Pilotprojekt in der Sommerferienbetreuung
Wiener Neustadt hat heuer in der Sommerferienbetreuung der Otto‑Glöckel‑Sportvolksschule ein Pilotprojekt gestartet, das Künstliche Intelligenz (KI) beim Lernen einsetzt. Ziel ist es, die Integration im Bildungsbereich zu stärken und Kindern mit unterschiedlichen Herkunftssprachen passgenaue Unterstützung in Fächern wie Deutsch und Mathematik anzubieten.
Die eingesetzte Lernsoftware „Lumivara“ wurde eigens um eine Volksschul‑Version erweitert. Sie analysiert im Lernprozess Stärken und Schwächen der Kinder und generiert auf Basis dieser Analyse individuelle Übungen. Pädagoginnen, Pädagogen und Betreuerinnen können die Lernfortschritte in Echtzeit über einen eigenen Zugang verfolgen.
„Mit dem neuen Integrationsangebot unterstützen wir Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund dabei, Lerninhalte individuell und in ihrem eigenen Tempo zu festigen.“
Diese Worte stammen von Integrationsstadtrat Franz Piribauer (ÖVP), der das Projekt als wichtige Unterstützung beim Ausbau der Deutschkenntnisse bezeichnet. Bildungsstadtrat Philipp Gruber (ÖVP) kündigte an, bei positivem Verlauf schrittweise auch die reguläre Nachmittagsbetreuung im Schuljahr einzubeziehen.
Wie das System funktioniert
Der Ablauf im Programm ist in zwei Schritten angelegt: Zuerst lesen die Kinder die vom System erzeugten Inhalte. Alternativ können Texte und Aufgaben vorgelesen werden. Anschließend erstellt die KI auf Basis des gerade Gelesenen passende Übungen, die das Kind bearbeiten muss. Im Fokus steht die laufende Personalisierung: Lumivara merkt sich Vorlieben, Stärken und Schwächen und passt Aufgaben entsprechend an.
- Individuelle Anpassung der Übungen in Echtzeit
- Optionale Vorlesefunktion für Texte und Aufgaben
- Betreuungspersonal hat Dashboard‑Zugriff zur Fortschrittskontrolle
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Software | Lumivara (Volksschul‑Version) |
| Zielgruppe | Kinder in der Sommerferienbetreuung, mit und ohne Migrationshintergrund |
| Fächer | Deutsch, Mathematik (Beispiele aus der Praxis) |
| Zugang | Pädagogische Begleitung via Echtzeit‑Dashboard |
Erwartungen und mögliche Folgen
Stadtpolitikerinnen und -politiker betonen den integrativen Ansatz: Für Integrationsgemeinderat Kanber Demir (Liste „Gemeinsam für Neustadt“) ist das Vorhaben ein Schritt, „allen Kindern die gleichen Chancen auf eine erfolgreiche Bildungslaufbahn zu ermöglichen – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrer Erstsprache“. Konkrete Aussagen zu Kosten, Dauer der Testphase oder zur geplanten Anzahl der teilnehmenden Kinder machte die Stadt in der Mitteilung nicht.
Die städtische Absicht, das Angebot bei Erfolg auch in die reguläre Nachmittagsbetreuung zu übernehmen, könnte mittelfristig folgenden Effekt haben:
- Frühere Erkennung von Lernlücken durch automatisierte Diagnostik;
- Gezieltere Förderangebote innerhalb der städtischen Betreuungseinrichtungen;
- Erleichterung für Betreuerinnen und Betreuer durch Monitoring‑Tools.
Gleichzeitig werfen KI‑gestützte Lernprogramme Fragen zur Datensicherheit, Transparenz der Algorithmen und zur pädagogischen Verantwortung auf. Diese Aspekte wurden in der städtischen Aussendung nicht detailliert beschrieben; für eine längerfristige Ausweitung wären Klarstellungen durch die Stadtverwaltung und die Bildungsverantwortlichen zu erwarten.
Das Projekt in Wiener Neustadt ist in Niederösterreich momentan einmalig und wird lokal genau beobachtet: Es verbindet städtische Integrationsziele mit einem technologischen Ansatz, der in der Praxis zeigen muss, ob personalisierte KI‑Unterstützung in Volksschulalter tatsächlich zu nachhaltig besseren Lernergebnissen führt.