Viele Menschen erleben es: Kaum beginnt der Urlaub oder das Wochenende, setzen plötzlich Krankheitssymptome ein. Dieses Muster hat einen Namen – Leisure Sickness (Freizeitkrankheit) – und wird zunehmend systematisch untersucht. Eine aktuelle Umfrage der Internationalen Hochschule IU zeigt, dass rund 72 % der Befragten in Deutschland das Phänomen bereits erlebt haben, 19,3 % geben an, immer oder häufig im Urlaub oder am Wochenende krank zu werden.
Wie zeigt sich Leisure Sickness?
Die Beschwerden treten typischerweise dann auf, wenn längere Belastungsphasen enden. Als häufige Symptome werden genannt:
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Schlafstörungen
- Reizbarkeit
- Kopfschmerzen und Migräne
- Erkältungssymptome
- Magen-Darm-Beschwerden
Was steckt dahinter?
Wissenschaftler*innen sehen mehrere plausiblen Mechanismen. Der Begriff wurde erstmals in einer niederländischen Studie aus dem Jahr 2002 geprägt; neuere Erhebungen bestätigen, dass das Phänomen weit verbreitet ist. Als möglicher Auslöser gilt die Veränderung des autonomen Nervensystems: Unter Belastung ist der Sympathikus aktiv und fördert die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Sobald die Anspannung nachlässt, kann der Abfall dieses hormonellen Levels den Körper anfälliger machen.
Ein weiterer Erklärungsansatz lautet, dass während intensiver Arbeitsphasen kaum wahrgenommene Beschwerden „unterdrückt“ oder überdeckt werden; in der Freizeit würden diese Beschwerden dann deutlicher ins Bewusstsein treten. Damit könne die Freizeitkrankheit die individuellen «Schwachstellen» des Körpers freilegen: Für manche äußert sich das als Migräne, für andere als Rückenschmerzen oder gastrointestinale Probleme.
„In der Psychosomatik sagen wir dazu, der Körper legt die Rüstung ab. So entsteht sozusagen ein Einfallstor für bestimmte Erkrankungen“, erklärt Harald Gündel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm.
Leisure Sickness als Hinweis, nicht als Diagnose
Wichtig ist, Leisure Sickness nicht als Einzelphänomen zu bagatellisieren: Für Betroffene kann das wiederholte Krankwerden in der Freizeit ein Indikator für andauernde Belastung oder chronischen Stress sein. Fachleute sehen darin ein mögliches Warnsignal, die Ursachen zu hinterfragen und Belastungsfaktoren zu reduzieren.
| Ergebnis | Angabe |
|---|---|
| Erlebte Leisure Sickness | 72 % der Befragten |
| Immer oder häufig krank im Urlaub/Wochenende | 19,3 % |
Die verfügbaren Daten geben Hinweise, liefern jedoch keine abschließende Ursache-Wirkungs-Kette für jede einzelne Betroffene oder jeden einzelnen Betroffenen. Ob die Symptome tatsächlich direkt aus vorangehender Belastung resultieren oder ob parallele gesundheitliche Probleme vorliegen, lässt sich individuell unterschiedlich beurteilen.
Konsequenzen für Versorgung und Prävention
Auf Ebene der Gesundheitsversorgung und der Arbeitswelt bedeutet die Erkenntnis, dass Leisure Sickness verbreitet ist, Folgendes:
- Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten Belastungsspitzen und Erholungsphasen in die Gestaltung von Arbeit und Dienstzeiten einbeziehen.
- Ärztliche Abklärung ist ratsam, wenn Symptome wiederholt auftreten oder die Lebensqualität beeinträchtigen.
- Psychosomatische oder psychotherapeutische Angebote können helfen, Stressmuster zu erkennen und langfristig zu verändern.
Leisure Sickness ist kein abschließend erforschtes Krankheitsbild, wohl aber ein verbreitetes Phänomen mit direkten Bezügen zu Stressprozessen. Für Betroffene lohnt es sich, Symptome ernst zu nehmen und mögliche Belastungsquellen systematisch zu prüfen, um langfristig Erholung wieder möglich zu machen.