozesses die Rechte von Minderheiten explizit einschliessen. Ob und wie internationale Akteure dies unterstützen, bleibt offen. Ebenso unklar ist, welche konkreten Schritte die türkische Regierung und relevante Verhandlungspartner unternehmen würden, um die gestellten Forderungen umzusetzen.
Die Genfer Mahnwache hat die Diskussion um Minderheitenrechte und Verfassungsfragen wiederbelebt. Für Beobachter in der Rhonestadt bleibt relevant, wie internationale Institutionen auf diese Forderungen reagieren und ob Genf weiterhin als Plattform für solche Proteste dient.