Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat den Konflikt mit dem Weltverband FIFA deutlich verschärft. Nach Angaben eines umfangreichen Schriftstücks, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, bereitet die UEFA ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino und womöglich weitere involvierte Funktionäre vor.
Konkrete Vorwürfe und rechtliche Schritte
Im Mittelpunkt steht ein gescheiterter Deal über Anteilsrechte an FIFA-Turnieren. Die UEFA fordert die Herausgabe von Dokumenten zu dem Vorhaben und hat ein rund 60-seitiges Schreiben an ein US-Bezirksgericht in Florida übermittelt. Darin erhebt der Kontinentalverband unter anderem den Vorwurf, dass die von Infantino vorgeschlagene Verkaufssumme nicht marktüblich gewesen sei und „zum eigenen Vorteil“ empfohlen wurde.
„Wir streben den Wandel an. Wir sind gegen jede Form eines Königreichs“,
lautet ein in dem Dossier zitiertes Leitmotiv der UEFA. Auf der Sitzung im Fürstentum Monaco präsentierte UEFA-Präsident Aleksander Čeferin den 55 Mitgliedsverbänden die nächsten Schritte in dem Konflikt.
Reaktionen aus Europa
Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erklärten Präsident Bernd Neuendorf und Ex-BVB-Manager Hans-Joachim Watzke bei der Sitzung im Saal Atlantique des Le Méridien Hotels ihre Unterstützung für die juristische Aufarbeitung. Neuendorf verwies auf einen Vertrauensbruch und sagte, die Ereignisse könnten nicht ohne personelle Konsequenzen bleiben. Er nannte zwar nicht explizit Infantino, machte aber deutlich, dass es um grundlegende Fragen der Governance bei der FIFA gehe.
Die UEFA signalisiert damit, dass sie nicht nur eine finanzielle Klärung anstrebt, sondern auch strukturelle Änderungen bei der Amtsführung der FIFA fordert. Die FIFA selbst hat sich auf Anfragen zunächst nicht geäußert.
Was steht auf dem Spiel?
Der Streit um den angeblichen Verkauf von Anteilsrechten betrifft die Verteilung von Wertschöpfung und Kontrolle über FIFA-Turniere. Sollte die UEFA in den USA Erfolg haben, könnte dies weitreichende Folgen haben:
- Rechtliche Prüfungen und mögliche Strafverfahren gegen Funktionäre.
- Neuverhandlungen über Governance-Regeln und Entscheidungsprozesse bei der FIFA.
- Vertrauensverlust zwischen Kontinental- und Weltverband mit möglichen Folgen für künftige Kooperationen.
| Aspekt | Konkretes |
|---|---|
| Verfahrensgegenstand | Gescheiterter WM-Investorendeal / Verkauf von Anteilsrechten |
| Vorwurf | Ungetreue Geschäftsbesorgung, nicht marktübliche Preisgestaltung |
| Beteiligte | UEFA, FIFA, involvierte Finanzinstitute, 55 UEFA-Mitgliedsverbände |
Politische und sportliche Einordnung
Der Vorgang ist nicht nur ein interner Sportstreit. Er betrifft die Frage, wie globale Sportveranstaltungen finanziell organisiert und kontrolliert werden. Die UEFA setzt mit der Klage auf juristische Mittel außerhalb der üblichen Verbandsmechanismen. Das zeigt, wie sehr das Vertrauen zwischen den Verbänden erschüttert ist.
Aus europäischer Sicht geht es um weit mehr als einzelne Personalien. EUFA-Vertreter betonen, dass es um die Sicherung von Transparenz und Verantwortlichkeit bei einem Verband geht, der global immense wirtschaftliche Bedeutung hat. Gelingt der UEFA ein juristischer Erfolg, wäre das ein Präzedenzfall für die Einflussnahme von Kontinentalverbänden gegenüber Weltverbänden.
Die Entwicklungen dürften die Arbeit der FIFA in den kommenden Monaten stark beeinträchtigen. Entscheidungen über Turnierformate, Medienrechte und Vermarktung könnten durch das Verfahren direkt betroffen sein. Auch die Frage, ob personelle Folgen folgen, bleibt offen; Neuendorf forderte bereits, dass die FIFA ihre Governance-Strukturen „überdenken“ müsse.
Die UEFA hat ihre nächsten Schritte präsentiert. Nun entscheidet ein US-Gericht, ob die europäischen Vorwürfe ausreichend sind, um ein Strafverfahren und damit eine tiefere gerichtliche Prüfung einzuleiten.