Matthias Strolz, Gründer der Neos und inzwischen als Unternehmer sowie Autor tätig, hat seiner früheren Partei deutliche Vorwürfe gemacht. In einem Interview mit dem KURIER sagte Strolz, die Neos hätten „an manchen Ecken ihre Ideale verraten“, sowohl in Wien als auch im Bund.
Vorwurf: Abkehr von Idealvorstellungen
Strolz sieht einen Bruch zwischen der Oppositionsarbeit der Neos und deren Verhalten in Regierungsverantwortung. Er beschreibt den Übergang ins Regieren als „ein Rendezvous mit der Realität“ und spricht von einem schwierigen Balanceakt. Dabei nennt er die Koalition aus SPÖ und ÖVP nicht grundsätzlich diskreditierend: Beide hätten „ganz große Verdienste um das Land“ und hätten Wohlstand sowie sozialen Frieden geschaffen. Zugleich konstatiert er einen langsamen Verlust an gesellschaftlicher Dynamik: „Das Alte stirbt, das Neue ist noch nicht ganz da.“
Kritik an Budgetentscheidungen und Parteienförderung
Konkreter wird Strolz beim Thema Budget. Er verweist auf Einsparungen in Bereichen wie Familie, Sozialausgaben, Arbeitsmarkt und Kultur. Parallel dazu bemängelt er, dass bei der Parteienförderung keine relevanten Kürzungen vorgenommen worden seien. Dazu sagte er:
„Wenn ich das Doppelbudget anschaue, dann wird bei Familien, bei den Sozialausgaben, beim Arbeitsmarkt, in der Kultur gekürzt. Die Parteien aber sagen, wir erhöhen weiter…“
Strolz kritisiert weiter, Parteien hätten erst nach Protesten auf eine Inflationsanpassung verzichtet und bewegten sich weiterhin „mit großem Abstand [an der] absoluten Europaspitze“ bei der Förderung. Das sei für ihn ein Zeichen, dass die politischen Akteure die sozialen Prioritäten nicht ausreichend spürten.
Zur Rolle der FPÖ und der Neos
Zur politischen Konkurrenz sagt Strolz, er sehe in der FPÖ nicht das „Neue“, obwohl die Partei teilweise gute Ideen habe und Zusammenarbeit möglich erscheine. Seine Einschätzung bleibt ambivalent: Die FPÖ sei nicht die Lösung, doch Kooperationsmöglichkeiten bestünden. Für die Neos fordert er eine kritische Selbstreflexion hinsichtlich ihrer Positionierung und ihres Verhaltens in Regierungskontexten.
Persönliche Distanz und Angebot zur Unterstützung
Strolz betont, dass er seit seinem Austritt aus der Partei vor fast acht Jahren Abstand gewahrt habe. Er habe seiner Nachfolgerin versprochen, Ruhe zu geben, und dies bis dato diszipliniert eingehalten. Zugleich habe er angeboten, bei Bedarf zu helfen; dieses Angebot sei jedoch nicht angenommen worden. Er respektiere diese Entscheidung.
- Strolz: Gründer der Neos, inzwischen Unternehmer und Autor.
- Kritikpunkt: Neos hätten in Regierungsverantwortung Ideale preisgegeben.
- Budget: Einsparungen in sozialen Bereichen; keine nennenswerten Kürzungen bei Parteienförderung.
| Thema | Strolz' Einschätzung |
|---|---|
| Parteienförderung | Keine relevante Kürzung, weiterhin sehr hoch |
| Sozial-, Familien- und Kulturbudget | Kürzungen im Doppelbudget |
| Politische Rolle der FPÖ | Nicht das „Neue“, aber teilweise kooperationsfähig |
Das Gespräch ist Teil eines längeren Interviews, das in Auszügen veröffentlicht wurde. Strolz hat jüngst auch ein Buch mit dem Titel „Homo Universus“ vorgelegt, in dem er sich mit der Selbstgefährdung der Menschheit auseinandersetzt; dazu äußerte er sich im Interview ebenfalls, der Schwerpunkt der aktuellen Aussagen liegt aber auf der parteipolitischen Einordnung.
Die Kritik Strolz' trifft eine Partei, die sich in Regierungsverantwortung beweisen muss. Ob die Neos daraus interne Schlussfolgerungen ziehen oder an ihrer bisherigen Linie festhalten, bleibt abzuwarten. Seine Aussagen erhöhen den Druck auf die Neos, ihre Rolle zwischen Oppositionserbe und Regierungsrealität klarer zu definieren.