Das Ministerium für Bildung und Ausbildung in Vietnam hat mit einer Verordnung und dem Rundschreiben Nr. 69/2026 neue Vorgaben zur Organisation und zum Betrieb von Gymnasien für hochbegabte Schüler veröffentlicht. Die Regelungen, bekanntgegeben am 26. August 2026, verschieben den Fokus von einem rein bildungs‑ und ausbildungsorientierten Ansatz hin zu einem systematischen Prozess der Identifikation, Auswahl, Förderung und langfristigen Entwicklung besonderer Talente.
Erweiterung des Geltungsbereichs
Im Unterschied zum bisherigen Rundschreiben Nr. 07/2021/TT‑BGD&ĐT, das bisher vor allem Schulen im Bereich Leibeserziehung und Sport regelte, erfasst das neue Rundschreiben nun ausdrücklich auch Schulen mit künstlerischem Schwerpunkt. Damit sind erstmals umfassende Vorgaben für Kunstgymnasien formuliert.
| Dokument | Geltungsbereich |
|---|---|
| Rundschreiben Nr. 07/2021 | Hochbegabtenschulen im Bereich Leibeserziehung und Sport |
| Rundschreiben Nr. 69/2026 | Hochbegabtenschulen in Kunst, Sport und Bewegung |
Was ändert sich konkret?
Das neue Rundschreiben präzisiert zentrale Begriffe wie „Talent“, „Kunst“ und „Sport“ und schafft damit eine einheitliche Grundlage für die Anwendung der Vorschriften über spezialisierte Schulen. Gleichzeitig legt es fest, dass Hochbegabtengymnasien sowohl das allgemeine Bildungsprogramm als auch ein spezielles Hochbegabtenprogramm anbieten sollen. Dieses Förderprogramm ist demnach an Bildungszielen, Altersstruktur, berufsbezogenen Anforderungen der Fachrichtung und den vorhandenen Ressourcen der jeweiligen Schule auszurichten.
- Einheitliche Definitionen sorgen für Klarheit bei Identifikation und Auswahl von Talenten.
- Hochbegabtenprogramme sollen curricular an die fachlichen Erfordernisse und die Schulressourcen angepasst werden.
- Leistungsbeurteilung wird deutlicher geregelt und an das duale Angebot gekoppelt.
Die Behörden betonen, dass es sich bei Hochbegabtenschulen nicht um reine Fördereinrichtungen, sondern um spezialisierte Schulen handelt, die beide Bildungswege — allgemein und hochbegabtenspezifisch — integrieren. Damit wird der Anspruch verbunden, Spitzenförderung und allgemeine Bildung zu verbinden, statt sie zu trennen.
Kontext und mögliche Folgen
Die Neuregelung folgt dem Ziel, die Bestimmungen des vietnamesischen Bildungsgesetzes von 2019 sowie seiner Änderungen präziser umzusetzen. Für Bildungseinrichtungen bedeutet das zusätzliche Anforderungen, aber auch Chancen: Schulen mit künstlerischem oder sportlichem Profil erhalten nun einen rechtlichen Rahmen, der die strukturierte Förderung von Begabungen ermöglicht und zugleich verbindliche Standards setzt.
Für Lehrkräfte und Schulleitungen ergeben sich Herausforderungen bei der Curriculumsentwicklung, bei Prüf‑ und Bewertungssystemen sowie bei der Ressourcenzuteilung. Zugleich kann die Klarstellung von Begriffen und Zielen die Vergleichbarkeit zwischen Schulen erhöhen und die Mobilität von Schülern mit besonderen Begabungen unterstützen.
Internationale Beobachter und Bildungsexpertinnen dürften die Ausweitung auf Kunst‑ und Sportgymnasien als Zeichen werten, dass Vietnam seine Strategie zur Förderung von Talenten diversifiziert. Wie sich die Vorgaben in der Praxis bewähren und wie schnell Schulen die erforderlichen Programme implementieren können, bleibt abzuwarten.
Die Veröffentlichung des Rundschreibens Nr. 69/2026 markiert einen Schritt hin zu einem strukturierteren, differenzierteren Fördersystem für Hochbegabte — mit klaren Folgen für Curriculum, Bewertung und Ressourcenplanung in spezialisierten Schulen.