Valeska Grisebach hat ihr jüngstes Werk in einer Randzone Europas angesiedelt: „Das geträumte Abenteuer“ spielt an der Grenze zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei und startet am 24. September in den deutschen Kinos. Der Film, der in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde, verbindet eine fiktionale Geschichte mit einer beobachtenden, fast dokumentarischen Darstellung des Grenzalltags.
Handlung und Figuren
Im Zentrum steht die Archäologin Veska, dargestellt von Jana Radewa, die in der bulgarischen Grenzstadt Swilengrad an einer Ausgrabungsstätte arbeitet. Als sie einem Bekannten namens Said (gespielt von Süleyman Alilow Letifow) helfen will, dessen Auto gestohlen wurde, gerät sie in ein Geflecht aus Schmuggel, Korruption und Kriminalität. Nach Saids überraschendem Verschwinden wird Veska nicht nur mit mafiösen Strukturen konfrontiert, sondern auch mit Erinnerungen an ihre eigene Vergangenheit.
Erzählweise, Themen und Stil
Grisebach verknüpft die fiktionale Handlung mit einer genauen Beobachtung des Lebens in der Region. Das Ergebnis ist ein langsames, sorgfältig ausgestaltetes Erzähltempo, das viel Raum lässt für beiläufige Gespräche und stille Szenen. Der Film behandelt neben kriminellen Verstrickungen auch historische Umbrüche der Neunzigerjahre und Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern – Themen, die sich eher hintergründig als plakativ entfalten.
„Nachdem ich einen Film in Bulgarien gedreht habe, hatte ich ziemlich schnell das Gefühl, dass ich dort wieder hin möchte und dort noch einen Film drehen will.“
Die Regisseurin arbeitet, wie schon in früheren Projekten, vielfach mit nicht-professionellen Darstellern, was dem Film zusätzliche Authentizität verleiht. Mit einer Laufzeit von knapp drei Stunden fordert der Film ein geduldiges Publikum, das sich auf einen entschleunigten Rhythmus einlassen möchte.
- Setting: Dreiländer-Grenzregion Bulgarien–Griechenland–Türkei, Swilengrad
- Figuren: Veska (Archäologin), Said (Bekannter)
- Ton: beobachtend, langsames Erzähltempo, dokumentarische Züge
Kontext und Einordnung
Grisebach ist kein unbeschriebenes Blatt: Ihr Vorgängerfilm „Western“ lief 2017 in der Cannes-Nebenreihe „Un Certain Regard“ und spielte ebenfalls in Bulgarien. Der neue Film setzt diese Auseinandersetzung mit Grenzräumen und Begegnungen fort, wirkt dabei aber noch direkter in der Darstellung sozialer Spannungen und historischer Bruchlinien. Kritiker reagierten überwiegend positiv auf die Mischung aus Fiktion und dokumentarischem Blick, lobten die Authentizität und die Geduld, mit der die Regisseurin Figuren und Atmosphäre formt.
Für Kinogänger bedeutet das: Wer Anspruch an Filmkunst und Muße fürs Erzählen mitbringt, wird an „Das geträumte Abenteuer“ Gefallen finden. Gleichzeitig öffnet der Film einen Blick auf europäische Peripherien, die in gängigen Erzählungen oft zu kurz kommen.
| Element | Angabe |
|---|---|
| Titel | „Das geträumte Abenteuer“ |
| Regie | Valeska Grisebach |
| Hauptdarsteller | Jana Radewa, Süleyman Alilow Letifow |
| Laufzeit | knapp drei Stunden |
| Auszeichnung | Preis der Jury, Filmfestspiele Cannes |
| Kinostart | 24. September |
Praktischer Tipp für den Kinobesuch: Wer die volle Wirkung des Films erleben will, sollte sich Zeit nehmen – sowohl für den Kinobesuch als auch für die Nachwirkung. Gespräche nach der Vorstellung oder ein Blick in Hintergrundtexte zur Region können helfen, die vielschichtigen Bezüge besser einzuordnen.
Insgesamt liefert Grisebach mit diesem Film einen ruhigen, aber eindringlichen Beitrag zur Frage, wie Europa an seinen Rändern funktioniert – und wie persönliche Geschichten dort mit größeren historischen und sozialen Kräften verwoben sind.