LILIENFELD. Das Stift Lilienfeld hat bei einer Sonderführung mehrere bedeutende Zeugnisse der Habsburgerzeit gezeigt. Abt Pius Maurer stellte unter anderem eine fast 750 Jahre alte Pergamenturkunde aus dem Jahr 1277 vor, einen Hirtenstab von Kaiser Karl I. sowie Erinnerungsstücke, die die lange Verbindung des Klosters zu Mitgliedern der Herrscherfamilie belegen.
Die Urkunde und ihre Bedeutung
Die präsentierte Pergamenturkunde, rund 60 mal 60 Zentimeter groß und mit dem Siegel Rudolfs I. versehen, dokumentiert Besitzungen des Klosters, die ursprünglich von den Babenbergern übertragen worden waren. Sie steht damit symbolisch für den Übergang der regionalen Herrschaft von den Babenbergern zu den Habsburgern und wurde in der Führung im sogenannten Abtturm gezeigt.
Habsburger-Spuren im Klosteralltag
Das Stift lag auf dem Pilgerweg von Wien nach Mariazell und war daher über Jahrhunderte ein Anlaufpunkt für Angehörige des Hochadels. In der Stiftskirche wurde etwa Cimburgis von Masowien, die Mutter Kaiser Friedrichs III., bestattet. Die enge Verbindung zur Dynastie zeigt sich auch darin, dass Habsburger Herrscher wie Leopold I., Maria Theresia und Franz Joseph mehrfach im Stift weilten.
Für Kaiser und Kaiserinnen gab es im Stift einen separaten Oratoriumsbalkon, das sogenannte Kaiseroratorium, von dem sie Gottesdienste verfolgen konnten. Abt Johann Ladislaus Pyrker wird in den Ausführungen als enger Vertrauter und Begleiter erwähnt; nach dem Sturz Napoleons hielt sich dessen Ehefrau Marie Louise zeitweise in Lilienfeld auf.
Wiederbelebung und sichtbare Spuren
Die Führung erinnerte auch an die Auflösung und Wiederbelebung des Klosters: Joseph II. hatte das Kloster 1789 im Zuge seiner Reformen aufgelöst; Kaiser Leopold II. ließ es 1790 wiederbeleben. Im Prälatensaal ist Leopold II. mit einem Porträt prominent vertreten, während das Bild Josephs II. an einer weniger sichtbaren Stelle hängt.
Rund 30 Personen hatten an der Spezialführung teilgenommen; darunter befanden sich auch Angehörige der Habsburgerlinie: Carl Christian von Habsburg-Lothringen mit seinem Sohn Imre, seine Schwiegertochter Kathleen und deren sechs Kinder.
- Präsentierte Höhepunkte: Pergamenturkunde (1277), Hirtenstab Kaiser Karls I., Verweise auf Maria Theresia und Marie Louise
- Bedeutung: Dokumentation des Übergangs von Babenbergern zu Habsburgern und lange Pilgertradition
- Öffentliches Interesse: Teilnahme von rund 30 Personen, darunter Mitglieder der Habsburgerfamilie
„Die Urkunde steht für den Übergang der Herrschaft von den ausgestorbenen Babenbergern zu den Habsburgern.“
| Objekt | Person/Zeitraum | Bemerkung |
|---|---|---|
| Pergamenturkunde | Rudolf I., 1277 | 60×60 cm, listet Klosterbesitzungen, Abtturm-Ausstellung |
| Hirtenstab | Kaiser Karl I. | Präsentation am Ende der Führung |
| Porträt | Leopold II. / Joseph II. | Leopold prominent im Prälatensaal, Joseph in einer Ecke |
Die Führung im Stift Lilienfeld macht die lokalen Verknüpfungen zu landesgeschichtlichen Ereignissen sichtbar und unterstreicht den Rang des Klosters als historischen Knotenpunkt zwischen Pilgerwegen und herrschaftlichen Interessen. Für die Gemeinde bedeutet das eine erhöhte Aufmerksamkeit für das kulturhistorische Erbe und eine mögliche Stärkung des Tourismus, insbesondere für Besucher, die an Habsburger-Geschichte interessiert sind.
Weitere Spezialführungen oder Ausstellungen des Stiftes können für Interessierte lokale Anknüpfungspunkte an die größere Geschichte Österreichs bieten und den Dialog zwischen Wissenschaft, Kirche und Öffentlichkeit fördern.