Bundespräsident Frank‑Walter Steinmeier hat bei der Eröffnung eines Bürgerfests in der Villa Hammerschmidt in Bonn eindringlich zur Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaat aufgerufen. Rund 2.000 ehrenamtlich Engagierte waren zu der Veranstaltung geladen. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen‑Anhalt richtete sich sein Appell auch an die „oft zu stille Mehrheit“ der Gesellschaft.
Appell gegen Hass und völkisches Denken
Steinmeier bezeichnete die freiheitliche Demokratie als eine „Errungenschaft“ und ein „Glück für uns alle“ und warnte vor denen, die diese Werte verächtlich machten. Er forderte dazu auf, Demokratie und Rechtsstaat zu schützen „gegen die Verächter der Demokratie“ und betonte die Bedeutung gemeinsamen Handelns:
„Hüten wir sie gut! Stehen wir zusammen! Schützen und verteidigen wir sie gegen die Verächter der Demokratie!“
In deutlichen Worten wandte sich der Bundespräsident gegen nationalistische Abschottung und völkisches Denken: „Völkisches Denken und nationalistische Abschottung, das sind eben keine Antwort auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.“ Er mahnte, dass aus Wut und Empörung keine zukunftsfähigen Perspektiven entstehen würden: „Mit Hass und Hetze baut man keine Zukunft.“
Die Rolle der Ehrenamtlichen
An die Anwesenden, die sich ehrenamtlich engagieren, richtete Steinmeier ein klares Lob und eine Aufforderung zugleich. Ehrenamtliches Engagement beschrieb er als verbindenden Faktor in der Gesellschaft, der gerade jetzt Unterstützung benötige. Er hob hervor, dass diejenigen, die die Demokratie erhalten wollen, in der Mehrheit seien — eine Botschaft an die „stille Mehrheit“.
- Ort: Villa Hammerschmidt, Bonn
- Teilnehmerzahl: etwa 2.000 ehrenamtlich Engagierte
- Anlass: Eröffnung eines Bürgerfests
Historischer und internationaler Bezug
Steinmeier verwies auf die Bedeutung Bonns als früherer Bundeshauptstadt, wo das Grundgesetz erarbeitet worden sei, und betonte den symbolischen Wert für den demokratischen Neuanfang nach der nationalsozialistischen Diktatur. Zugleich hob er Bonns Rolle als Sitz zahlreicher UN‑Organisationen hervor und verwies damit auf die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit.
In seiner Rede machte der Bundespräsident auch deutlich, dass globale Verantwortungsgemeinschaften erforderlich seien, um internationale Krisen zu bewältigen. Als Beispiel nannte er die Katastrophe in Nepal, die zeige, dass allein nationales Handeln nicht ausreiche.
Kontext und Bedeutung
Der Auftritt Steinmeiers kommt wenige Monate vor dem Ende seiner Amtszeit: Laut Angaben des Veranstaltungsprotokolls wird er im März nach zehn Jahren aus dem Amt scheiden. Die Rede an Ehrenamtliche und die Betonung der Zivilgesellschaft stehen in Zusammenhang mit politischen Spannungen und Debatten über Rechtsextremismus, Polarisierung und das Vertrauen in staatliche Institutionen.
Die Aufforderung, die Demokratie aktiv zu verteidigen, zielt auf eine breite Mobilisierung der Bürgerinnen und Bürger jenseits parteipolitischer Lager. Indem er explizit die „oft zu stille Mehrheit“ anspricht, versucht der Bundespräsident, jene Kräfte zu stärken, die sich für pluralistische und rechtsstaatliche Grundsätze einsetzen.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Veranstaltung | Bürgerfest in der Villa Hammerschmidt |
| Teilnehmer | rund 2.000 Ehrenamtliche |
| Kernbotschaft | Schutz von Demokratie und Rechtsstaat gegen Verächter |
Die Rede ist Bestandteil eines öffentlichen Diskurses, der in den kommenden Wochen an Brisanz gewinnen dürfte — nicht zuletzt angesichts anstehender Landtagswahlen. Steinmeiers Appell richtet sich an die Zivilgesellschaft: Er sieht in Ehrenamtlichen den „Kitt der Gesellschaft“, der das demokratische Gefüge zusammenhalte und deshalb gestärkt werden müsse.