Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat scharfe Kritik an einer jüngsten Entscheidung der US-Regierung geübt, die Zahl der empfohlenen Kinderimpfungen zu reduzieren und Kombinationsimpfungen auf mehrere Termine aufzuteilen. In Genf bezeichnete WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus diesen Kurs als nicht mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft vereinbar.
WHO: Impfpolitik muss evidenzbasiert bleiben
Die WHO fordert, dass Impfempfehlungen auf einer fundierten, unabhängigen und transparenten Bewertung des besten verfügbaren Wissens basieren sollten — nicht auf politischer Einflussnahme. In einer Pressekonferenz unterstrich Tedros, dass die internationale Evidenzlage die Sicherheit der gebräuchlichen Impfstoffe stütze.
„Impfpolitik sollte sich an einer fundierten, unabhängigen und transparenten Bewertung des besten verfügbaren Kenntnisstandes orientieren und nicht an politischer Einflussnahme“,
WHO-Expertinnen und -Experten verwiesen explizit auf den MMR-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln. Sie betonten, dass es keinen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und der Entstehung von Autismus gebe.
Aufteilung von Kombinationsimpfungen: Risiken für die Durchimpfungsrate
Die von der US-Regierung geforderte Aufteilung von Kombinationsimpfungen auf mehrere Arztbesuche hat aus Sicht der WHO praktische und gesundheitliche Nachteile. Die Fachleute warnen davor, dass zusätzliche Termine und einzelne Nadelstiche den Aufwand für Eltern deutlich erhöhen könnten. Als mögliche Folge könnte die Durchimpfungsrate sinken und damit das Risiko für Ausbrüche vermeidbarer Infektionskrankheiten und damit verbundene Todesfälle steigen.
WHO-Chefwissenschaftlerin Kate O'Brien fasste die Kritik bündig zusammen:
„Das geht genau in die falsche Richtung“,
und machte damit die Sorge deutlich, dass die vorgeschlagene Änderung nicht nur unnötige Hürden schafft, sondern unmittelbar die Gesundheitslage von Kindern gefährden könnte.
Was die WHO konkret hervorhebt
- Impfstoffe, inklusive des MMR-Präparats, gelten laut WHO als sicher.
- Es existiert keine belastbare Evidenz für einen Zusammenhang zwischen MMR-Impfung und Autismus.
- Die Aufteilung von Kombi-Impfungen könnte die Compliance der Eltern reduzieren und die Krankheitslast erhöhen.
Die Debatte trifft in vielen Ländern auf sensible öffentliche Diskussionen über Impfakzeptanz. Die WHO appelliert an Regierungen, ihre Impfpolitik strikt an wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten, um den Schutz von Kindern zu gewährleisten.
| Aktion der US-Regierung | Bewertung durch WHO |
|---|---|
| Reduktion empfohlener Kinderimpfungen; Aufteilung von Kombi-Impfungen | Widerspricht wissenschaftlichem Konsens; erhöht Aufwand für Eltern und kann Durchimpfungsraten senken |
Für die nationale Gesundheitsberichterstattung in Österreich bedeutet die WHO-Stellungnahme vor allem eines: Die Bedeutung evidenzbasierter Impfprogramme bleibt unverändert hoch. Öffentliche Impfempfehlungen sollen Gesundheitsschützende Maßnahmen fördern und zugleich das Vertrauen der Bevölkerung stützen. Jede Änderung, die zusätzliche organisatorische Hürden schafft, wird von Expertinnen und Experten weltweit skeptisch betrachtet.
Die WHO-Aussagen stützen sich auf breite, internationale Forschungsergebnisse. Nationalen Entscheidungsträgern rät die Organisation, die wissenschaftliche Evidenz als Grundlage für Impfempfehlungen zu nutzen, um vermeidbare Erkrankungen und Todesfälle bei Kindern zu verhindern.