Arbeitgeber und Gewerkschaften haben angesichts der jüngsten Pisa-Ergebnisse gemeinsame Forderungen an die Bildungspolitik formuliert. In einer Erklärung verlangen die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ein Bildungssystem mit klaren Zielen, verbindlichen Verantwortlichkeiten und mehr qualifizierten Fachkräften, damit Bildungserfolg nicht von Herkunft oder Einkommen abhänge.
„Bildungserfolg darf nicht von der sozialen Herkunft, dem Wohnort oder den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängen.“
Ausgangslage: Pisa als Weckruf
Die Sozialpartner beziehen sich direkt auf die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie. Demnach erzielten 15-jährige Schülerinnen und Schüler in Deutschland in den Bereichen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik die schlechtesten Werte seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000. Diese internationalen Vergleichsdaten werden in der Erklärung als Anlass genommen, grundlegende Reformen einzufordern.
Konkrete Befunde: Viele Jugendliche ohne Abschluss oder Ausbildung
Die Sozialpartner untermauern ihre Forderungen mit nationalen Statistiken. Im Schuljahr 2023/2024 verließen laut Statistischem Bundesamt rund 62.000 Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss. Die Abbrecherquote lag demnach bei 7,8 Prozent. Zudem waren im zurückliegenden Jahr rund 10 Prozent der 20- bis 24-Jährigen weder in einer Bildungsmaßnahme noch in Beschäftigung (NEET). Laut Berufsbildungsbericht 2026 haben etwa 2,76 Millionen junge Erwachsene im Alter von 20 bis 34 Jahren keinen Berufsabschluss.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Schulabgänger ohne Abschluss (Schuljahr 2023/24) | 62.000 |
| Abbrecherquote | 7,8 % |
| 20–24-Jährige NEET | 10 % |
| 20–34-Jährige ohne Berufsabschluss | 2,76 Mio. |
Forderungen der Sozialpartner
Auf einer Konferenz in Berlin stellten BDA und DGB ihre Vorschläge vor. Zentral sind folgende Punkte:
- Verbindliche Zuständigkeiten entlang des Bildungsweges, damit Ziele nicht an föderalen Abstimmungsproblemen scheitern.
- Klare Bildungsziele für alle Schulstufen einschließlich konkreter Erfolgskriterien und Messgrößen.
- Qualifiziertes Personal und bessere Bedingungen für Lehrkräfte, um Unterrichtsqualität zu sichern.
- Chancengleichheit, damit Bildungsbiografien nicht von sozialer Herkunft oder Wohnort abhängen.
- Bessere Übergänge von Schule in Ausbildung und Beruf, inklusive gezielter Unterstützungsangebote für Schwächere.
Konsequenzen für Politik und Praxis
Die Sozialpartner argumentieren, dass langfristige wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen nur durch koordinierte Reformen vermieden werden können. Für Jugendliche ohne Abschluss oder Ausbildung drohen dauerhafte Nachteile auf dem Arbeitsmarkt, erklärten sie. Die genannten Zahlen zu Schulabgängern, NEETs und Personen ohne Berufsabschluss belegen nach Ansicht von BDA und DGB dringenden Handlungsbedarf.
Welche konkreten Maßnahmen Bund und Länder ergreifen, bleibt offen. Die Vorschläge der Sozialpartner setzen auf eine Kombination aus strukturellen Reformen, Investitionen in Personal und zielgerichteten Förderangeboten. Entscheidend wird sein, ob sich die föderale Ebene, Schulverwaltungen und die betroffenen Akteurinnen und Akteure auf klare Zuständigkeiten einigen können.
Für Eltern, Lehrkräfte und Jugendliche bedeutet das: Es geht nicht allein um kurzfristige Reparaturen, sondern um nachhaltige Rahmenbedingungen, die Bildungsabschlüsse und berufliche Integration sichern. Die BDA und der DGB wollen mit ihrer Initiative den Druck auf die Politik erhöhen, die aktuellen Pisa-Ergebnisse als Anstoß für umfassende Reformen zu nutzen.