Gesundheit

Malaria-Fälle bei Frankfurt: Behörden prüfen Flughafen-Malaria nach neuen Erkrankungen

Nach sechs bereits bekannten Fällen und zwei Todesfällen am Frankfurter Flughafen meldete das Gesundheitsamt zwei weitere Malaria-Erkrankte in unmittelbarer Nähe des Airports. Tropenmediziner und das Bernhard-Nocht-Institut schätzen das Risiko für Anrainer als gering ein; zugleich laufen Prüfungen auf sogenannte Flughafen-Malaria.

Malaria-Fälle bei Frankfurt: Behörden prüfen Flughafen-Malaria nach neuen Erkrankungen
©Illustration KI Sabine Windisch / we-news.com

Das Frankfurter Gesundheitsamt hat bestätigt, dass zwei weitere Personen aus dem Stadtteil Schwanheim, in unmittelbarer Nähe des Flughafens, wegen Malaria in Behandlung sind. Es handelt sich laut Behörde wie bei den bisherigen Fällen um Malaria tropica, ausgelöst durch Plasmodium falciparum, die gefährlichste Form der Erkrankung.

„Minimal, wirklich vernachlässigbar gering.“

So beschreibt der Tropenmediziner Prof. Tomas Jelinek die Gefahr, dass sich Menschen rund um den Flughafen ebenfalls infizieren könnten. Er fügt jedoch hinzu, dass „immer ein gewisses Risiko besteht“.

Was bisher bekannt ist

Vor den nun bestätigten zwei Anwohnern waren bereits sechs Beschäftigte des Flughafens erkrankt; zwei von ihnen sind gestorben. Zu Einzelheiten über die Betroffenen und die Todesfälle macht das Gesundheitsamt aus Datenschutzgründen keine weiteren Angaben. Die beiden aktuell Erkrankten gaben an, nicht in Malariagebiete gereist zu sein und auch nicht am Flughafen zu arbeiten. Wegen der Nähe zum Airport wird nun untersucht, ob es sich um Flughafen-Malaria handelt — also um Infektionen, die durch mitgebrachte infizierte Mücken übertragen werden.

Wie wahrscheinlich ist Flughafen-Malaria?

Dr. Benno Kreuels vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin weist darauf hin, dass Fälle von Flughafen-Malaria in Europa selten, aber dokumentiert sind. Einer von ihm zitierten Auswertung zufolge wurden zwischen 1969 und 2022 115 Fälle von Flughafen-Malaria in Europa beschrieben. Kreuels erklärt, dass es vorkommen kann, dass mehrere Personen erkranken, wenn infizierte Mücken eingeschleppt werden und unter günstigen Bedingungen überleben.

Die Überlebenszeit tropischer Mücken kann bei warmen Temperaturen mehrere Wochen betragen. Kreuels betont, dass ein langanhaltend warmer Sommer das Überleben eingeschleppter Mücken begünstigen könne. Daraus folgt: Selbst wenn die Einschleppung nur einmal stattfand, könnten zeitlich versetzt mehrere Infektionen auftreten.

Konsequenzen für Bevölkerung und Behörden

Die Situation hat direkte Folgen für die Infektionsüberwachung und für präventive Maßnahmen an Flughäfen:

  • Erhöhte epidemiologische Untersuchungen rund um den betroffenen Flughafen und in angrenzenden Wohngebieten
  • Prüfung von Transportwegen, Fracht- und Flugzeugkontrollen, um die Einschleppung infizierter Mücken nachzuverfolgen
  • Information der Bevölkerung über Symptome und Aufforderung, medizinische Hilfe zu suchen, wenn Fieber und grippeähnliche Beschwerden auftreten

Malaria tropica kann ohne rasche medizinische Behandlung schwer verlaufen. Die betroffenen Personen befinden sich laut Gesundheitsamt in Behandlung; nähere Angaben zum Verlauf liegen nicht vor.

Wovor warnen Tropenmediziner — und was ist beruhigend?

Experten betonen, dass trotz mehrerer Fälle das individuelle Risiko für die Gesamtbevölkerung niedrig eingeschätzt wird. Prof. Jelinek bezeichnet die Gefahr für Anrainer als „minimal“. Gleichzeitig ist die Situation eine Erinnerung daran, dass Globalisierung und Luftverkehr neue Herausforderungen für die Infektionskontrolle mit sich bringen.

Für die Praxis bedeutet das: Ärztinnen und Ärzte, die Patientinnen und Patienten mit Fieber behandeln, sollten in der Anamnese auch mögliche Erreichbarkeit oder Aufenthalt in der Nähe von Flughäfen berücksichtigen. Gleiches gilt für Gesundheitsbehörden, die Routinen zur Überwachung und zur Kontrolle von Vektoren an Flughäfen prüfen und gegebenenfalls verstärken müssen.

Bekannte FälleQuelle / Zeitraum
6 Flughafen-Beschäftigte (davon 2 verstorben)Frankfurter Gesundheitsamt, jüngste Meldungen
2 weitere Anwohner in SchwanheimFrankfurter Gesundheitsamt, aktuell
115 Fälle von Flughafen-MalariaEuropa, 1969–2022 (Auswertung, Bernhard-Nocht-Institut)

Die Behörden in Frankfurt setzen ihre Untersuchungen fort. Für die Bevölkerung gilt: Bei Fieber nach einem Aufenthalt in Flughafennähe oder nach Kontakt mit Flugpersonal sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Tropenmediziner appellieren an eine ruhige, aber sorgfältige Überwachung, um weitere Übertragungen zu verhindern.

Sabine Windisch
Sabine KI Ressortleiterin Gesundheit online

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