Das Ministerium für Bildung und Ausbildung hat ein landesweites Aktionsprogramm angekündigt, das im Schuljahr 2026/2027 in Kraft treten soll. Ziel ist es, die Praxis von Punktvorgaben und überhöhtem Leistungsverlangen an Bildungseinrichtungen zu stoppen und stattdessen die Qualität von Unterricht, Prüfungen und Beurteilungen zu stärken.
Klare Vorgabe: Substanz statt Ziffern
Im Mittelpunkt des Programms steht das Leitbild „echter Unterricht, echtes Lernen, echte Prüfungen und echte Beurteilung“. Das Ministerium verlangt, dass Schulen davon absehen, Prüfungsquoten oder Mindestanteile an guten Noten vorzuschreiben. Schulleitungen sollen keine Vorgaben an Lehrkräfte machen, wie viele Schülerinnen und Schüler eine bestimmte Note zu erreichen haben. Stattdessen sollen Lehrerinnen und Lehrer die Leistungen individuell und objektiv bewerten.
„echter Unterricht, echtes Lernen, echte Prüfungen und echte Beurteilung“
Konkrete Maßnahmen für den Schulalltag
Das Programm sieht vor, administrativen Aufwand und nicht‑unterrichtliche Belastungen zu reduzieren, um Lehrpersonen mehr Zeit für die Unterrichtsvorbereitung und Lernbegleitung zu geben. Dazu gehören:
- Weniger Papierkram und überflüssige Dokumentationspflichten;
- Abbau von nicht‑beruflichen Wettbewerben, die Leistungsmessung verzerren;
- Verantwortlichkeiten der Schulleitung für die Wahrung von Objektivität bei Prüfungen und Beurteilungen.
Lehrkräfte sind explizit aufgerufen, als Vorbild in puncto Ethik, Verantwortungsbewusstsein und Ehrlichkeit zu fungieren und die tatsächlichen Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler transparent abzubilden.
Akademische Integrität und Technik: Umgang mit KI
Ein Schwerpunkt des Programms ist der Umgang mit digitalen Hilfsmitteln und künstlicher Intelligenz. Das Ministerium fordert Bildungseinrichtungen auf, verbindliche Regeln zur akademischen Integrität zu erstellen. Ziel ist es, Plagiate, unerlaubte Fremdleistungen und technikgestützten Betrug zu verhindern und gleichzeitig Lernende im verantwortungsvollen Einsatz technologischer Werkzeuge zu schulen.
| Bereich | Wesentliche Vorgabe |
|---|---|
| Bewertung | Keine Quoten für Noten; objektive Prüfungsorganisation |
| Arbeitsbelastung | Reduktion von Papierkram und nicht‑unterrichtlichen Wettbewerben |
| Digitale Integrität | Richtlinien gegen Plagiate und Missbrauch von KI |
Folgen und Perspektiven
Die Vorgaben zielen auf eine Qualitätswende: Weg von äußerlichen Leistungsindikatoren hin zu aussagekräftigen Beurteilungen. Für Lehrkräfte bedeutet das einerseits Entlastung von administrativen Pflichten, andererseits eine verstärkte Verantwortung bei der Bewertung. Eltern und Lernende müssen sich auf strengere Regeln zur Ehrlichkeit bei Prüfungen einstellen; Schulen stehen vor der Aufgabe, klare Prozesse zur Prävention von Betrug mittels Technologie aufzubauen.
Das Ministerium stellt damit auch die Weichen für eine systematische Auseinandersetzung mit den Folgen des zunehmenden KI‑Einsatzes im Bildungsbereich. Künftige Richtlinien sollen nicht allein Verbote enthalten, sondern auch Bildung in digitaler Kompetenz und Quellenarbeit fördern. Wie die Umsetzung konkret begleitet und kontrolliert wird — etwa durch Inspektionen oder Fortbildungsangebote für Lehrkräfte —, bleibt Gegenstand weiterer Regelungen.
Für Eltern und Lehrkräfte ist die Botschaft deutlich: Prüfungsresultate sollen wieder die tatsächlichen Fertigkeiten und Kenntnisse abbilden. Damit verbunden ist die Erwartung an alle Beteiligten, ehrliche Prüfungsbedingungen zu sichern und Lernprozesse substantiell zu gestalten.