Immer mehr Menschen greifen nicht erst bei Krankheit, sondern vorbeugend zu Mitteln, die das Immunsystem stärken oder das Wohlbefinden fördern. Eine aktuelle Marktanalyse des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel im Lebensmittelverband Deutschland zeigt: Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel hat ein Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro erreicht. Im Zeitraum September 2024 bis September 2025 wurden laut Bericht knapp 415 Millionen Packungen verkauft.
Was die Zahlen aussagen
Die Studie berücksichtigt neben klassischen Vertriebswegen erstmals auch Bio- und Reformfachhandel sowie Online- und Direktvertrieb. Das erschwert einen direkten Vergleich mit früheren Erhebungen, macht aber deutlich: Gesundheitsprodukte sind kein Nischenphänomen mehr, sondern Teil eines alltäglichen Konsumverhaltens. Händler berichten, dass Produkte wie Nahrungsergänzungsmittel, Kräutertees oder Ingwershots nicht mehr nur saisonal nachgefragt werden, sondern ganzjährig in Warenkörben landen.
Besonders auffällig ist die Nachfrage junger Generationen. Studien von Marktbeobachtern wie McKinsey zeigen, dass insbesondere Gen Z und Millennials stärker auf Wellness achten und offener für digitale Angebote sind. Konkrete Online-Kaufzahlen des Statistischen Bundesamts für 2024 ergänzen dieses Bild: 23 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel online gekauft; über alle 16- bis 74-Jährigen liegt der Anteil bei 21 Prozent, bei 16- bis 24-Jährigen aber nur 12 Prozent.
Konsequenzen für Handel und Gesundheitsversorgung
Der Trend zur präventiven Selbstversorgung bringt mehrere Folgen mit sich:
- Der stationäre Handel erweitert sein Sortiment — Gesundheitsprodukte werden als Bestandteil eines bewussten Lebensstils positioniert.
- Online- und Direktvertrieb profitieren, doch die Online-Affinität variiert deutlich nach Altersgruppen.
- Für Ärztinnen, Apothekerinnen und Gesundheitsberufe wächst die Aufgabe, Verbraucherinnen und Verbraucher über Wirksamkeit und Risiken aufzuklären.
Die Zahlen belegen, dass Prävention kommerziell relevant wird. Das eröffnet Chancen für Angebote, die echte gesundheitliche Vorteile liefern, stellt aber auch Anforderungen an die Verbraucherschutz- und Informationspolitik: Nicht alle Produkte sind evidenzbasiert geprüft, und Gesundheitsversprechen können irreführend sein.
Einordnung der Marktdaten
Die wichtigsten Zahlen der Analyse im Überblick:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Marktvolumen Nahrungsergänzungsmittel | ca. 4,3 Mrd. Euro |
| Verkaufte Packungen (Sep 2024–Sep 2025) | ~415 Mio. Packungen |
| Online-Käufer 25–64 Jahre (2024) | 23 % |
Die Studie selbst weist darauf hin, dass die Einbeziehung neuer Vertriebskanäle einen direkten historischen Vergleich erschwert. Dennoch ist der Befund eindeutig: Das Geschäft verlagert sich über verschiedene Kanäle und erreicht andere Zielgruppen als früher.
Was Verbraucherinnen und Verbraucher wissen sollten
Wer Prävention ernst nimmt, sollte auf geprüfte Informationen achten. Entscheidend sind:
- Seriöse Herkunft der Produkte und klare Deklaration der Inhaltsstoffe.
- Abklärung mit Gesundheitsfachpersonen bei Vorerkrankungen oder gleichzeitig eingenommenen Medikamenten.
- Kritisches Hinterfragen von Marketingversprechen und dem Nutzen einzelner Präparate.
Der Markt für Gesundheitsprodukte wächst — und mit ihm die Verantwortung aller Beteiligten: Handel, Politik und Gesundheitsberufe müssen dafür sorgen, dass Prävention nicht nur ein Verkaufsargument bleibt, sondern sicher und informierend gestaltet wird.