Medizinische Premiere am Universitätsklinikum Wiener Neustadt‑Hochegg
Im Universitätsklinikum Wiener Neustadt‑Hochegg sind erstmals in Wiener Neustadt Frauen mit einer selten eingesetzten operativen Methode gegen schwere Beckenbodenverletzungen nach der Geburt behandelt worden. Das Team führte Levator‑Plastiken bei insgesamt sechs Patientinnen durch. Bei der Operation wird der durch die Geburt geschädigte Levatormuskel chirurgisch rekonstruiert.
Die Eingriffe wurden vom heimischen Team unter der Leitung von Balázs Stenczer, leitender Oberarzt für Urogynäkologie und rekonstruktive Beckenbodenchirurgie, vorbereitet und durchgeführt. Begleitet wurde das Team erstmals in Österreich von dem Genfer Spezialisten Frédéric Ris, dem Entwickler der Methode.
Hintergrund: Warum diese Operation wichtig ist
Bei natürlichen Geburten wirken erhebliche Kräfte auf den Beckenboden. Dabei kann der Levatormuskel stark überdehnt werden oder es kommt zu Teilabrissen, die äußerlich oft nicht sichtbar bleiben und deshalb unentdeckt sind. Nach Angaben von Fachleuten treten solche Teilabrisse bei bis zu 10 Prozent der Spontangeburten auf; bei Geburten mit Saugglocke könnten es bis zu 30 Prozent sein.
- Folgen für Betroffene können sein: instabiler Beckenboden, Probleme beim Halten von Harn und Stuhl, langfristig auch Senkungen von Gebärmutter, Scheide, Harnblase oder Enddarm.
- Eine Levator‑Plastik kommt nur bei eindeutig diagnostiziertem Levatorabriss und nach individueller ärztlicher Indikationsstellung in Frage.
- Die Auswahl der Patientinnen erfolgte nach entsprechender diagnostischer Abklärung durch das Klinikteam.
Regionale Bedeutung und Versorgungsaspekt
Für Wiener Neustadt und das Einzugsgebiet bedeutet die Etablierung dieser Technik am Standort des Universitätsklinikums eine Erweiterung des lokalen Versorgungsangebots in der Gynäkologie und Urogynäkologie. Bisher wurde die Methode in Österreich nur selten angewandt; durch die Erstbehandlungen in Wiener Neustadt sollen betroffene Frauen in der Region künftig raschere und spezialisiertere Therapieoptionen erhalten.
Die Entscheidung, eine Levator‑Plastik durchzuführen, erfordert eine differenzierte Abwägung. Nicht jede Patientin mit Beschwerden nach der Geburt ist automatisch Kandidatin. Das Klinikteam betont die Notwendigkeit präziser Diagnostik, um gezielt jene Frauen zu behandeln, bei denen eine operative Rekonstruktion des Levatormuskels medizinisch sinnvoll ist.
Kurzübersicht: Zahlen und Fakten
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Erste behandelte Patientinnen in Wiener Neustadt | 6 |
| Teilabrisse bei Spontangeburten (angaben Fachleute) | bis 10 % |
| Teilabrisse bei Geburten mit Saugglocke | bis 30 % |
Ausblick
Die nun durchgeführten Eingriffe in Wiener Neustadt markieren einen ersten Schritt zur Etablierung der Levator‑Plastik in Österreich. Für die Patientinnen bedeutet dies eine zusätzliche Option zur Behandlung von schwerwiegenden Folgeerscheinungen nach Geburten. Das Universitätsklinikum will offenbar in Zukunft weitere solcher Eingriffe anbieten, sofern Diagnostik und Indikationsstellung dies erlauben.
Für Betroffene im Bezirk bedeutet die lokale Verfügbarkeit spezieller Behandlungsoptionen eine Verringerung von Anfahrtszeiten zu spezialisierten Zentren und eine engere Nachsorge durch das vertraute Spitalteam. Die langfristige Wirksamkeit und die Auswahlkriterien werden klinisch weiter beobachtet und dokumentiert werden müssen, um die Indikationsstellung zu präzisieren.