Die meteorologischen Voraussetzungen, die im September 2024 zu schweren Überschwemmungen in Teilen Österreichs führten, liegen laut ORF-Meteorologe Marcus Wadsak erneut vor — diesmal möglicherweise in noch verstärkter Form. Wadsak hebt vor allem die außergewöhnliche Erwärmung der Mittelmeeroberfläche hervor, die für die Bildung kräftiger Tiefs über dem Mittelmeerraum entscheidend sein kann und damit auch das Risiko für starke Niederschläge in Mitteleuropa erhöht.
Welche Faktoren sorgen für die erhöhte Gefahr?
Wadsak verweist auf zwei zentrale Faktoren: eine anhaltende Sommerhitze über Europa und deutlich erhöhte Wassertemperaturen im Mittelmeer. Diese Kombination fördert die Verdunstung und erhöht die Feuchtezufuhr in tiefen Luftschichten. Trifft diese feuchte, warme Luft auf kühlere Luftmassen aus Norden, können sich großräumige Italientiefs entwickeln, die enorme Niederschlagsmengen bringen.
- Sommerhitze: Höhere Lufttemperaturen in Europa erhöhen das Energiesystem der Atmosphäre und fördern die Aufhebung und Konvektion.
- Aufgeheiztes Mittelmeer: Mehr Verdunstung liefert die Feuchte, die Tiefs in hohe Niederschlagsmengen umsetzen kann.
- Luftströmungen: Ob Österreich betroffen ist, entscheidet sich erst kurzfristig anhand der dominierenden Strömungsmuster.
Wadsak macht unmissverständlich klar, dass die Ausgangslage mit jener von 2024 vergleichbar sei — und in Teilbereichen sogar gravierender: „Nur dass die Bedingungen diesmal noch drastischer sind, mit noch größerer Sommerhitze bei uns und noch wärmerem Wasser im Mittelmeer.“
„Wir haben genau die gleiche Ausgangslage wie damals, die Zutaten sind wieder angerichtet.“
Konkrete Messwerte aus dem Mittelmeer
Aus den berichteten Messungen geht hervor, dass Teile des Mittelmeers aktuell deutlich wärmere Oberflächentemperaturen zeigen als üblich. Ausgewiesene Werte sind:
| Region | Gemessene Temperatur | Bemerkung |
|---|---|---|
| Ligurisches Meer (vor Italien) | 31 °C | Historischer Rekordwert laut Bericht |
| Messboje vor Mallorca | 33 °C | Extrem hoher Einzelfall |
Zum Vergleich nennt der Bericht eine Abweichung von rund 4 °C über dem üblichen Mittelwasserwert für die Region, eine Größenordnung, die in der Meeresmeteorologie als außergewöhnlich gilt. Solch erhöhte Temperaturen bedeuten, dass deutlich mehr Feuchte in die Atmosphäre eingebracht werden kann als unter normalen Bedingungen.
Was bedeutet das konkret für Österreich?
Die Möglichkeit schwerer Niederschlagsereignisse hängt nicht nur von der vorhandenen Feuchte ab, sondern wesentlich von der großräumigen Wetterlage und den Zugbahnen der Tiefdruckgebiete. Wadsak betont deshalb auch die Unsicherheit in der räumlichen Verteilung der zu erwartenden Ereignisse: ob die stärksten Regenfälle erneut Teile Österreichs treffen oder andere Regionen in Europa, lässt sich derzeit nicht festlegen.
Für die Praxis bedeutet das:
- Behörden und Einsatzorganisationen sollten die Situation in den nächsten Wochen beobachten und Vorsorgepläne überprüfen.
- Regionen mit bekannten Überschwemmungsgefährdungen sollten Schwellenwerte in Gewässerbeobachtungen beachten.
- Privatpersonen in gefährdeten Gebieten sind gut beraten, Vorsorgemaßnahmen zu prüfen und aktuelle Wetterwarnungen ernst zu nehmen.
Langfristige Prognosen, die eine exakte räumliche Betroffenheit für Österreich vorhersagen, sind derzeit nicht möglich. Entscheidend werden kurzfristige Modellläufe und die Entwicklung der Luftströmungen in den kommenden Wochen sein. Meteorologische Dienste werden die Situation aktiv verfolgen und gegebenenfalls Warnungen anpassen.
Die Ausgangslage ist jedoch klar: Ein deutlich aufgeheiztes Mittelmeer erhöht das Potenzial für kräftige Italientiefs und damit für extreme Niederschläge in Europa. Ob Österreich erneut stark betroffen sein wird, hängt von der weiteren Entwicklung der Großwetterlage ab.