Die Storchenkolonie in Rust (Burgenland) hat in diesem Jahr zwar zahlreiche Junge großgebracht, leidet jedoch unter der anhaltenden Trockenheit. Laut Angaben des örtlichen Storchenvereins bezogen im März 26 Storchenpaare Horste in der Stadt, woraus insgesamt 87 Jungstörche hervorgingen. Die meisten Gerätschaften der Population haben bereits mit dem Zug in ihre Winterquartiere begonnen, berichten die Betreuer vor Ort.
Fütterung erstmals nötig, aber nicht nachhaltig finanzierbar
Die Trockensituation führte laut Vereinsbeobachtungen dazu, dass die Tiere deutlich weniger Wasserplätze und damit auch weniger Insekten vorfanden. Daraus resultierte eine außergewöhnliche Maßnahme: Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins musste gezielt zugefüttert werden. Der stellvertretende Sprecher des Storchenvereins, Rudi Karassowitsch, erklärte die Lage pointiert:
„Der Storch hat fast keine Chance, zum Wasser zu kommen, und durch die Trockenheit hatten wir auch noch wenige Insekten.“
Karassowitsch wies zugleich auf die ökonomischen Grenzen dieser Hilfe hin: Ein einzelner Storch benötigt rund ein Kilogramm Futter täglich, und bei mehr als 100 Vögeln in Rust wäre ein dauerhafter Fütterungseinsatz für den Verein nicht finanzierbar.
Bestandszahlen und Zustand der Brutvögel
Die Zahlen zeigen eine zwiespältige Bilanz: 26 besetzte Horste und 87 ausgeflogene Jungvögel dokumentieren eine erfolgreiche Fortpflanzung. Gleichzeitig berichten Helfer, dass viele Jungstörche und auch einige Altvögel körperlich schwächer seien als in normalen Jahren und nicht so gut entwickelt wie üblich. Ein ausgewachsener Storch wiegt nach Angaben des Vereins in der Regel zwischen drei und vier Kilogramm und kann bis zu 30 Jahre alt werden.
- Brutpaare: 26
- Jungstörche: 87
- Gesamtpopulation in Rust (heuer): über 100 Vögel
- Bereits abgeflogen: rund zwei Drittel der Population
| Indikator | Zahl |
|---|---|
| Brutpaare | 26 |
| Jungstörche | 87 |
| Population (geschätzt) | >100 |
Konsequenzen und offene Fragen
Die Situation in Rust verweist auf breitere Probleme: Trockenperioden reduzieren die Verfügbarkeit von Jagdflächen und Nahrungsquellen für Weißstörche, was sowohl das Überleben der Jungvögel als auch die Kondition der Altvögel beeinträchtigt. Die einmalige Hilfsmaßnahme des Storchenvereins unterstreicht, dass ehrenamtliche Naturschutzorganisationen in Extremjahren an ihre Grenzen stoßen können.
Für die Zukunft stellen sich mehrere Fragen: Können lokale oder regionale Institutionen vorübergehende Unterstützungsmaßnahmen finanzieren? Lassen sich Feuchtflächen gezielt erhalten oder anlegen, um die Nahrungsgrundlage langfristig zu sichern? Und inwieweit werden ähnliche Effekte in anderen Brutgebieten des Landes beobachtet?
Die Verantwortlichen in Rust betonen, dass Zufütterung keine dauerhafte Lösung darstellt. Vielmehr seien Maßnahmen zur Verbesserung der Feuchtbiotope und eine Beobachtung der Zugbewegungen zentral, um die Bestandssicherheit der Storchenpopulation zu erhöhen. Bis dahin bleibt die Lage angespannt: Viele Vögel haben die Region bereits verlassen, einige kehren möglicherweise geschwächt zu den Überwinterungsgebieten zurück.