Vor den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben der Deutsche Philologenverband (DPhV) und der Deutsche Hochschulverband (DHV) einen gemeinsamen Wahlaufruf gestartet. Die Verbände wenden sich damit ausdrücklich an die Bevölkerung – mit einem besonderen Hinweis an Lehrende, Forschende und Studierende.
Kernaussage des Appells
Im Zentrum des Aufrufs steht die Forderung, mit der Wahlentscheidung diejenigen Kräfte zu stärken, die für Weltoffenheit stehen und die Autonomie von Wissenschaft und Bildung verlässlich schützen. Die Initiatoren betonen, Bildung und Wissenschaft seien Voraussetzungen für Demokratie, Wohlstand und gesellschaftlichen Fortschritt.
„Stärken Sie mit Ihrer Stimme diejenigen Kräfte, die für Weltoffenheit stehen und die Autonomie von Wissenschaft und Bildung verlässlich schützen“
Die Verbände warnen vor den Folgen parteipolitischer Einflussnahme: Wo Lehrinhalte gesteuert, Hochschulen in ihrer Autonomie eingeschränkt oder Forschungsergebnisse nach politischer Opportunität bewertet würden, gerieten Erkenntnis und Vielfalt der Perspektiven unter Druck. Schulen und Hochschulen bräuchten ein Klima offenen, sachlichen Austauschs und produktiver Kontroverse.
Schulpflicht als politischer Prüfstein
Ein zentrales Thema des Aufrufs ist die Schulpflicht. Die Verbände sprechen sich klar für ihren Erhalt aus und heben hervor, dass die Schulpflicht sicherstelle, dass Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Lebenswelten und Meinungen in Kontakt kämen und in der Schule gesellschaftliche Teilhabe erfuhren.
Die Initiative verweist zugleich indirekt auf politische Debatten: In dem Appell werden keine Parteien genannt. Erwähnt wird jedoch, dass die AfD die Schulpflicht infrage stellt und im Falle einer Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt eine Bildungspflicht mit der Option auf häuslichen Unterricht anstrebe. Damit wird die Schulpflicht zum Prüfstein für Parteien, die sich um Wählerstimmen in diesen Landtagen bemühen.
Wer steht hinter dem Appell?
Die beiden Verbände erläutern ihre Rolle: Der Deutsche Philologenverband versteht sich als Vertretung von Lehrkräften an Gymnasien und anderen Schulen, die zur Matura führen. Er gibt seine Mitgliederzahl mit rund 90.000 Einzelmitgliedern an. Der Deutsche Hochschulverband ist die Berufsvertretung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und berichtet von etwa 34.000 Mitgliedern.
| Verband | Mitglieder (angegeben) |
|---|---|
| Deutscher Philologenverband (DPhV) | rund 90.000 |
| Deutscher Hochschulverband (DHV) | rund 34.000 |
Folgen und Einordnung
- Der Appell bringt Bildungspolitik unmittelbar in den Wahlkampf der drei Länder.
- Er stellt die Autonomie von Schulen und Hochschulen als demokratische Schutzgröße dar.
- Die Debatte um Schulpflicht versus Bildungspflicht könnte Wählerinnen und Wähler mobilisieren, insbesondere Lehrkräfte, Studierende und Eltern.
Der Aufruf macht deutlich, dass Berufsvertretungen aus Bildungsbereichen aktiv in den öffentlichen Diskurs eingreifen, wenn Grundsätze ihrer Arbeit bedroht erscheinen. Ob und wie sehr dies Wählerentscheidungen beeinflusst, hängt von der Wahrnehmung der Parteienprogramme in den betroffenen Ländern ab. Klar ist: Themen wie Autonomie, Wissenschaftsfreiheit und Schulpflicht werden in den kommenden Wochen zu Messgrößen dafür, welche politischen Kräfte als verlässlich für das Bildungswesen gelten.
Die Formulierung des Appells – parteineutral, aber eindeutig in der Sache – zielt darauf ab, eine breite gesellschaftliche Debatte anzustoßen. Für Lehrkräfte und Wissenschaftlerinnen bleibt es ein Versuch, die Bedingungen ihrer Arbeit in den Mittelpunkt des Wahlkampfs zu rücken.