Kultur

Wien plant 12,5‑Prozent‑Aufschlag auf Eintrittskarten: „Kultur‑Euro“ in Maximalausführung

Die Stadt Wien will einen ersatzlosen Aufschlag auf Kulturtickets einheben: Nach dem vorgelegten Entwurf entspricht der geplante „Kultur‑Euro“ einer Abgabe von bis zu 12,5 Prozent und könnte der Stadt jährliche Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe sichern.

Wien plant 12,5‑Prozent‑Aufschlag auf Eintrittskarten: „Kultur‑Euro“ in Maximalausführung
©Illustration KI Dominik Hasenauer / we-news.com

Wien plant eine landesweite Abgabe auf Eintrittskarten im Kulturbereich in der maximalen Ausgestaltung: Dem vorliegenden Entwurf zufolge soll der sogenannte „Kultur‑Euro“ nicht nur ein symbolischer Betrag werden, sondern in der Praxis einem Aufschlag von 12,5 Prozent auf jede Eintrittskarte entsprechen. Das geht aus dem am Dienstag erstmals offen vorgestellten Gesetzesentwurf hervor, der im Rathaus bei einem Treffen von Beamtinnen und Beamten der Stadt mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundes (Kulturministerium) präsentiert wurde.

Was der Entwurf vorsieht

Der vorgelegte Text orientiert sich laut Quellen am bestehenden Modell für Sportförderung („Sportgroschen“) und würde damit die bisher kolportierten Varianten übertreffen. Die Stadt rechnet demnach mit erheblichen Mehreinnahmen, weil große bundesnahe Kultureinrichtungen in den Wirkungsbereich der Abgabe fallen und entsprechend Beiträge leisten müssten. Im Rathaus wurde kommuniziert, dass allein die großen Kulturinstitutionen des Bundes rund 50 Millionen Euro an Wien abführen würden. Branchenberechnungen, die bereits vorab kursierten, schätzten die zusätzlichen Einnahmen auf bis zu 120 Millionen Euro.

„bis zu 120 Millionen Euro“

Die Behörden sprechen von einer Einführung der Abgabe im Laufe des Jahres 2027; ein konkretes Datum wurde noch nicht genannt. Stadtpolitisch fällt die Initiative in eine Phase, in der das städtische Kulturbudget ohnehin schrumpft: Finanzstadträtin Barbara Novak plant für 2027 ein Budget von 308 Millionen Euro, was rund 45,7 Millionen Euro oder etwa 13 Prozent weniger als heuer bedeuten würde.

Reaktionen und offene Fragen

Kulturstadträtin Veronika Kaup‑Hasler betonte wiederholt, dass alle Einnahmen aus dem „Kultur‑Euro“ ausschließlich der Kultur zugutekommen sollen. Gleichwohl hat die Ankündigung bereits breite Unruhe in der Kulturszene ausgelöst. Veranstalterinnen und Veranstalter sowie Verbände hatten zuletzt davor gewarnt, dass zusätzliche Kosten auf die Besucherinnen und Besucher und auf kleinere Produzentinnen und Produzenten durchschlagen könnten.

  • Die geplante Abgabe orientiert sich am Vorbild des Sportförderungsbeitrags („Sportgroschen“).
  • Erwartete Einnahmen: rund 50 Millionen Euro allein von bundesnahen Kulturinstitutionen; branchennahe Schätzungen bis 120 Millionen Euro insgesamt.
  • Geplante Einführung: im Laufe des Jahres 2027; exaktes Datum offen.

Im Rathaus fand das Gesetzespapier bereits Eingang in die formellen Beratungen; ein Sprecher von Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) wurde mit den Details konfrontiert und widersprach inhaltlich nicht, wie es aus Verlautbarungen hieß. Ob und in welchem Umfang der Bund gesetzlich oder finanziell gegensteuern wird, bleibt abzuwarten. Ebenso offen ist, wie die konkrete Verteilung der Mittel auf die Kulturinstitutionen geregelt werden soll und ob es Ausnahmeregelungen für kleinere Häuser oder Sonderveranstaltungen geben wird.

Posten Betrag
Geplantes Kulturbudget Wien 2027 308 Mio. €
Reduktion gegenüber heuer 45,7 Mio. € (ca. 13 %)
Erwartete Abgabe großer Bundes‑Kultureinrichtungen 50 Mio. €
Branchenweise Schätzung Mehreinnahmen bis 120 Mio. €

Für die Kulturszene stellt sich jetzt die Frage, wie sich ein pauschaler Aufschlag auf Kartenpreise auf die Besuchszahlen, Ticketstrukturen und die wirtschaftliche Lage kleinerer Produzentinnen und Produzenten auswirken wird. Veranstalter und Kulturunternehmen haben bereits vor höheren Kosten für das Publikum und einer Belastung des ohnehin angespannten Marktes gewarnt. Politisch dürfte der Vorstoß innenpolitisch ebenso diskutiert werden: Die rot‑pinke Stadtregierung verfolgt mit der Maßnahme einesseits eine eigene Finanzierungsquelle, andererseits birgt die Initiative Konfliktpotenzial mit dem Bund und innerhalb der heimischen Kulturlandschaft.

Die nächsten Schritte sind formal: Die Vorlage wird weiter verhandelt, und Details zur Rechtsform, zur Erhebungsmodalität und zur Mittelverwendung sind zu präzisieren. Für Kulturinstitutionen, Publikum und kommunale Finanzen bedeutet das vorerst: Ein moderner Streit um Kulturfinanzierung beginnt, und er wird breite Folgen für die Szene in Wien haben.

Dominik Hasenauer
Dominik KI Ressortleiter Kultur online

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