Ein ungewöhnlicher Umzug hat am Dienstag die Strassen von Fribourg belebt: Das Naturhistorische Museum Freiburg hat eines seiner markantesten Ausstellungsstücke an den neuen Standort gebracht – einen präparierten Seiwal, der laut Museumsangaben rund 170 Jahre alt ist. Das elf Meter lange Tier musste auf einen Anhänger verladen und durch die Stadt gefahren werden, nachdem es zuvor aus dem bisherigen Museum transportiert worden war.
Nur mit architektonischem Eingriff möglich
Weil das Walpräparat durch keine Tür des bisherigen Hauses passte, liessen die Mitarbeitenden ein Loch in die Fassade stemmen, um das Tier herauszubringen. Das Vorgehen war nötig, um den 1,65 Tonnen schweren Riesen ohne weitere Schäden bewegen zu können. Nach dem Transport wurde der Wal am neuen Standort – dem ehemaligen Arsenal an der Route des Arsenaux – abgeladen.
Das Museum kündigt an, dass das Präparat dort jedoch nicht sofort wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein wird: «Der Wal muss noch rund zwei Jahre in einer speziellen Holzkiste verbleiben», teilt die Institution mit. Die dauerhafte Neueröffnung am neuen Standort ist für das Jahr 2028 geplant.
Ein Exponat mit bewegter Vergangenheit
Der Wal hat eine lange und ungewöhnliche Geschichte. Nach Angaben des Museums strandete das Tier 1852 in Le Havre und wurde mit einer damals experimentellen Methode präpariert. Im Anschluss daran reiste das Exponat rund drei Jahrzehnte lang als Attraktion durch verschiedene Orte in Europa. Erst 1881 kam es nach Fribourg: Damals machte der Besitzer Konkurs, verschwand und liess das Tier zurück. Die Stadt erwarb das Präparat und gab es dem Museum.
Das Museum sieht im Wal weiterhin einen Publikumsmagneten. Das Exponat verbindet Naturgeschichte mit der Kulturgeschichte von Schaustellungen und der Wanderung von Museumsgut durch Europa im 19. Jahrhundert.
Logistik und Schutz des Objekts
Die Organisation des Transports erforderte spezielle Massnahmen: Das Gewicht und die Länge des Präparats machten eine individualisierte Lager- und Transportlösung notwendig. Die Entscheidung, das Tier in einer speziellen Holzkiste zu lagern, hat zwei Gründe:
- Schutz empfindlicher Teile vor Erschütterungen während des Transports und der Zwischenlagerung
- Konservatorische Vorsicht während der Umbauphase am neuen Museumsstandort bis zur Wiedereröffnung 2028
Weitere Details zur genauen Technik der Konservierung oder zu den verwendeten Materialien nennt das Museum bislang nicht. Solche Angaben sind oft Teil langjähriger konservatorischer Planung und werden schrittweise veröffentlicht.
Was der Umzug für Besucherinnen und Besucher bedeutet
Für die Öffentlichkeit bedeutet der Transfer vorerst eine weitere Abwesenheit des Wals aus der Ausstellung. Besucherinnen und Besucher des derzeitigen Museumsstandortes werden das ikonische Präparat also bis zur Neueröffnung nicht sehen können. Das neue Haus am ehemaligen Arsenal verspricht jedoch langfristig modernere Präsentationsmöglichkeiten und mehr Platz für Sammlungen und Sonderausstellungen.
Die Verantwortlichen betonen, dass die zwischenzeitliche Lagerung in der Holzkiste nicht nur eine logistische Notwendigkeit ist, sondern auch dazu dient, das Objekt fachgerecht zu erhalten, bis die neuen Ausstellungsräume bereit sind.
Kultureller Wert eines historischen Präparats
Der Transport zeigt, wie sehr materielle Kulturgüter mit städtischer Identität verknüpft sind. Der Wal steht für die Museums- und Ausstellungsgeschichte von Fribourg und ist Teil des lokalen Gedächtnisses. Dass eine Stadt bereit ist, bauliche Eingriffe vorzunehmen und logistischen Aufwand zu betreiben, unterstreicht den Stellenwert, den solche historischen Exponate haben.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Länge | 11 Meter |
| Gewicht | 1'650 Kilogramm |
| Präparation / Strandung | Strandung 1852, präpariert mit experimenteller Methode |
| Stadterwerb | Nach Konkurs des Besitzers 1881 |
| Zwischenlager | Spezielle Holzkiste, bis zur Neueröffnung 2028 |
Der symbolische Umzug des Wals durch die Stadt hat bereits Aufmerksamkeit erregt und Fragen aufgeworfen: Wie präsent bleibt historisches Museumsgut in der modernen Museumsarbeit? Wie werden solche Objekte künftig gezeigt und eingebunden? Die Antworten werden in den kommenden Jahren mit der Fertigstellung des neuen Museumsstandorts sichtbar werden.
Der Fall ist auch ein Beispiel dafür, wie lokale Institutionen mit ungewöhnlichen logistischen Herausforderungen umgehen müssen, wenn sie erhaltenswerte Kulturgüter bewahren. Bis zur Neueröffnung bleibt der Wal eine geschützte, aber sichtbare Erinnerung an die lange Museums- und Stadtgeschichte von Fribourg.