Das Ministerium für Bildung und Ausbildung in Vietnam hat einen Entwurf für ein neues Dekret zur Regelung der internationalen Zusammenarbeit und Investitionen im Bildungsbereich vorgelegt und ruft Behörden, Organisationen und die Öffentlichkeit zur Stellungnahme auf. Der Entwurf soll den bestehenden Rechtsrahmen modernisieren und die Umsetzung jüngerer Parteibeschlüsse unterstützen.
Hintergrund und Ziel
Der Entwurf dient laut Ministerium der Institutionalisierung der Resolution Nr. 71-NQ/TW des Politbüros vom 22. August 2025, welche Durchbrüche in der Bildungs- und Ausbildungsentwicklung fordert. Zugleich soll das neue Dekret das bisherige Dekret Nr. 86/2018/ND-CP ersetzen, das zuletzt durch Dekret Nr. 124/2024/ND-CP geändert wurde.
Als Kernziele nennt der Entwurf die Vereinfachung von Verfahren, die Förderung von Dezentralisierung und Machtübertragung sowie die Verstärkung der Nachprüfung im Zusammenhang mit Qualitätssicherung im Bildungswesen. Diese Punkte sind zentral, um internationale Kooperationen und ausländische Investitionen effizienter und verbindlicher zu gestalten.
Formen der Zusammenarbeit
Für die Vorschulerziehung und die allgemeine Bildung schlägt der Entwurf drei mögliche Formen pädagogischer Kooperation vor. Diese differenzierte Betrachtung soll gewährleisten, dass internationale Angebote mit den nationalen Bildungszielen kompatibel bleiben und die Rechte der Schülerinnen und Schüler gewahrt werden.
- Umsetzung des vietnamesischen Bildungsprogramms mit höheren Qualitätszielen;
- Integratives Bildungsprogramm, das das vietnamesische Programm mit einem ausländischen kombiniert;
- Umsetzung eines ausländischen Bildungsprogramms in vietnamesischen Einrichtungen.
Der Entwurf betont ausdrücklich, dass Kooperationen an öffentlichen Schulen die zugewiesenen Bildungsaufgaben, das Recht der Kinder auf Bildung und die Durchführung der Schulpflicht nicht beeinträchtigen dürfen. Kooperationsaktivitäten dürfen demnach nicht die reguläre Schulpflicht ersetzen.
Dezentralisierung und Qualitätssicherung
Ein weiterer Schwerpunkt des Entwurfs liegt auf der Förderung von Dezentralisierung: Durch klarere Regelungen sollen regionale Behörden und Bildungsträger mehr Handlungsspielraum erhalten, zugleich aber auch strengeren Überprüfungen unterliegen. Die Stärkung der Nachprüfungen zielt darauf ab, die Qualität der ausländisch geprägten Angebote verlässlich zu bewerten und Missbrauch zu verhindern.
Die Verknüpfung von vereinfachten Verfahren mit verstärkter Kontrolle ist ein wiederkehrendes Motiv im Text des Ministeriums. Damit soll ein Gleichgewicht erreicht werden: mehr Offenheit gegenüber internationalen Partnern bei gleichzeitiger Sicherung nationaler Bildungsstandards.
Auswirkungen und offene Fragen
Wird der Entwurf in der vorgelegten Form beschlossen, ergeben sich mehrere unmittelbare Konsequenzen für Schulen, Ausbildungseinrichtungen und private Anbieter:
- Erweiterte rechtliche Möglichkeiten für Partnerschaften mit ausländischen Bildungsträgern;
- Klarere Vorgaben für die Kombination oder Übernahme ausländischer Curricula;
- Verstärkte Prüfmechanismen, die zusätzliche Ressourcen für Qualitätssicherung erfordern können.
Offen bleibt, wie genau die praktischen Prüfverfahren ausgestaltet werden und welche Kapazitäten auf regionaler Ebene für die erhöhte Nachprüfung bereitgestellt werden. Ebenfalls unklar ist, wie rasch die Dezentralisierung umgesetzt wird und welche Kompetenzen konkret an lokale Behörden übertragen werden sollen.
| Element | Inhalt laut Entwurf |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Ersetzt Dekret Nr. 86/2018/ND-CP (inkl. Änderungen durch Nr. 124/2024/ND-CP) |
| Parteibeschluss | Resolution Nr. 71-NQ/TW (22.8.2025) |
| Kooperationsformen | 3 Varianten (vietnamesisch, integriert, ausländisch) |
Der Entwurf ist ein Schritt hin zu einer stärkeren Internationalisierung des Bildungswesens in Vietnam, verbunden mit dem Anspruch, nationale Bildungsaufgaben und Schulpflicht zu schützen. Eltern, Lehrkräfte und Träger sind nun aufgerufen, ihre Rückmeldungen einzubringen — das Ergebnis der Konsultation wird zeigen, wie praktikabel die vorgeschlagenen Regelungen in der schulischen Praxis sind.